Kolumbien hat Konzerne gern

Der Handelsminister des südamerikanischen Staates lobt die Präsenz von Schweizer Firmen. Er hofft auf weitere Investitionen. Die Konzernverantwortungsinitiative findet er unnötig.

José Manuel Restrepo ist ein gefragter Mann. Als Minister für Handel und Tourismus hat er alle Hände voll zu tun, die kolumbianische Wirtschaft so unbeschadet wie möglich durch die Corona-Pandemie zu steuern: eine Messeeröffnung hier, ein Online-Symposium für Start-ups oder ein grosses Investorenforum dort.

Seit gut zwei Jahren gehört der frühere Wirtschaftsprofessor und Rektor der angesehenen Universidad del Rosario der Regierung von Präsident Iván Duque an. Mit seinen fünfzig Jahren verkörpert Restrepo eine neue, jüngere Generation in der kolumbianischen Politik. Er ist bestens mit den modernen Kommunikationsmitteln vertraut, immer auf Tuchfühlung mit der Bevölkerung. Er bringt seine wissenschaftlichen Kenntnisse über die Wirtschaft des Landes und ihre Probleme in die Regierungsarbeit ein und versucht, deren Entwicklung voranzutreiben, mit viel Pragmatismus.

In Bogotá, der Hauptstadt des über fünfzig Millionen Einwohner zählenden Landes in Südamerika, ist es sieben Uhr morgens, als die Weltwoche den Minister am Telefon erreicht. Er ist bestens über die Schweiz informiert und hat sie während seiner Amtszeit schon mehrmals besucht – zuletzt anlässlich des Weltwirtschaftsforums in Davos.

 

Siebtgrösster Investor

 

«Die Wirtschaftsbeziehungen mit der Schweiz sind für Kolumbien sehr wichtig», sagt Restrepo. Mit über elf Milliarden Franken Investitionen während der letzten zehn Jahre sei die Schweiz der siebtgrösste ausländische Investor in Kolumbien. Im Corona-Jahr 2020 könnte sie sogar zum drittgrössten aufsteigen, wenngleich auf etwas tieferem Niveau als im vergangenen Jahr: «Das ist sehr eindrücklich.» Auch die Entwicklungszusammenarbeit mit den Schweizer Behörden sei «ausserordentlich wertvoll». Die Schweiz trage damit sehr zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit Kolumbiens bei, beispielsweise was den ökologischen Tourismus angehe. «Die Schweiz gehört hier zu unseren wichtigsten Partnern.»

Bei den Schweizer Investitionen sind die Direktinvestitionen durch grosse Firmen tonangebend. Beispielsweise verfügt Nestlé seit Jahren über eine grosse Präsenz in Kolumbien. Ein wesentlicher Anteil des Kaffees für Nespresso stammt aus kolumbianischer Produktion. Rohstofffirmen wie Glencore (Kohle) und Trafigura (Erdöl) haben in den letzten Jahren Hunderte Millionen in Förderprojekte und in Infrastruktur wie etwa Häfen investiert. Aber zu Beginn der Kampagne für die sogenannte Konzernverantwortungsinitiative wurde namentlich Glencores Kolumbien-Engagement mit falschen Anschuldigungen in ein schiefes Licht gerückt (Weltwoche Nr. 14/20, «Wo Glencore Wunder tut»).

 

Griffige Gesetze

 

«Die Schweizer Multis sind äusserst erfolgreich», sagt Restrepo. In den meisten Fällen seien sie seit Jahrzehnten im Land aktiv und «tragen massgeblich zur Qualifikation unserer Arbeitskräfte und zu unserem Einkommen bei». Sie seien gut mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut und hätten wichtige Beiträge zur Unternehmensverantwortung in sozialen und ökologischen Fragen geleistet. «Man kann sagen, dass sich Schweizer Firmen hier positiv von anderen abheben.»

Wie sieht der Minister also das Anliegen der Konzernverantwortungsinitiative? Nach seiner Erfahrung seien die kolumbianischen Gesetze sehr griffig, um mögliche Menschenrechtsverletzungen durch ausländische Firmen zu ahnden: «Das Bild, dass Kolumbien eine lasche Gesetzgebung in sozialen oder in ökologischen Belangen habe, entspricht absolut nicht der Realität.» Das zeige schon die Tatsache, dass das Land vor ein paar Jahren in die OECD aufgenommen worden sei, wofür es strikte Kriterien erfüllen musste. «Kolumbien verlangt, dass sich internationale Firmen an die örtlichen Gesetze halten, und ist bei der Durchsetzung ein Vorreiter in Lateinamerika.»

Weiter verweist Restrepo darauf, dass es in den Investitionsschutzabkommen klar definierte Prozesse gebe, um Konflikte zwischen der nationalen Gesetzgebung und einem ausländischen Multi zu lösen, beispielsweise im Bereich der Menschenrechte. Er wolle der Schweiz zwar nicht vorschreiben, wie sie ihre Unternehmen reguliere, «aber aus meiner Sicht sind die bestehenden Instrumente ausreichend». Bedauernswert wäre es, wenn Schweizer Firmen aus Angst vor neuen Rechtsrisiken weniger in Kolumbien investierten.

 

Nicht nur Kakaobohnen

 

Der kolumbianische Handelsminister hofft, dass der Run helvetischer Investoren auf Kolumbien anhält. «Unsere Regierung verfolgt einen grossangelegten Plan zur Verbesserung der Tranwarte sport- und Technologie-Infrastruktur.» Grosse Chancen sieht er auch im Energiebereich, vor allem bei den erneuerbaren Energien, in der Modeindustrie, in der Landwirtschaft bei Früchten und Gemüsen und in der Lebensmittelindustrie.

Aus der Sicht der eigenen Wirtschaft sei es wünschenswert, dass bei Schokolade und Confiserie grössere Teile der Wertschöpfungskette in Kolumbien abgedeckt würden, anstatt dass wie bis anhin vor allem Kakaobohnen exportiert würden. «Gemeinsam mit Schweizer Investoren wollen wir Mittel und Wege finden, wie die Zusammenarbeit noch enger und tiefer werden kann» – denn das helfe der Entwicklung Kolumbiens.

 

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Alex Baur, Redaktor

Kommentare

Beat Furrer

23.11.2020|18:29 Uhr

Die Annahme der KVI wird nur dazu führen, dass Schweizer Firmen oder Konzerne im Ausland durch mehr Regulierungen benachteiligt werden. Wer hat ein Interesse daran? Die Chinesen und andere Nationen? Wie bei Klima und Umweltthemen werden auch hier wieder naive Gutmenschen (Kirchen) vorgeschoben, die mit der Initiative mehr Gerechtigkeit auf der Erde erreichen wollen. Es führt aber zu mehr staatlichen Eingriffen und Unfreiheit. Die Namen der Initianten (Regula Rytz, Daniel Jositsch, Kathrin Bertschy, Ruth Dreifuss) zeigen schon, dass es sich hier um eine linke, sozialistische Initiative handelt.

Walter Moser

21.11.2020|00:24 Uhr

Diese KI basiert auf Unkenntnis, Ignoranz, Grössenwahn und Schulmeiserei.

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