Konservative haben besseren Sex

Sie gelten gerne als rückständig, aber in Sachen Sex sind sie den Linken voraus.

Gibt man bei Google «Corona» und «Immunsystem» ein, stösst man auf einige interessante Sachverhalte. Sex stärkt das Immunsystem, okay, das ist bekannt; entlang seiner Recherche entdeckt man jedoch weiter, dass Konservative angeblich mehr und auch den besseren Sex haben als Linke. Das kommt jetzt eher unerwartet.

Darauf deuten gleich mehrere Untersuchungen hin. Eine europäische Yougov-Umfrage von 2016 unter 19 000 Personen in Grossbritannien, Frankreich, Deutschland und Schweden kam zu dem Ergebnis: Menschen, die sich dem konservativen Spektrum zuordnen, sind glücklicher mit ihrem Sexualleben. Eine Umfrage des Kondomherstellers Skyn von 2018 ergab, dass konservativ gestimmte Menschen häufiger Sex haben als Linke: 77 Prozent vollziehen den Koitus mindestens einmal pro Woche, während es bei linksorientierten Personen nur 68 Prozent seien. Laut dem US-Dating-Portal match.com haben über die Hälfte der Republikaner beim Sex jedes Mal einen Orgasmus, bei Freunden der Demokraten erreichen nur 40 Prozent regelmässig den Gipfel. Dazu wurden 6000 Singles nach ihrer Orgasmusrate befragt, und auch, wen sie wählen.

Solche Nachrichten dürften im linken Lager Schockwellen erzeugen, sieht man die Konservativen dort doch als verstaubte und verstockte Spiessbürger, zu deren grössten Freuden im Leben der sonntägliche Kirchengang zählt, wo der Mann am liebsten über Bibelfragen und mit seinen Zunftbrüdern über Modelleisenbahnen brütet und die Frau ihre Erfüllung im Kochen und Windelnwechseln findet. Wer in seiner Freizeit mit einer Reihe Perlen um den Hals antikes Porzellan poliert, ist der körperlichen Lust doch so abgewandt, wie man es nur sein kann. Haben Konservative überhaupt Sex?

Gut, es ist jetzt nicht so, dass konservativ zu sein, heisst, automatisch ein erfülltes Sexleben zu haben – sondern eher, dass konservativ gesinnte Menschen ihre Schäferstündchen mehr geniessen. Der Hauptgrund dafür dürfte im (gefühlten) Glücklichsein liegen. Es gibt eine ganze Reihe Studien, nach denen konservative Menschen mit ihrem Leben insgesamt glücklicher sind als Linke. «Menschen, deren politische Überzeugungen eher im rechten Spektrum liegen, empfinden mehr Sinn und Bestimmung im Leben als jene, die eher linke Ansichten vertreten», fand eine Studie von der University of Southern California in Los Angeles heraus. Laut dem Atlantic haben die Forscher dafür zwischen 1981 und 2017 fünf Studien mit 50 000 Teilnehmern aus sechzehn Ländern durchgeführt. Studienteilnehmer mussten Fragen beantworten wie «Hat Ihr Leben eine Bestimmung?» und «Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Leben?». Alle fünf Studien deuten auf das gleiche Resultat hin: Konservative stuften sich als glücklicher ein. Sie haben zu jedem Zeitpunkt im Leben das Gefühl, ihr Leben hätte einen klaren Sinn. Das erhöhe ihre Zufriedenheit. Die Unterschiede zu Leuten des linken Spektrums seien nicht riesig, aber konstant.

Spannend ist das, weil es eigentlich, zumindest äusserlich, eher Menschen links der Mitte sind, die glücklicher auftreten oder zu wirken scheinen. Als Gründe für diese «Glückslücke» führen die Forscher die sinnstiftende Wirkung von traditionellen Familienwerten oder Religiosität an. Unter Konservativen gibt es mehr Gläubige, möglicherweise leben sie oft in engeren sozialen Netzen, und diese wirken auf ihre Leben bestärkend. Eine andere Erklärung sehen Forscher darin, dass Konservative vielleicht den Status quo besser ertragen. Laut dem Atlantic tendieren Konservative dazu, zu glauben, die Welt sei so, wie sie sein sollte. Sie können soziale Ungleichheiten besser wegrationalisieren, auch seien sie resistenter gegenüber kulturellen Veränderungen wie der Transgender-Bewegung.

Das macht Sinn, aber man kann das freilich auch so interpretieren, dass Konservativen das Schicksal anderer eher egal ist. Linke hingegen würden laut Studienautoren oft darüber nachdenken, warum Dinge nicht richtig sind, warum das Leben mancher Leute nicht so gut ist wie das anderer. «Fängt man einmal damit an, diese Dinge zu hinterfragen, muss man sehr vieles bedenken.» Die Welt scheine weniger sinnstiftend für Menschen, die Tradition für unwichtig halten und für die alles jeden Moment ändern könne – und wenn möglich sollte.

Ein Grund könnte meiner Meinung nach auch sein, dass sich viele Linke als Weltverbesserer begreifen und sich bei ihnen Schuldgefühle auftürmen, vom Klimawandel über soziale Ungerechtigkeiten bis hin zur Erbschuld, die man als weisse Person angeblich mit sich herumschleppt; permanente Betroffenheit kann einem Wohlbefinden empfindlich zusetzen. Linken sagt man nach, dass sie generell offener seien für neue Erfahrungen und Ideen als Konservative. Vielleicht stellen die sich ja häufig als weniger zufriedenstellend heraus als erwartet, was die Linken gedanklich ständig auf die Suche nach neuen Möglichkeiten führt, anstatt das zu geniessen, was sie haben.

Je zufriedener man mit dem Augenblick ist, je weniger Ablenkung alle möglichen Probleme verursachen, desto mehr wirkt es sich wahrscheinlich auf das eigene Wohlbefinden aus. Menschen, die zufrieden mit ihrem Leben sind, haben mehr und besseren Sex. Für die Theorie braucht es eigentlich nicht eine einzige Studie.

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Alex Baur, Redaktor

Kommentare

Markus Dancer

05.12.2020|04:13 Uhr

Konservative haben eine eher positive Lebenseinstellung. Aufbauen anstatt niederreissen, das drückt sich auch in den Beziehungsmustern aus. Dazu gehört auch Sex. Aber die Geschichte überbewerten wäre falsch! Übrigens - wir haben Politiker, sogar Bundesräte, die alles andere als konservativ sind u. offenbar ein sehr frivoles Sexleben geniessen, sogar beschützt durch die Bundesanwaltschaft, Richter u. Polizeiorgane.

Markus Spycher

04.12.2020|09:50 Uhr

"Konservative haben besseren Sex". - Ich bin zu alt, um deswegen der SVP beizutreten.

Bea Lieberberg

03.12.2020|15:27 Uhr

Als Frau kann ich die Theorie nur bestätigen. Ich hatte NOCH NIE guten Sex mit einem sogen. Linken oder Grünen; nur BS. Hier meine Rangliste & Meinung: Leute vom oder im Rock n Roll= Hardrocker, Sportler, Handwerker & Bauern; danach ist lange nichts mehr; das Hinterletzte sind nach meiner bescheidenen Meinung linke Anwälte, Bänker und Behördenangestellte; eine absolute Katastrophe. Das Highlight: Ein bekannter Drummer und Eishockeyspieler; da kann man sich am Leben freuen. Das Frau richtig "flachgelegt" wird, ist wohl das überhaupt Wichtigste im Leben. "makes the world go round" ...

Jürg Brechbühl

02.12.2020|19:54 Uhr

Die einen haben Sex. Die anderen reden darüber.

Claudio Hammer

02.12.2020|19:41 Uhr

Der mit einer konservativen Richterin verheiratete EU-Parlamentarier József Szájer, welcher letzte Woche mit einem Fenstersprung einer homoerotischen Sexorgie mit zwei Dutzend strammen Kerlen einer Coronarazzia entkommen wollte, ja der hatte vermutlich ein intensives Sexleben, auch wenn er in der Heimat voll hinter Orban steht und sich gegen LGBTQ-Rechte ausspricht. Nun ist er seinen gut bezahlten Schoggijob in Brüssel los, vermutlich gibt's aber dennoch eine fette Rente, und so kann er seinen Sexhobbies weiterhin in Ungarn fröhnen, allerdings verdeckt - LGBTQ ist in Ungarn längs wie verpönter.

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