Gebärende Personen

Die Begriffe «Mutter» und «Frau» sollen eliminiert werden, weil sie nicht genderinklusiv sind.

Um Inklusion und Diversität voranzubringen» und «alle Geschlechts-Identitäten zu ehren», schlugen die US-Demokraten um ihre Speakerin Nancy Pelosi jüngst vor, die Begriffe «Vater, Mutter, Sohn, Tochter, Bruder, Schwester» aus dem Sprachgebrauch im Repräsentantenhaus zu entfernen. Laut der New York Post sollen sie ersetzt werden mit «Eltern, Kind, Geschwister».

Diese Sprachpurzelbäume sind in elitären Kreisen verbreitet: Die Harvard Medical School hat neulich von «birthing person» getwittert – einer gebärenden Person. Auch bei uns gibt es Bestrebungen, Begriffe wie «Frau» und «Mann» aufzuweichen oder zu verbannen – um Menschen einzuschliessen, die sich nicht in dem binären System Mann/Frau einordnen, ihr Geschlecht als trans, queer, inter et cetera identifizieren. Bei Frauenthemen wie der Menstruation vermeiden einige Journalisten «Frau», schreiben von «Menschen mit Gebärmutter» oder «menstruierenden Personen». Preisfrage: Wie soll man dann Damen bezeichnen, die aufgrund ihres Alters nicht mehr menstruieren? «Postmenstruierende»?

Von mir aus können sie mich «Säugling-werfenden Apparat» nennen, es ist mir wirklich egal. Viele Anhänger der Genderbewegung sind so weit weg von den tatsächlichen Sorgen der Leute, dass sie angesichts ihrer Problem-Priorisierung nicht so wahnsinnig ernst genommen werden. Ein Beispiel dafür ist auch das Beharren vieler Redaktoren auf Gendersternchen oder künstlichen Gender-Pausen beim Sprechen, wie es «ZDF heute»-Ansager……..innen neuerdings tun, auch wenn etwa 2145 Umfragen gezeigt haben, dass die grosse Mehrheit der Menschen Gender-Sprache ablehnt. Ich stelle mir die Diskussion auf der Redaktion so vor: «Die sind schon wieder dagegen! Wie können wir sie bloss überzeugen?!» – «Wir müssen einfach jede Woche eine neue Umfrage machen. Irgendwann machen die das Kreuz am falschen Ort, hoho!»

Auch der Duden ist soeben unter dem Druck der lauten Minderheit eingeknickt. Der Verlag wird in seiner Online-Ausgabe künftig «geschlechtersensible Sprache» benützen; ein Mieter ist nicht mehr «jemand, der etwas gemietet hat», sondern eine «männliche Person, die etwas gemietet hat». Somit sei das «generische Maskulin» beseitigt. Ja. Nur ist das generische Maskulin geschlechtsneutral. Wird von «Mietern» gesprochen, sind damit für 99 Prozent der Menschheit Personen gemeint, die Sperma produzieren, und solche mit Eierstöcken – und natürlich alle anderen auch.

Sprache verändert sich, es ist ein natürlicher Prozess. Aus Feuerwehrmännern wurden Feuerwehrleute, weil heute auch Frauen bei der Feuerwehr Brände löschen. Eine komplett andere Sache ist es jedoch, gebräuchliche Begriffe zu verdrängen oder zu verkomplizieren, die auf biologischen Tatsachen beruhen. Es existieren nun mal nur zwei biologische Geschlechter. Wenn vor lauter Bemühen, ja kein einziges Gefühl auf der Welt zu verletzen, jeder einfach sagen soll, was er will, statt sich an der Wissenschaft und der tausendjährigen Sprachgeschichte zu orientieren, weiss am Ende niemand mehr, was bei einem bestimmten Begriff konkret gemeint ist. Es ergibt dann für niemanden mehr Sinn. Keine einzige Frau definiert sich als Person mit Uterus, aber Millionen Menschen als Frau, Mann, Mutter und Vater.

Gerade Letztere sind ja nicht bloss Worte, sie haben eine einzigartige Bedeutung. «Mutter» steht für den Anfang allen menschlichen Lebens. Es ist die massgebliche Bezeichnung für eine Frau, die Kinder gebärt, und beschreibt, zusammen mit «Vater», die stärkste Bindung zu einem anderen Lebewesen. Diese Begriffe im Namen von Inklusion zu entfernen, ist kein gesellschaftlicher Fortschritt. Und dass ich hier einmal Feministinnen (älterer Generationen!) zustimme, die wegen der Sprachdrangsalierung aufbegehren und die Begriffe als «entmenschlichend» und als «Krieg gegen Frauen» (Abigail Shrier in der New York Post) bezeichnen, überrascht mich fast selbst; aber ja, sie haben jahrzehntelang für mehr Sichtbarkeit des weiblichen Geschlechts gekämpft – nur um sie jetzt durch die radikale Gender-Ideologie bedroht zu sehen.

Wenn Begriffe keine abschliessende Bedeutungskraft mehr besitzen, nur mehr unpräzis und austauschbar sind, braucht es eigentlich gar keine Bezeichnungen mehr. Denn auch Namen bringen ja Probleme mit sich, klingen nicht inklusiv genug, Harald, Fritz, Heidi. Man könnte also Menschen bei Geburt Buchstaben geben oder Nummern.

Neue Ideen sind an sich etwas Sinnvolles, aber Gendern bekämpft keine wahren Probleme. Bei der ganzen Übung geht es vermeintlich um mehr Gerechtigkeit. Tatsächlich aber ist es eine durch die Eliten geführte politische und kulturelle Manipulation der Sprache, mit dem Ziel, eine Veränderung der Gesellschaft herbeizuführen – im Sinne von Gleichmacherei. Je gleicher, desto besser für uns alle. Ein riesiges Irrdenken, und das Lustige daran ist, es kommt zwar immer jemand, der uns sagt, dass wir ja alle gleich sind. Aber vor allem der, der das sagt, ist eben nicht gleich.

 

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Alex Baur, Redaktor

Kommentare

Markus Dancer

20.01.2021|08:59 Uhr

Ich werde mich nicht mehr "ändern" u. ehrlich gesagt, wenn die zukünftigen Generationen diesen Irrsinn mitmachen wollen, sollen sie doch! Der Wahnsinn breitet sich schneller aus als jedes Virus! Hat wohl mit der globalen Überbevölkerung zu tun u. mit "Kuturen", die den Zenit überschritten haben! Was ist ihnen allen wichtig? Die Leute wollen trotz allem "ein Dach über dem Kopf, saufen, fressen, kopulieren, sich vergnügen, u. sich pflegen lassen", diese Strategie geht immer auf u. wird meinem Clan auf Generationen das Überleben sichern. Aber sicher wird es härter u. brutaler werden!

Richard Müller

16.01.2021|10:37 Uhr

Gegen den grassierenden Genderwahn hilft nur konsequente Ignoranz. Ich werde mich niemals den selbst ernannten Sprachpolizist:Innen und :Aussen beugen und die Verluderung der Sprache zu einem akademisierten Müllhaufen sinnloser Wortschöpfungen unterstützen. Ebenso konsequent kündige ich jedes Medien-Abo, wenn man mich zur Strafe für meine Zahlungsbereitschaft mit 'Lehrpersonen', 'menstruierenden Personen' und ähnlichen Begriffen bestraft. Leider kann ich das Zwangs-Abo für die SRG nicht kündigen.

Beat Furrer

15.01.2021|16:37 Uhr

Die üblichen Verdächtigen (die Linken) wollen spalten und herrschen. Jede kleine Mücke (jedes kleinste potentielle Problemchen) wird von diesen Kreisen so hochstilisiert, dass es zu einem Elefanten wird. Lassen wir diesen Unsinn möglichst links (denn von daher kommt es ja) liegen und gehen zur Tagesordnung über!

Jürg Brechbühl

14.01.2021|18:25 Uhr

Die Studentenschaft der ETH Zürich (VSETH) führte vor eine Umfrage durch zur Frage der Gleichstellung. Im Abschlussbericht im Heft "polykum" kamen Behinderte nicht vor. Es ging darum, ob Transen eine dritte Sorte Toiletten bekommen. Viele Waadtländer Studenten sind zu faul, im Gymer ordentlich Deutsch zu lernen. Darum werden sie laut VSETH von ihren Deutschschweizer Kollegen, diskriminiert wenn diese in der Kaffeepause nicht auf Englisch radebrechen. 0.02% der Studenten sind Transen. 20% sind Romands. Es gäbe auch 20% Behinderte, würden diese nicht planmässig von der Schule ferngehalten.

Markus Spycher

14.01.2021|11:38 Uhr

Schön, dass es "geboren habende Schützinnen" an Wiiber-Schiessen gibt. Wer sich näher für sie interessiert, lese z.B. die Frauen Gruppenranglisten an SVP-Schiessen oder erfreue sich an einem Offiziersgesellschafts-Protokoll: "Wiiber-Stich an einem normalen Schiessen...". Interessant in Sachen Genderfragen ist auch Ch.Mörgelis Rezension zu Gotthelfs "Die Käserei in der Vehfreude" vom 30.3.16 in der Weltwoche - lesenswert!

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