Handarthrose: Ursachen & Behandlungsmöglichkeiten

Nicht nur, dass die Finger immer krummer und knotiger werden: morgens sind sie steif und schmerzen. Verflixtes Erbstück! Mit einem Kunstgelenk kann man nicht nur die Schmerzen verlässlich beseitigen und die Beweglichkeit erhalten, sondern auch ein normales Aussehen des Fingers wiederherstellen.

Die Hände sind mehr als nur Werkzeuge, sie haben als Kommunikationsmittel eine erhebliche zwischenmenschliche Funktion. Bei einer Begegnung achten wir besonders auf die unbekleideten Partien des Gegenübers – das Gesicht und die Hände. Neben dem Blickkontakt vermittelt der Händedruck einen unmittelbaren Eindruck und entscheidet über Sympathie oder Antipathie. Insbesondere Menschen mit präsentierenden Tätigkeiten schämen sich oft über den knorrigen Anblick ihrer Fingergelenkarthrosen. In Gesellschaft werden deswegen häufig die Hände in den Taschen versteckt oder die Fäuste geschlossen, um die Finger zu verbergen.

Wie kommt es dazu?
Die Deformation der Finger und die zunehmenden Schmerzen sind auf die Entstehung einer Fingerendgelenksarthrose zurückzuführen. Diese ist leider eine schicksalshafte Angelegenheit und häufig familiär bedingt. Meist wird diese Neigung von der Mutter an die Tochter weitergegeben, die Söhne sind in geringerem Ausmass betroffen. Seltener entsteht diese Gelenkabnutzung wegen einer chronischen Überbelastung wie bei Massageberufen oder nach Verletzungen. Schmerzepisoden treten häufig als erste Symptome auf, zum Teil lange bevor das Röntgenbild Veränderungen zeigt. Mit der Zeit wird es morgens immer schwieriger, die Finger zur Faust zu schliessen. Diese Erscheinungen werden in der nasskalten Jahreszeit schlimmer. Schliesslich bilden sich knotige Höcker an der Rückseite der Fingerendgelenke und machen die Arthrose für alle sichtbar. Geraten die Finger dann auch noch aus der Achse und werden immer krummer und steifer, stellt sich eine zunehmende Funktionseinschränkung ein. Häufig entwickeln sich in unterschiedlichen Stadien dieser Arthroseentstehung Gelenkzysten über den betroffenen Gelenken und verursachen wegen des Drucks auf die Fingernagelwachstumszone unschöne furchenartige Nagelwachstumsstörungen.

 

Diese Arthrose eignet sich optimal für die Versorgung mittels Prothese, da die Fingerachse erhalten, d. h. noch keine Verkrümmung eingetreten ist.

 

Behandlungsmöglichkeiten
Haben diese Veränderungen ein störendes Ausmass erreicht, ist eine handchirurgische Beratung sinnvoll. Hierbei wird ausführlich die Funktion getestet und bei Bedarf eine Standortbestimmung der Gelenksituation mittels Röntgen durchgeführt. Sind die Knorpel- und Knochenveränderungen noch nicht so stark ausgebildet, lassen sich die Beschwerden mit konservativen Massnahmen behandeln. Dazu gehören der Kälteschutz, der Einsatz von Knorpelprotektiva, eventuell Schmerzmittelsalben oder besser -sprays und allenfalls Kortisonspritzen. Werden die Schmerzen damit nicht ausreichend gelindert, muss man die operative Behandlung diskutieren. Ist bereits eine massive Beweglichkeitseinschränkung, also Einsteifung, eingetreten und der Finger erheblich verkrümmt, kann lediglich eine Entfernung dieses destruierten Gelenks und eine Stabilisierung, meist mit einer Schraube, angeboten werden. Bei einer solchen Versteifung ist die Schmerzbefreiung oft nur noch auf Kosten einer geringen Restbeweglichkeit verlässlich zu erreichen. Allerdings wird der Finger dabei ca. 3 Millimeter kürzer. Dieses Operationsverfahren wird ausschliesslich zur Behandlung der Schmerzhaftigkeit gewählt. Ist man dagegen auch ästhetisch durch das knorrige Erscheinungsbild des Arthrosefingers gestört, kann bereits früher im Krankheitsverlauf bei einer vorhandenen Funktion und korrekten Achse das abgenutzte Gelenk durch eine Prothese ersetzt werden. Mit dem Einsetzen eines Kunstgelenks wird das schmerzhafte Knochenreiben verhindert, und die Beweglichkeit kann erhalten werden. Dafür muss man die Strecksehne über dem Gelenk vom Knochen ablösen, kann dann alle störenden Knochenwucherungen des Arthrosegelenks sowie die zerstörten Gelenkflächen entfernen und anschliessend die Prothese einsetzen. Der Eingriff dauert pro Fingergelenk etwa 45 Minuten. Auch die Operation von mehreren Fingern gleichzeitig ist möglich. Bei Bedarf entfernt man allfällige Gelenkzysten und erreicht so wieder einen schlanken Zustand des Fingergelenks. Entfällt der Druck einer solchen Zyste auf die Nagelwachstumszone, wächst sich sogar die furchenartige Veränderung wieder aus. Allerdings benötigt der Fingernagel bis zur vollständigen Erholung bis zu sechs Monate. Wichtig ist das vollständige Einheilen der wieder befestigten Strecksehne über dem Kunstgelenk, was erfahrungsgemäss sechs Wochen beansprucht. In dieser Zeit wird eine kleine Fingerschiene getragen, die lediglich das operierte Gelenk ruhigstellt. Die Funktion der Hand wird dadurch nicht wesentlich beeinträchtigt.

Vor- und Nachteile der Prothese gegenüber der Versteifung
Solange ein schmerzendes Arthrosegelenk eine gute Funktion aufweist, fällt der Rat zu einer schmerzbefreienden Versteifung schwer. Man versucht in dieser Situation, alle konservativen Massnahmen auszuschöpfen, bis das Ausmass der Schmerzen zum operativen Handeln zwingt. Kann man jedoch mittels Prothesenersatz die Beweglichkeit des Gelenks erhalten, lässt sich diese Leidenszeit abkürzen, und eine Erleichterung ist bereits in früheren Stadien der Arthrose möglich. Damit vermeidet man die Entwicklung zu entstellenden Verkrümmungen der Finger. Ausserdem bleibt die Fingerlänge mit prothetischem Ersatz des Endgelenks erhalten, die Verkürzung wie bei der Versteifung – und damit ein gewisses plumpes Aussehen – entfällt. Meistens können die Wunden lediglich mit einem speziellen Wundpflaster verschlossen werden, sodass fast unsichtbare Narben resultieren. An sich könnte man das neue Gelenk sofort bewegen. Allerdings müssen die Weichteile rund um die Prothese zuerst heilen, allen voran die durchtrennte und anschliessend wieder angenähte Strecksehne. Ist die postoperative Ruhigstellung ungenügend, verbleibt ein Extensionsdefizit, d. h., der Finger kann nicht vollständig gerade gestreckt werden. Die Behandlungsdauer unterscheidet sich aber nicht wesentlich von derjenigen bei einer Versteifung. Wie bei allen Gelenkprothesen kann sich der Knochen rund um das Kunstgelenk auflösen, die Prothese kann auslockern oder brechen. Sollte eine solche Komplikation auftreten, ist der Wechsel von einer Prothese zur Versteifung immer noch möglich. Muss jemand allerdings schwere manuelle Tätigkeiten mit regelmässigem kräftigem Zupacken der Hände ausüben, wird die Stabilisierung durch Versteifung zulasten der Mobilität empfohlen. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die prothetische Versorgung des Arthrose geschädigten Fingerendgelenks einen deutlichen Vorteil gegenüber der Gelenkversteifung in früheren Krankheitsstadien hat. Die Beweglichkeit kann damit bei verlässlicher Schmerzbefreiung erhalten werden, und der Finger erlangt wieder ein normales Aussehen. Somit muss man nicht das Leid erdulden, bis der Schmerz durch die Versteifung erlöst wird, sondern kann die Fingerfunktion bewahren und zusätzlich dem ästhetischen Empfinden Rechnung tragen.

Klinik Pyramide am See
Bellerivestrasse 34
8034 Zürich
pyramide.ch

Autor: PD Dr. med. Boris J. Czermak,  Facharzt FMH für Chirurgie, spez. Handchirurgie

 

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