Rassismus in den Schweizer Schulen

Am Wochenende trumpfte der Sonntagsblick mit der Schlagzeile auf: «Diskriminierung im Klassenzimmer: Schulbücher sind im Kern rassistisch.» Zwei «Bildungsexpertinnen» hätten «aufgedeckt», wie «präsent Rassismus» in Schweizer Schulbüchern sei: «Wir haben kein einziges Lehr- oder Lernmittel gefunden, das wir ohne Zweifel empfehlen können.» Werden unsere Kinder an den Schulen systematisch mit Rassismus vollgepumpt?

Davon sind die beiden Rassismus-Fachfrauen Rahel El-Maawi, 43, und Mandy Abou Shoak, 31, überzeugt. Mandy Abou Shoak ist Aktivistin und Sozialpädagogin. Bei der «Black Lives Matter»-Bewegung, die in den USA Denkmäler von Christoph Kolumbus bis Thomas Jefferson herunterreisst, wirkt sie als Mitglied. Abou Shoak ist Muslimin, kam aus dem Sudan als Flüchtling in die Schweiz und macht einen Master in Sozialarbeit. Sie sagt: «Wir werden in eine rassistische Gesellschaft hineingeboren. Wer nichts aktiv dagegen tut, bleibt rassistisch.»

Ähnlich finster sieht es Rahel El-Maawi, «Organisationsberaterin für diversitätsorientierte Betriebskultur». Die Tanzkünstlerin erforscht «Möglichkeiten, wie Bewegung und Tanz meine soziokulturelle Arbeit erweitern können». Allein die Frage, woher jemand komme, sagte sie in einem Interview, sei «verletzend». Wir alle sind «rassistisch sozialisiert».

Man sieht: Die Chance, von diesen Autorinnen eine unvoreingenommene Arbeit über Rassismus zu bekommen, ist ungefähr gleich gross, wie wenn man beim Ku-Klux-Klan eine ausgewogene Biografie über Barack Obama bestellen würde. Natürlich können die beiden Fachfrauen kein einziges Schweizer Lehrmittel empfehlen. Die meisten seien von Männern geschrieben, Frauen und Minderheiten kämen kaum vor, und besonders gefährlich seien «rassistische Fremdbezeichnungen» wie «schwarz», «Indianer» oder «dunkelhäutig».

Stimmt. Am Rütlischwur nahmen weder Frauen noch Schwarze oder Transgender-Personen teil. Dem scharfen Auge der Autorinnen entgeht nichts. In einem Geschichtslehrbuch über das 19. Jahrhundert entdecken sie den Satz: «Mutige Forscher drangen in das Innere Afrikas vor.» Das geht gar nicht. Abou Shoak und El-Maawi fordern, die «mutigen Forscher» durch «plündernde Abenteurer*innen» zu ersetzen. Aber gab es damals Frauen unter den «Abenteurern»? Nicht so wichtig. Hauptsache, der anklägerische, gendergerechte Ton kommt rein.

Keine Zustimmung findet auch die Formulierung «arabischer Sklavenhandel». Das sei «antimuslimischer Rassismus». Die Versklavung von Afrikanern durch Weisse hingegen dürfe nicht «verschleiert» werden. Ein anderes Buch schreibt kritisch über den Neuenburger Plantagenbesitzer Jacques-Louis de Pourtalès: «Auf jeder seiner Plantagen arbeiteten rund 150 Sklaven [. . .], die er möglichst lange nutzen wollte. Deshalb achtete er auf gute Ernährung und beschäftigte sogar einen Arzt. Aber die Abschaffung der Sklaverei war für ihn undenkbar.»

Klingt sachlich angemessen, doch auch hier senken die Anklägerinnen mitleidlos den Daumen. Zwar werde wenigstens die «Mittäter*innenschaft von Schweizer*innen» bei der Sklaverei benannt, doch die Erwähnung von guter Ernährung und einem Arzt komme einem «Reinwaschen» gleich. Ob die Fakten stimmen, ist weniger erheblich als die korrekte Gesinnung, das schlechte Gewissen.

So finden die Expertinnen heraus, was sie immer schon gewusst haben: An Schweizer Schulen werde den Kindern «struktureller Rassismus» eingeimpft. Das Wort ist ein Kampfbegriff der US-Linken. Struktureller oder systemischer Rassismus heisst, dass alle Unterschiede zwischen ethnischen Gruppen auf rassistische Unterdrückung zurückzuführen seien. Schwarze verdienen weniger als Weisse? Rassismus! Schwarze sind krimineller als Weisse? Rassismus! Schwarze haben weniger Uni-Abschlüsse als Weisse? Rassismus. Eigenverantwortung und Leistung haben in dieser Optik keinen Platz.

Der Vorwurf des systemischen Rassismus hat den immensen Vorteil, dass man konkrete Fälle von Rassismus nicht mehr konkret beweisen muss. Es reicht, auf Unterschiede hinzuweisen. Die Behauptungen beweisen sich selbst, und jeder, der widerspricht, ist automatisch Rassist. Deshalb widerspricht fast niemand. Oder, wie es Abou Shoak ausdrückt: Nur wer aktiv gegen das rassistische System ankämpft, ist kein Rassist. Was dem Nichtrassisten wiederum das Recht gibt, alle anderen als Rassisten zu beleidigen.

Die Medien, siehe Sonntagsblick, machen noch so gerne mit, aber auch die Unternehmen. Alle möchten bei den Guten sein. So wird der Antirassismus zum lukrativen Geschäft. Wer keinen Job mehr findet, sollte sich zum Rassismus-Spezialisten weiterbilden. Rahel El-Maawi macht es meisterhaft. Mit ihren «Recherchen» prangert sie Organisationen an, die sie dann als Diversity-Beraterin vom Problem befreit, das sie ihnen vorwirft. Ärzte heilen Krankheiten, die sie soeben erfunden haben. Genial.

Unterstützt wird Rahel El-Maawi übrigens vom Berliner «Institut für diskriminierungsfreie Bildung». Auch ihre Argumente gegen Schweizer Schulen sind vorwiegend aus Deutschland importiert. Nur die Druckkosten ihrer Broschüren übernehmen, natürlich, die «systemisch rassistischen» Schweizer Steuerzahler. R. K.

 

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Alex Baur, Redaktor

Kommentare

Hans Georg Lips

25.11.2020|13:06 Uhr

Wenn ich von einer Schule lese, in der von 60 Schülern nur noch vier Schweizer sind und die Herkunft der Majorität aus dem Balkan, der Türkei, Serbien, Kosovo ist, WO IST DA DER RASSISMUS UND GEGEN WEN? Der heutige Rassismus in der Schweiz hat seine Basis bei der Masseneinwanderung aus dem Mittelalter direkt in das hoch zivilisierte Volk der Schweizer. Dieselben Verursacher muss man auch anzeigen bei Covit. Nur, sie schweigen alle so nett, beide Hauptverursacher, 1. die Grün-rot-linken 2. Die Unternehmer. Niemand rechnet mit ihnen ab.

Markus Spycher

24.11.2020|10:40 Uhr

Guter Kommentar, Selk. Alle jene, die "nur das Beste" für uns wollen, verhalten sich autoritär und kolonialistisch. Und versuchen, u.a. kraft ihrer Geistesstärke Macht über uns zu erlangen. Wir 68er sagten damals: Das Beste von uns kriegt ihr nicht! Vernunft, Moral und Jurisprudenz können der Menschheit zum Ueberleben verhelfen, aber letzlich ist alles eine Frage der Macht. Ein Polizist kann einen Mann am Dachrand eines Hochhauses mit physischer Gewalt am Springen hindern - er kann aber auch sagen: "Lass uns gemeinsam springen."

Rainer Selk

21.11.2020|14:06 Uhr

Der CH Rassismus auf den Entbindestationen, jener in KITAs + in Altersheimen wurde vergessen. Das geht gar nicht. Also bitte, werte 'AktivistinInneriche' Mandy Abou Shoak, beglücken Sie uns erst, wenn Sie Umfassendes darlegen können. Sicherlich haben Sie bemerkt, dass gerade CH KreisInneneriche ein neues Kolonialrecht z. B. in Afrika einführen wollen, mit dem dort gesagt wird, was 'moralisch' Sache ist egal, was die AfrikanerInnen wollen. Und egal, ob jene das umsetzen wollen oder können. Hauptsache man 'kollonialwaret' wieder, aber Kinderarbeit im Kongo ist CH Sache?? Rassistisch wie?

Ernst Jeker

21.11.2020|11:44 Uhr

Die Rassismus-Industrie blüht dank erfinderischer Kreationen in den sozialen Studiengängen an den Unis. Mich wundert nur, warum Abertausende Kulturfremde, auch diese beiden Verleumderinnen, sich dennoch in "rassistische" Länder einreisen und auf Kosten der "Rassisten" leben. Dass die Rassismuskeule System hat verdanken wir Rot-Grün, wobei viele Grünschnäbel und ewige Studenten durch naive wenn nicht gar verdummte Wähler vom Hörsaal in den Ratssaal geschwemmt wurden. Wann bieten NR u. SR der Zuwanderung Kulturfremder mal energisch Einhalt und verteidigt die Bürger gegen Rassismusvorwürfe.

Hans Lüthi

21.11.2020|08:42 Uhr

Mandy Abou Shoak kommt aus dem Sudan. Es ist sicher nicht alles falsch, was sie über die Lehrmittel der Schulen in der Schweiz schreibt. Ich frage mich: warum kämpft sie nicht in Ihrer Heimat, für Verbesserungen im Schulsystem? Wäre es nicht wünschenswert, dort Fortschritte zu erzielen? Trotz systemischem Rassismus, könnte sie sich in der Schweiz immerhin frei entfalten und von den Schulen profitieren. Es könnte sein, dass sie mit ihrer Kritik hilft, die Bevölkerung hier zu spalten und damit der Regierung hier zu mehr Macht verhilft, zu einer Macht, wie die, vor der sie aus ihrer Heimat flücht

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