Wie der Bund die Impfung schönredet

Die Behörden drängen das Volk mit emotionalen Kampagnen zur Impfung. Ihre Informationen zu Wirksamkeit und Sicherheit sind jedoch fragwürdig.

Handeln nach Grundsätzen, die normalerweise für alle gelten – das scheint nicht die Linie des Bundesamts für Gesundheit (BAG) zu sein. Mit dem Spruch «Ein Herz für uns alle» und dem Appell an die Solidarität betreibt das BAG eine Werbekampagne für die Covid-19-Impfung. Für Jugendliche wurde ein fröhlich-buntes Comic-Merkblatt zusammengestellt, um sie zum Impfen zu motivieren. Das sind «Massnahmen zur Information, Marktbearbeitung und Schaffung von Anreizen, welche zum Ziel haben, [. . .] die Anwendung von Arzneimitteln zu fördern», und das gilt laut Arzneimittel-Werbeverordnung als Werbung. Publikumswerbung für verschreibungspflichtige Arzneimittel ist eigentlich nicht erlaubt. Im Fall der Impfung scheint das die Behörden nicht zu kümmern.

Auch zur Genauigkeit der Informationen stellen sich Fragen. Das BAG schreibt auf seiner Homepage unter der Rubrik «Nebenwirkungen, Mythen & Fragen»: «Impfungen werden von Swissmedic nur zugelassen, wenn sie sicher und wirksam sind. Dafür werden sie gründlich getestet.» Stimmt das? Welche formalen Voraussetzungen sind bei einer Zulassung von Arzneimitteln normalerweise zu erfüllen? Eine kurze Beurteilung:

 

Wie gut sind die Wirksamkeitsanalysen?

Die Covid-Impfstoffe wurden befristet zugelassen. Laut Heilmittelgesetz dürfen nur Arzneimittel gegen lebensbedrohende oder invalidisierende Krankheiten befristet zugelassen werden. War dieses Kriterium im aktuellen Fall erfüllt? Zahlreiche Argumente sprechen dagegen.

Die Spitäler sind nie annähernd an Kapazitätsgrenzen gestossen, Intensivbetten wurden gar abgebaut, Spitäler geschlossen. 2020 fiel keine Übersterblichkeit auf, wenn die Bevölkerungsdaten korrekt berücksichtigt werden. Und laut Schätzungen ist die Todesrate bei Infektion (IFR) für die Gesamtbevölkerung mit 0,15 Prozent nicht höher als bei der Grippe, die für Kinder und Jugendliche übrigens deutlich gefährlicher ist. Insgesamt deutet wenig darauf hin, dass die Kriterien für eine befristete Zulassung erfüllt sind. Hinzu kommt: Laut einer von Swissmedic herausgegebenen Wegleitung muss ein Arzneimittel, das befristet zugelassen wird – neben der für alle Arzneimittel geltenden Bedingung, dass es sicher, wirksam und qualitativ hochstehend ist – einen «grossen therapeutischen Nutzen» belegen. Hierbei muss der gewählte primäre klinische Wirksamkeits-Endpunkt der Zulassungsstudie – also das Hauptziel der Impfung – klinisch relevant sein, diese Endpunktereignisse müssen ausreichend häufig auftreten, und eine Kausalität zwischen Behandlung und klinischem Effekt muss erkennbar sein.

Was viele nicht wissen: Bei den Zulassungsstudien der Covid-Impfstoffe war der primäre Wirksamkeitsendpunkt eine «leichte Covid-Erkrankung», entsprechend ein bis zwei Symptomen wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Husten oder Fieber in Kombination mit einem positiven RT-PCR-Test. Ist es klinisch oder gar gesellschaftlich relevant, solche Bagatellereignisse zu reduzieren? Wäre nicht viel relevanter, zu untersuchen, ob ein Impfstoff auch schwere Erkrankungen in Verbindung mit einem Aufenthalt im Spital oder gar auf einer Intensivstation reduziert? Man sollte es meinen, aber diese Frage wurde in den Studien lediglich in einem sekundären Endpunkt untersucht und bis heute nicht beantwortet. Dass man so vorgegangen ist, wird mittlerweile in namhaften wissenschaftlichen Zeitschriften hinterfragt.

Wie gut haben denn die Impfstoffe eigentlich ihre Wirksamkeit bewiesen? «Leichte Covid- Erkrankungen» traten in den Zulassungsstudien trotz «grassierender Pandemie» bei weniger als einem Prozent der Studienteilnehmer auf. Der Erfolg war, dass diese sehr geringe Zahl durch die Impfung noch etwas reduziert wurde. Die überall kommunizierte «hohe Wirksamkeit von über 90 Prozent» kommt dadurch zustande, dass man misst, wie viel besser die Reduktion bei den Geimpften war im Vergleich zur Placebo-Gruppe. Schwere Verläufe traten bei den Studienteilnehmern so selten auf (beim Pfizer/Biontech-Impfstoff drei in der Placebo- gegenüber einem in der Impfstoffgruppe bei rund 36 000 Teilnehmern), dass man auf dieser Basis wissenschaftlich keine Wirksamkeit proklamieren kann. Pfizer/Biontech schreibt denn auch vorsichtig in der Fachinformation: «Sekundäre Wirksamkeitsanalysen deuteten auf einen Nutzen des Impfstoffs hinsichtlich der Prävention von Covid-19 mit schwerem Verlauf hin, jedoch war die Anzahl der Fälle sehr gering.» Im Comic-Merkblatt für Jugendliche wie auch in der Impfstrategie behauptet das BAG dennoch, dass «die Impfung verhindert, dass man nach Kontakt mit dem Virus schwer krank wird».

 

Besorgniserregendes Bild

Ist von einem Arzneimittel, das lediglich leichte Krankheitsverläufe um absolut nicht einmal ein Prozent reduziert und bis heute keine Belege dafür geliefert hat, dass es schwere Verläufe in statistisch relevantem Ausmass verhindert, ein grosser therapeutischer Nutzen zu erwarten? Wohl eher nicht.

Und wie steht es um die Sicherheit der Covid-Impfstoffe? Swissmedic hält unbeirrt an einer positiven Nutzen-Risiko-Bewertung fest. Daten aus diversen Studien und Spontanmeldungen weltweit zeigen jedoch ein besorgniserregendes Bild. Der Ausdruck «sicher», wie er für die Impfstoffe in der Werbekampagne so grosszügig verwendet wird, wäre als Bezeichnung für ein Arzneimittel in einer Werbung eigentlich nicht erlaubt. Bekannte (potenziell) schwerwiegende Nebenwirkungen werden im Merkblatt unterschlagen – die Jugendlichen aber gleichzeitig dazu angehalten, sich vornehmlich auf der BAG-eigenen Website zu informieren, auf der «alle wichtigen Informationen zu finden seien», im Gegensatz zum Internet, wo es viele «ungenaue oder falsche Angaben» zur Impfung gebe.

 

Kati Schepis ist Pharmazeutin ETH und in der Pharmaindustrie tätig.

 

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Alex Baur, Redaktor

Kommentare

Michael Wäckerlin

27.07.2021|23:50 Uhr

Swissmedic erhält Gelder der Bill & Melinda Gates Foundation. Für die Zusammenarbeit beim Aufbau von medizinischen Aufsichtsbehörden in Entwicklungsländern. Bock, Gärtner, usw.

Hans Grob

27.07.2021|09:23 Uhr

@B.M. 'Ihre Aussagen entsprechen nicht der Realität ...' Sie können nicht genau interpretieren. Das sind von mit zitierte Aussagen von hochbegabten Investmentprofis, und die Schwarmintelligenz der Börsen sagen dasselbe. Deswegen müssten Sie diese Profis und die Märkte anschwärzen. 'Wir haben ein Immunsystem, das mit Viren seit Jahrtausenden zurechtkommt.' Auch das Unsinn. Es gab x Epiedemien, bei denen bis zu mehr als der Hälfte der Population umkam, trotz 'trainiertem Immunsystem'. Kann man es denn 'trainieren'? M.E. gibt es Ueberreaktionen mangels Keimen, und sonst nur spezifische Immunität.

Brigitte Miller

25.07.2021|08:28 Uhr

@Hans Grob: Ihre Aussagen entsprechen nicht der Realität, sondern Ihren Wunschvorstellungen. Die niedrige Mortalität ist eine Eigenschaft des Virus (Ioannidis und andere) Ferner gibt es bei den meisten Ungeimpften leichte Symptome, es gibt die Genesenen und die Kreuzimmunität. Wir haben ein Immunsystem, das mit Viren seit Jahrtausenden zurechtkommt. Jetzt aber beobachten Kinderärzte kranke Kinder im Sommer--durch das ewige Desinfizieren, Abstand und Maske wurde ihr Immunsystem nicht adäquat trainiert. Ein Wahnsinn, der Kampf gegen e i n Virus.

Hans Grob

24.07.2021|10:13 Uhr

Die objektivsten Betrachter sind die Finanzmärkte, die Finanzanalytiker. Bericht einer Investmentgesellschaft: 'Diese niedrigeren Morbiditäts- und Mortalitätszahlen sind auf die Impfstoffe zurückzuführen. Die meisten Leute, die sich infizieren, sind jüngere, da ältere Menschen meist schon geimpft sind. Ältere, geimpfte Menschen, die mit der neuen Variante infiziert, weisen in der Regel sehr milde Symptome auf. Neue „Auffrischung“-Impfungen, wie jährlich gegen die Grippe, werden derzeit entwickelt. Es ist daher unwahrscheinlich, dass diese Krankheit in einem Jahr noch in den Nachrichten steht.

Claudio Hammer

23.07.2021|23:35 Uhr

Wenn man die aktuellen Zustände im UK von RK so hochverehrtem Boris Johnson so anschaut mit zunehmend leeren Regalen, sind das fast schon venezolanische Verhältnisse, 1.7 Mio. Briten, die trotz dem "Freedom Day" jetzt in Quarantäne sitzen, weil die App Bing gemacht hat, die Wirtschaft momentan fast schon am kollabieren ist und dies nach fast 5 Monaten Hard-Core-Lockdown Level5 zu Beginn 2021, da ist das in der CH doch alles noch libertärer Pipifaz, wenn man die Massnahmen vergleicht. Immerhin kann Johnson so noch die Brexitmängel übertuschen. Scheinbar will er sein Volk jetzt doch durchseuchen!

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