Welternährer aus Niederweningen

Der Schweizer Maschinenbauer Bucher Industries treibt in der Landwirtschaft die Modernisierung voran. Das führt zu besseren Erträgen und weniger Umweltbelastung.

Der Bucher-Motormäher aus den sechziger Jahren funktioniert noch gut, Vibrationen und Benzingeruch wecken alte Erinnerungen, und beim Blick aufs geschnittene Gras denkt man: Ist Bucher eigentlich immer noch die Landmaschinenfirma von damals? Das ist tatsächlich einigermassen der Fall, auch wenn sie heute breiter aufgestellt ist. Bucher Industries besteht aus fünf Divisionen, ist an der Börse und ist weltweit an über fünfzig Standorten tätig. Der Hauptsitz ist immer noch in Niederweningen mitten auf der Kantonsgrenze Zürich/Aargau, die Zentrale mit Konzernchef und Finanzchefin ist aber am Flughafen Zürich. Beim Mähen kommen jetzt über zehn Meter breite Maschinenkombinationen zum Einsatz, und Kranhersteller aus aller Welt werden mit Hydraulikventilen von maximaler Präzision und Funktionssicherheit beliefert.

 

Fünf Standbeine

 

Das 1807 gegründete Unternehmen kennt lange Traditionen. Die Aktien sind zu 35 Prozent bei der Gründerfamilie Hauser, die sich als langfristig orientierter Ankeraktionär versteht. Und die Diversifikation mit fünf Standbeinen hat ebenfalls mit der Geschichte zu tun. Grösste Division ist die Landmaschineneinheit Kuhn Group. Mit Bodenbearbeitungs-, Sä-, Spritz- und Erntemaschinen, mit Futterproduktionsketten für die Viehwirtschaft, oft gespickt mit Elektronik und Sensoren, bewegt sich Bucher an vorderster Front der modernen Agrartechnik. Die andern Segmente umfassen Kommunalfahrzeuge, Produktionsanlagen für Glasbehälter, Anlagen für die Wein- und Fruchtsaftindustrie sowie Hydraulik-Komponenten, wo eine neue Kolbenpumpe nun neue Anwendungen erschlossen hat.

Ist das vielleicht fast zu breit? «Für uns ist die breite Ausrichtung die richtige Strategie», meint Konzernchef Jacques Sanche. «In der Aussensicht variiert die Beurteilung, ob Fokussierung oder Diversifikation die richtige Strategie ist, abhängig von der jeweiligen Zeit, im Moment empfindet man die Verteilung auf die fünf Standbeine natürlich als sinnvoll.» Man kann auch sagen: Bucher ist grossenteils mit der Lebensmittelproduktion, der Ernährung der Welt befasst. Und dies auf solide Weise. Mit rund 13 000 Mitarbeitern wird ein Jahresumsatz nah bei drei Milliarden Franken und in Normalzeiten eine Verzinsung des investierten Kapitals von rund 20 Prozent erwirtschaftet – das ist viel und gibt Anreize zu anhaltenden Investitionen. Laut Sanche werden jährlich etwa 4 Prozent vom Umsatz in Erweiterung und Erneuerung der Produktion investiert und ähnlich viel in Forschung und Entwicklung.

Was sind die Themen? «Es geht fast überall darum, mechanische Aufgaben vermehrt mit Automatisierung und Intelligenz zu versehen, hinzu kommt die Elektrifizierung quer durch die Produktepalette», sagt Sanche. Sensoren in Kombination mit Analytik und Kommunikation beziehungsweise Konnektivität – das seien wichtige Zutaten, um viele Prozesse beim Kunden schneller und wirkungsvoller zu machen. Precision Farming oder Smart Farming sind die Stichworte, also die immer effizientere Steuerung von Maschinen, um Pflanzenschutzmittel, Dünger, Wasser, Treibstoff, auch mühsame Arbeit einzusparen. Sanche: «Das ist ein enormer Sprung vorwärts für die Landwirtschaft und Umweltqualität.»

 

Wirkungen im Ausland

 

Sind das aber nicht primär Visionen für die Agrar-Champions in Amerika? Was ist mit andern Regionen? «Wenn wir uns mit Blick auf die Geografie fragen, wo Mechanisierung und Automatisierung der Landwirtschaft künftig die grösste Dynamik erfahren werden, dann weisen alle Zeichen auf Asien hin», erklärt Sanche und fügt an: «Da suchen wir auch mehr und mehr Fuss zu fassen.» Auch mit Blick auf die Urbanisierung. So wurde ein Hersteller von Kanalreinigungsfahrzeugen in Wuhan übernommen und daneben das Hydraulik-Geschäft in China verstärkt. In der Landwirtschaft gehe es vor allem bei mittelgrossen chinesischen Betrieben richtig los, die würden nun zunehmend grossflächiger und empfänglicher für moderne Technologie. Hinzu komme, dass Russland mit seinen enormen Flächen Netto-Nahrungsmittelexporteur werden wolle. Das rufe nach Rationalisierung und effizientem Umgang mit Ressourcen.

Bringt Bucher eigentlich positive Impulse in die Welt, die typisch sind für die Schweiz? Sanche ist der Meinung, dass Schweizer Spielregeln vielerorts für Vertrauen und Stabilität sorgen. Er erwähnt etwa Akquisitionen in Schwellenländern; erworbene Firmen erführen beim Übergang in Schweizer Hand meist einen Schub in Nachhaltigkeit, Arbeitssicherheit, Gesetzestreue, Abwehr von Korruption oder Umweltschutz. Aber was aus seiner Sicht den allergrössten Effekt zur Verbesserung der Verhältnisse hat: «Gescheite Produkte anbieten!» Das sei der wirksamste Hebel. Gerade da sieht er jedoch eine grosse Gefahr in der Konzernverantwortungsinitiative, denn die damit verbundene Administration würde viele Kräfte binden, und das ginge auf Kosten von Verbesserungen und Innovationen.

"Abonnieren Sie die Weltwoche und bilden Sie sich weiter"

Alex Baur, Redaktor

Kommentare

Die News des Tages aus anderer Sicht.

Montag bis Freitag
ab 6 Uhr 30.

Ihr Light-Login-Zugang ist abgelaufen. Bitte machen Sie das Abonnement hier