Die Shutdowns waren nicht nötig

 

Im Frühjahr verhängten die Schweiz und viele andere Staaten harte Beschränkungen, um eine Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Waren diese Shutdowns notwendig und wirksam?

Aufgrund einer mathematisch-statistischen Analyse war der Autor dieser Zeilen Mitte April zum Ergebnis gelangt, dass die harten Beschränkungen, die verheerende soziale und gesundheitliche Nebenwirkungen hatten und zum grössten Wirtschaftseinbruch in Friedenszeiten führten, unverhältnismässig und falsch gewesen waren und sofort beendet werden müssten.

Ein soeben erschienenes Arbeitspapier des renommierten amerikanischen National Bureau of Economic Research bestätigt dieses Ergebnis. Unter Verwendung neuerer Daten für verschiedene Länder sowie die US-Einzelstaaten haben Andrew Atkeson, Karen Kopecky und Tao Zha herausgefunden, dass sich die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Coronavirus überall rasch verlangsamt hat, und zwar ganz unabhängig von den jeweils ergriffenen Politikmassnahmen.

Nach Auffassung der Autoren ist schwer zu sagen, ob die Eindämmung auf zunehmender Immunität beruht oder auf freiwilligen Verhaltensänderungen wie Abstandhalten und Hygiene. Diese Schwierigkeit rührt daher, dass Verhaltensänderungen weltweit zu beobachten waren – auch in Staaten wie Schweden, die auf Eigenverantwortung setzten statt auf staatliche Bevormundung. Einen Einfluss von Massnahmen wie Schulschliessungen, Ausgangssperren oder einem weitgehenden Herunterfahren des öffentlichen Lebens zeigen die Daten jedenfalls nicht.

Nachdem im letzten halben Jahr Panik und Panikmacher die Oberhand hatten, ist denkbar, dass die Politik aufgrund solcher Befunde ihre Entscheide vermehrt auf nachprüfbare Fakten basiert, die Bevölkerung beruhigt und keine weiteren Beschränkungen verhängt. Nur auf diese Weise kann allmählich jenes Vertrauen zurückkehren, das sowohl für eine gedeihliche Wirtschaftsentwicklung als auch für ein gutes Leben unabdingbar ist.

 

Stefan Homburg ist Professor für Öffentliche Finanzen an der Leibniz-Universität Hannover

"Abonnieren Sie die Weltwoche und bilden Sie sich weiter"

Alex Baur, Redaktor

Kommentare

Hans Baiker

20.09.2020|23:02 Uhr

Statistiker sind Kommentatoren zu Covid19. Der Lockdown war eine Folge sder vernachlässigten Vorsorge. Das es jetzt kaum Covid19-Erkrankte gibt, liegt in den Eigenschaften des Virus. Die Massnahmen zur Einschränkung der Infektionen sind lückenhaft. Im Laden kann jeder ins Gemüse husten oder ins Gestell niessen. Kleinere kommen wegen des beschränkten Zugangs in Notlage. Risikogruppen sind heute in der Lage sich selbst zu schützen. Taiwan ist in der Pandemiebekämpfung führend. In der CH ist offenbar niemand gewillt/fähig, dieses Chaos zu strukturieren.

Claudio Hammer

16.09.2020|22:55 Uhr

Der Ex-Corona-Vorzeigestaat Israel führt als erstes Land ww gerade seinen 2. Shutdown trotz extremem Wirtschaftseinbruch ein. Da war doch mal ein Weltwoche-"Experte": Der Mathematiker und frühere General Isaac Ben-Israel, der vollmundig am 22.4. in der WW verkündete: «Die Zahlenreihen sprechen eine deutliche Sprache.» Sie machen, wenn er mit seinem Befund denn richtig liegt, Hoffnung, dass der Spuk bald vorbei ist. Die WW meinte dazu noch zu "ihrem" Experten: Er sei kein Forscher im Elfenbeinturm, der naiv und weltfremd die Welt betrachtet. Hallo WW habt ihr denn keine besseren "Experten"?

Die News des Tages aus anderer Sicht.

Montag bis Donnerstag
ab 16 Uhr 30

Ihr Light-Login-Zugang ist abgelaufen. Bitte machen Sie das Abonnement hier