Schatzkammer der Menschheit

Die Bibel ist die Schatzkammer der Menschheit. Ein Buch voller Weisheit. Ein Buch voller Wirklichkeit. Wir haben die Bibel vergessen. Man sollte sie wieder lesen.

Heute glauben viele nicht mehr an Gott oder an die Bibel. Sie glauben an alles Mögliche, an sich, an den Staat, an die Natur, an die Wissenschaft, an nichts, an Greta.

Mein Grossvater war gegen Gott und gegen die Bibel. Er hatte den Zweiten Weltkrieg erlebt. Ich bin und war nie besonders religiös. Die Bibel kannte ich kaum. Was für eine Bildungslücke.

Keine Angst, ich will Sie nicht bekehren. Wenn Leute «Gott» sagen, zucke ich zusammen. Die meisten, die von Gott reden, meinen sich selbst. Gott ist vermutlich das meistmissbrauchte Wort der Welt.

Den Überfrommen misstraue ich. Ich halte Glauben und Religion für etwas, was man lieber für sich behält. Woran man glaubt, ist so persönlich. Darüber sollte man nur behutsam reden.

Ich glaube nicht, dass man die Bibel lesen muss, um ein guter Mensch zu sein. Aber es hilft. Die Bibel ist auch ein Buch darüber, wie man richtig handelt.

Sie gibt Antworten auf all die unbeantwortbaren Fragen: Warum gibt es etwas und nicht einfach nichts? Was ist der Mensch? Was soll ich tun?

Die Wissenschaft vermittelt Kenntnis, Wissen. Die Bibel liefert Weisheit. Die Wissenschaft sagt, was ist. Die Bibel erzählt, was wir mit diesem Wissen machen sollen.

Wer nur an die Wissenschaft glaubt, glaubt an die Natur, ans Materielle. Es gibt keinen Sinn. Die Starken fressen die Schwachen. Menschen, Tiere und Pflanzen sind Zellhaufen, Sternenstaub.

Der Nazi-Arzt Dr. Mengele glaubte an die Wissenschaft. Viele Nazis waren gegen Tierversuche. Mengele experimentierte an lebenden Menschen. Die reine Wissenschaft kann Monster gebären.

Die Wissenschaft sagt uns nicht, ob wir ein Spital oder ein Konzentrationslager bauen, ob wir unsere Eltern ehren oder einsam sterben lassen sollen.

Es gibt Leute, die sagen, dass es ohne die Bibel, ohne Gott keine Moral geben kann. Sicher schadet es nicht, die Bibel zu lesen, wenn man etwas über Moral erfahren will.

Es stimmt, die Bibel redet von etwas, was man nicht begreifen kann, von Gott. Aber durch die Art, wie sie über Gott spricht, sagt sie enorm viel über den Menschen aus.

Ich bin Journalist und Politiker. Für mich lautet die wichtigste biblische Botschaft: Die höchste Autorität ist nicht von dieser Welt. Gott ist kein Mensch. Kein Mensch kann Gott sein.

Das ist alles andere als selbstverständlich. Seit Jahrtausenden wollen die Menschen ihre eigenen Götter sein, den höchsten Thron erklimmen.

Indem die Bibel Gott auf den Thron hebt, entthront sie den Menschen. Das war, das ist bis heute der Urknall der Freiheit. Wo es keinen Gott im Himmel gibt, droht die grenzenlose Tyrannei auf Erden.

Und umgekehrt: Wo ein Gott im Himmel der Macht der Menschen Grenzen setzt, beginnt die Freiheit. Ohne die Bibel gäbe es die Freiheit nicht. Keine Schweiz ohne Gott.

Die Wahrheit der Bibel besteht darin, dass sie tröstet, ohne zu beschönigen. Sie beschreibt den Menschen, wie er ist. Es gibt kein ehrlicheres Buch über die menschliche Natur.

Der Mensch der Bibel ist ein hoffnungsloser Fall. Er betrügt, lügt und stiehlt, taumelt von einem Irrtum zum nächsten, rennt dauernd falschen Göttern hinterher. Kommt uns das bekannt vor?

Im Alten Testament sind alle Familien zerrüttet: Ehebruch, Brudermord, Geschwister, die andere Geschwister in die Sklaverei verkaufen. Das Dysfunktionale ist das Normale. Tröstlich auch dies.

Jeder Mensch läuft Gefahr, aus der Bibel nur das herauszulesen, was ihn bestätigt in seinen Vorlieben und Meinungen. Ich bilde mir ein, ein paar zeitlose Wahrheiten zu erblicken.

Zum Beispiel: Der Mensch ist ein Abbild Gottes, also mehr als nur ein vernunftbegabtes Tier. Jedes Leben ist heilig, auch das schwächste. Die Bibel ist die Quelle aller Menschenrechte.

Der Mensch ist nicht automatisch gut. Das Böse kommt aus der menschlichen Natur. Nicht Armut, Unterdrückung oder Kapitalismus machen den Menschen schlecht. Er ist selber schuld.

Es gibt den freien Willen. Der Mensch ist nicht der Sklave seiner Gene. Er trägt Verantwortung. Niemand kann sie ihm abnehmen.

Frauen und Männer sind gleichwertig, aber nicht gleich. Die Bibel schafft Ordnung durch Unterscheidungen. Vieles davon droht heute zu verschwimmen. Chaos kehrt zurück.

Die Menschen sollen nicht ihrem Herzen folgen, sondern ihrem Geist. Die Bibel ist ein erstaunlich rationales Buch darüber, warum es vernünftig ist, an einen Gott zu glauben.

Die Bibel ist grosse Literatur, Lebenskunde in Geschichten, das mächtigste Reservoir an Weisheit, das wir haben.

Die Bibel sollte wieder Pflichtlektüre werden, in den Schulen, in den Familien. Das Leben ist ein Wunder. Die Bibel ergründet sein Geheimnis. R. K.

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Alex Baur, Redaktor

Kommentare

Michael Wäckerlin

25.02.2021|23:53 Uhr

Ein gutes Editorial. Danke.

Hans Georg Lips

24.02.2021|17:34 Uhr

Ich glaube keinem, der behauptet, er habe mit Gott "gesprochen".

Ornella Greco

24.02.2021|14:16 Uhr

Guten Nachmittag Herr Köppel, da ich bekennende Christin bin, interessiert mich schon seit einiger Zeit, ob Sie auch bekennender Christ sind? Vielleicht wollen Sie mir ja darauf öffentlich keine Antwort geben. Haben Sie Jesus unser Schicksal von Wilhelm Busch gelesen? Die Bibel ist und bleibt natürlich Pflichtlektüre Nr. 1.

Michael Hartmann

23.02.2021|07:40 Uhr

Spycher, die Bibel gilt auch dann, wenn es einen selber anscheisst! Oder etwa nicht? Die Probleme werden vom Menschen geschaffen. Gelöst werden Sie selten, auch von den Gläubigsten der Gläubigen jeglicher Religion nicht. Das ist das Los der Dummen, bzw. Gläubigen!

edweb

23.02.2021|04:18 Uhr

@Beat Furrer: Danke für den Austausch. Ich glaube sehr wohl - aber nicht an von Menschen kreierte und aufrechterhaltene Interpretationen, Theorien und Ideologien (sprich: Religion), denen Schriften wie die Bibel oder ähnliche als unfehlbare (sprich: dogmatische) Gebrauchsanweisungen dienen. Religionsfreier Glaube ist ein wahres Geschenk "Gottes" :-).

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