Falscher Held

Der Internet-Aktivist Glenn Greenwald wird weltweit als Kämpfer für die Pressefreiheit gefeiert. Mit welchen zweifelhaften Mitteln er operiert, wird gnädig ausgeblendet.

Er ist schwul, hat mit dem achtzehn Jahre jüngeren dunkelhäutigen sozialistischen Abgeordneten David Miranda zwei Kinder adoptiert, berichtet als Korrespondent des Guardian aus Rio de Janeiro, über seine Enthüllungsplattform The Intercept veranstaltet er ein veritables publizistisches Sperrfeuer gegen die Regierung von Jair Bolsonaro. Glenn Greenwald gehört damit zu den Guten, und wer daran zweifelt, der muss ein Hetzer sein.

Entsprechend gross war das Entsetzen, auch in den Schweizer Medien, als die brasilianische Bundesanwaltschaft (7. Abteilung Korruptionsbekämpfung) Ende Januar eine Anklage gegen Greenwald ankündigte. Von der Woz («Politisierung der brasilianischen Justiz») bis zur NZZ («Testfall für die Pressefreiheit») war man sich einig: Ein aufmüpfiger Journalist soll zum Schweigen gebracht werden. Entsprechend gross war der Applaus, als das Verfahren gegen den «Anti-Bolsonaro» (Tages-Anzeiger) letzte Woche eingestellt wurde.

Im Juni 2019 warf Glenn Greenwald aufgrund von gehackten Chats und Telefonaten dem vormaligen Untersuchungsrichter und heutigen brasilianischen Justizminister Sérgio Moro vor, während der Korruptionsverfahren gegen Ex-Präsident Lula Absprachen mit den Ermittlern getroffen zu haben. Moro reagierte gelassen auf die gemäss seiner Darstellung «aus dem Zusammenhang gerissenen» angeblichen Enthüllungen. Doch Bolsonaro kritisierte den Hackerangriff scharf und forderte eine Strafuntersuchung.

War das nun der Anfang des seit Bolsonaros Amtsantritt heraufbeschworenen Niedergangs von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Brasilien? Tatsache ist: Der Präsident mag sagen, was er will, die Richter liessen sich nicht beeindrucken, sie traten nicht auf die Anklage ein. Die Gewaltentrennung scheint zu funktionieren. Wenn die Medienvielfalt bedroht ist, dann liegt das Problem bei den Journalisten selber: In der Berichterstattung zum Fall Greenwald wurde alles unterschlagen, was nicht zum Heldenepos passt.

 

Kriminelles Netzwerk

 

Wie der knapp hundert Seiten dicken Anklageschrift zu entnehmen ist, steht hinter den Hackerangriffen gegen Justizminister Moro ein professionelles kriminelles Netzwerk mit einem gewissen Walter Delgatti Neto an der Spitze. Die Cybergangster horchten nicht nur Hunderte von Smartphones aus, sie knackten auch Kreditkarten und plünderten Bankkonten. Unter den Opfern finden sich neben Staatsanwälten, Richtern, Ministern, Parlamentariern und Anwälten auch namhafte Journalisten.

Illegale Machenschaften, welche die illegalen Hackerangriffe allenfalls rechtfertigen könnten, förderten diese bislang nicht zutage. Greenwald macht zwar geltend, dass das passive Weiterverbreiten gestohlener Informationen in Brasilien durch die Pressefreiheit gedeckt ist. Doch ganz so passiv, wie er behauptet, agierte der Polit-Aktivist-Journalist nicht.

Die Fahnder schnitten ausführliche Konversationen zwischen Greenwald und Exponenten der Cybergang mit. Dass er die Kriminellen direkt angestiftet oder bezahlt hätte, lässt sich daraus zwar nicht ableiten. Aber wenigstens bei der Verwischung der Spuren wirkte Greenwald aktiv mit. Damit agierte er zumindest im Graubereich des Illegalen. Dass die Staatsanwaltschaft bei einer solchen Konstellation Anklage erhebt und dem Richter das Urteil überlässt, ist keineswegs ungewöhnlich.

Was auf jeden Fall hängenbleibt, ist der Vorwurf der Doppelmoral. 2013 machte sich Greenwald mit den Enthüllungen um Edward Snowden und die ausufernden Abhörangriffe der Nachrichtendienste einen Namen. Wenn es um seine eigenen Interessen geht, gibt es für Greenwald keine Privatsphäre.

 

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Von Norbert Körzdörfer
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Kommentare

Rudolf R. Blaser

18.02.2020|10:56 Uhr

FALSCHER HELD? VON WEGEN! Weltweite Bekanntheit erlangte Greenwald, als er die von EDWARD SNOWDEN im Jahr 2013 übermittelten Dokumente zum streng geheimen und MÖRDERISCHEN NSA-Überwachungsprogramm PRISM aufbereitete und Anfang Juni 2013 in der britischen Tageszeitung The Guardian zusammen mit einem Interview Snowdens veröffentlichte. Also wenn Greenwald KEIN Held ist, W E R D A N N?? Das Attribut «schwul» degradiert den Artikel des Alex Baur jedenfalls bereits von Anfang an zu einem REINEN Gesinnungs-Journalismus, welcher eigentlich der WW unwürdig ist. Welchen HINTERGRUND hat dieser ALEX?

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