Coronavirus: Was jetzt zu tun ist

Viren springen weder von Land zu Land noch von Regierung zu Regierung, sondern von Mensch zu Mensch. Es liegt an uns, Übertragungen zu verhindern.

Das Coronavirus ist der ideale Übungsplatz, um zwei Fliegen auf einen Streich zu erledigen. Seit Ausbruch dieser Krankheit hat das Virus mehr als 2700 Opfer gefordert. Das Grippevirus tötete gleichzeitig aber bereits mehr als 75 000 Menschen. Zudem sieht es nicht so aus, als ob dieses Jahr die Opferzahlen des Coronavirus jene der Grippe überholen könnten. Von den bestätigten 80 000 Coronavirus-Patienten hatten 80 Prozent bloss eine harmlose Erkältung, und etwa ein Drittel ist bereits wieder völlig gesund.

Gestorben sind vor allem ältere Menschen mit einer zusätzlichen Erkrankung. Überspitzt darf man sagen: Noch ist kein einziger gesunder, junger Mensch am neuen Coronavirus gestorben.

 

Impfpflicht einführen

 

Dem Bund sei Dank, dass er diesmal bei der Panikmache nicht mitmacht. Trotzdem ist nun Zeit zu handeln: Wir müssen das Problem von Ansteckungskrankheiten ernsthafter angehen, dabei vorerst auf die Grippe zielen und gleichzeitig üben, wie man dem neuen Coronavirus begegnen kann, sollte es auch zu uns überschwappen.

Hier ein Vorschlag für eine sofortige awareness-Kampagne durch das Bundesamt für Gesundheit (BAG):

  1. Man macht die persönliche Hygiene zum Schulfach auf allen Stufen. Das BAG will ja auch eine Informationskampagne zu Hygienemassnahmen durchführen. Wie man Fudi und Nase putzt oder Hände wäscht, sollte aber eigentlich nicht die Aufgabe von Beamten sein.
  2. Mit Fieber oder anderen «Erkältungssymptomen» rennt man nicht direkt zum Arzt, um dort andere anzustecken, sondern kuriert sich zu Hause. Angehörige oder Freunde übernehmen die Versorgung und Pflege. Für ältere Patienten oder Menschen mit einer schweren zusätzlichen Krankheit richtet das BAG eine Hotline ein, um über die nächste Anlaufstelle für eine Arztkonsultation zu informieren. So werden weniger Menschen angesteckt, als wenn man viele Gesunde mit ein paar Kranken in Quarantäne steckt.
  3. Jeder, der derart zu Hause bleibt, braucht kein Arztzeugnis. Selbst wenn sämtliche Faulenzer davon ungerechtfertigt Gebrauch machen, ist das epidemiologisch und ökonomisch gescheiter als jede grossflächige Quarantänemassnahme oder Einreisesperre.
  4. Auf keinen Fall besucht man mit Grippesymptomen andere Menschen, insbesondere kein Spital, kein Altersheim, keine Kita und auch kein Gefängnis.
  5. Menschen, die vermuten, dass sie mit einem ansteckenden Virus infiziert sind, tragen eine Maske, falls sie aus einem triftigen Grund das Haus verlassen müssen. Alle Gesunden nehmen etwas Abstand, grüssen den Maskenträger freundlich, weil es sich dabei offensichtlich um einen rücksichtsvollen Menschen handelt, der niemanden anstecken will.
  6. Wer als Gesunder mit einer Maske herumrennt, ist bloss ein Fasnächtler, den man belächeln darf.
  7. Jemanden anzustecken, auch wenn es bloss eine harmlose Erkältung ist, gehört nicht zu unseren Grundrechten und ist kein Kavaliersdelikt. Es ist zu hoffen, dass in Zukunft vermehrt breitflächig krankmachende Viren sequenziert werden. Viren mutieren nämlich ständig und hinterlassen damit eine Art Unterschrift, die es ermöglicht, herauszufinden, wer einem das Virus angehängt hat. Wir hätten dann eine vergleichbare Situation wie mit dem Nummernschild an unserem Wagen, das unter anderem auch die Fahrerflucht verhindern soll.
  8. Die Schweiz führt die Impfpflicht für ansteckende Krankheiten ein bei Personen, die andere Mitmenschen betreuen. Also für das Pflegepersonal, Betreuer von älteren und jüngeren Menschen wie auch für Lehrer und Gefängniswärter.
  9. Der Schweiz wird wahrscheinlich rasch der Grippeimpfstoff ausgehen, weshalb die Politik aufgefordert ist zu überdenken, wie wir infektiöse Krankheiten in Zukunft bekämpfen wollen.

 

Vorsicht vor Facebook-Intellektuellen

 

Sollen wir diesen wichtigen Teil der Volksgesundheit weiterhin der Privatindustrie überlassen? Für die Impfindustrie war das Sars-Virus nicht interessant, weil es quasi von selbst verschwunden ist. Für die Volksgesundheit wäre ein solcher Impfstoff aber wichtig, da er vielleicht auch gegen das neue Coronavirus ganz oder teilweise schützen könnte.

Wie ernsthaft sollen Informationskampagnen sein, wenn jeder Facebook-Intellektuelle den Sinn des Impfens abstreiten darf? Sollen Impfkritiker gleich behandelt werden wie Hassprediger?

Man kann nun einwenden, diese Übung komme zu spät, schliesslich ist der Gipfel der Grippeerkrankungen in der Schweiz bereits übersprungen. Das spielt keine Rolle. Auch nach einem Gipfel gibt es immer noch Neuansteckungen, und diese könnten wir dank der Übung einschränken. Die awareness-Kampagne sollte schliesslich in die Zukunft wirken und mehrere Punkte vermitteln: Solidarität ist besser als Egoismus; niederen Trieben in unserem Affengehirn nachzuhängen, ist einfacher, als unser Gehirn rational einzusetzen; wer Panik verbreitet, ist entweder dumm oder hat andere, niedere Absichten.

Viren springen weder von Land zu Land noch von Regierung zu Regierung, sondern von Mensch zu Mensch. Also liegt es einzig bei uns selber, die Übertragung zu verhindern. Sollten Sie noch keine Maske haben, aber bereits Symptome verspüren, rufen Sie beim BAG an, die haben noch massenweise Masken, die abgelaufen sind, aber für den eigentlichen Zweck, niemand anderen anzustecken, noch ausreichen.

 

Beda M. Stadler ist emeritierter Professor und ehemaliger Direktor des Instituts für Immunologie an der Universität Bern.

 

 

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Alex Baur, Redaktor

Kommentare

Rainer Selk

29.02.2020|12:57 Uhr

Was mich an diesen BAG, pardon Schlafnasen, stört, ist die schlaffe reaktiv desinteressierte Haltung. Man 'hötterlet' dem Virus hinterher. Offensichtlich hat das auch BR Berset erkannt + sich nun vermehrt eingeschaltet. Stimmten die Aussagen von B. Stadler, müsste die Situation in der CH anders sein. Stadler redet in der Arena schön von hinten nach vorne + unterbricht arrogant andere Redner -> Absurditätenredner, Wichtigtuer + wenig hilfreich. Aber die Plakate an den Tessiner Grenzen werden wohl sofort mit rotem Hintergrund 'aufgehängt'.

Rainer Selk

28.02.2020|09:47 Uhr

@Briw. Mit Lachen nehme ich Ihre 'Beurteilung' entgegen, die selbst dann ja übergöttlich sein müsste ? Ich habe Ihren Namen in diesem Forum noch nie gelesen.- Ich erlaube mir, mich zu bestimmten Themen in der Tiefe zu informieren. Und wie steht es bei Ihnen - > 'Bambelen' oder 'Führunsaufgäbelen' Sie gerne? Huch?

Markus Spycher

28.02.2020|09:44 Uhr

@Peter Briw. Outen Sie sich vorerst einmal selbst, bevor Sie einem langjährigen WW-Leser an den Karren fahren. In diesem Forum wird normalerweise nicht im Stile von "Das ist ein Seich, du bist ein Tubel" diskutiert, sondern im besten Falle so wissenschaftlich wie möglich argumentiert, wenn Sie verstehen, was ich meine.

Rainer Selk

28.02.2020|09:38 Uhr

@Miller. Bitte informieren sich über die früheren Aussagen von Stadler im Rahmen der Impfbefürworter vs Spitalkeime etc. Inzw. weiss man: die Ansteckungsgefahr in Spitälern ist viel grösser als Stadler das 'runter' redete. In den USA/Japan/Australien sind Impfdosenhersteller zu massiven Schadenersatz verurteilt worden. Fragen Sie einen Arzt zu den Bestandteilen einer Dosis und ob er Folgehaftung übernimmt. Nada. Checken Sie bitte, was mit dem nutzlosen Tamiflu geschah, ausser Milliardeneinnahmen. Stadler ist und bleibt arrogant und unglaubwürdig.

Markus Spycher

28.02.2020|09:36 Uhr

Habt ihr schon den Herrn Berset gehört, ihr Lehrer und Gefängniswärter? "Hände waschen, Hände waschen!" Dann habt Ihr vielleicht auch schon gelesen, dass Spitalärzte Viren und Bakterien gemäss seriösenUntersuchungen nicht primär über die Hände an Patienten weitergeben, sondern via Aermelmanschetten der Schürze. Immerhin operieren unsere Medizinmänner jetzt in ärmelloser Berufskleidung. Bezüglich Impfpflicht bin ich der gleichen Meinung wie Selk.

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