Kruzifix gegen Viren

Wer eine Maskenpflicht fordert, müsste sie für immer fordern. Ob Influenza oder Corona: Die Viren werden nie verschwinden.

In den letzten dreissig Tagen wurden offiziell sechs Todesfälle in der Schweiz mit Covid-19 in Verbindung gebracht, in der letzten Woche keiner mehr. Die Zahl der täglich registrierten Neuinfektionen bewegt sich seit zwei Monaten im tiefen zweistelligen, die der Hospitalisierungen im einstelligen Bereich. Gemäss BAG starben in der Schweiz bislang 1682 zumeist hochbetagte Menschen an oder mit Covid-19. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 raffte gemäss derselben Quelle eine hundskommune Grippe 2500 Menschen dahin.

Grund zum Aufatmen? Mitnichten. Im medialen Mainstream wird mit zunehmender Penetranz die «zweite Welle» herbeigeschrieben. Weil sich diese mit den eklatant tiefen Fallzahlen nicht begründen lässt, sind sie aus der Berichterstattung verschwunden. Die Stimmung wird mit Triggern wie «Superspreader» und «Tracing» geschürt. Sechs Ansteckungen in einer Disco reichen für eine düstere Prophezeiung. Es ist, als stünden wir wieder ganz am Anfang.

Eine allgemeine Maskenpflicht steht auf dem Programm. Rational lässt sich die Massnahme nicht begründen. Sie hätte allenfalls zu Beginn der Corona-Welle Sinn gemacht, aber sicher nicht am Ende. Erfahrungen aus Italien und Spanien, wo eine strenge Maskenpflicht sehr früh angeordnet wurde, haben allerdings gezeigt, dass sie kaum etwas bringt. Die gängigen Hygienemasken können (sofern richtig und konsequent eingesetzt!) zwar die Verbreitung des Virus verlangsamen. Aber sie schützen die Gefährdeten nicht, die man, wenn schon, mit den FFP2-Schutzmasken ausrüsten müsste. Genau das hat man aber sträflich versäumt, bis heute.

Ob man das seit neunzehn Jahren bekannte Coronavirus unter dem Oberbegriff Grippe mit dem Influenzavirus gleichsetzt oder nicht: Übertragungswege und Krankheitsbilder sind etwa dieselben. Es ist kein Zufall, dass sich das Coronavirus im Winter (oder in gekühlten Schlachthäusern) ausbreitet und mit dem Sommer weiterzieht (nämlich auf die Südhalbkugel, wo die Grippesaison erst bevorsteht). Früher oder später wird es in mutierter Form zurückkehren.

 

Virologisches Basiswissen

 

Wer behauptet, Covid-19 sei etwas völlig anderes als eine Grippe, der verkennt die Gefährlichkeit der Influenza, die jährlich weltweit Hunderttausende von Toten fordert. Im Jargon des Zeitgeistes wäre er als Grippeleugner zu brandmarken. Und wer jetzt die allgemeine Maskenpflicht fordert, der müsste sie konsequenterweise für immer und ewig fordern. Denn weder Influenza- noch Coronaviren werden je verschwinden. Da Viren sich ständig verändern und anpassen, wird eine Impfung höchstens eine Linderung, aber niemals eine abschliessende Lösung bringen. Wir sind dazu verdammt, mit ihnen zu leben.

Das alles ist nicht irgendeine Theorie, sondern virologisches Basiswissen, Common Sense unter den Medizinern. Umstritten ist lediglich, ob Covid-19 tatsächlich derart tödlich ist, wie die einen meinen, oder ob eher das Produkt einer kollektiven Hysterie, wie anderen schwant. Doch wir können nicht auf die ultimative Gewissheit warten. Auch eine falsche Remedur kann tödlich wirken.

Die Fronten sind längst abgesteckt. Sie verlaufen nach dem klassischen Links-rechts-Raster. Die einen fordern mehr Staat, die andern Eigenverantwortung, die einen fürchten den Kollaps der Medizin, die andern eine wirtschaftliche Katastrophe. Das ist die Stunde der Aktivisten, die nach Taten rufen, egal, ob sie etwas bringen oder nicht. Die Schutzmaske ist ihr Kampfsymbol, ein kollektives Glaubensbekenntnis, das uns gleich einem Kruzifix vor dem Bösen schützen soll.

 

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Alex Baur, Redaktor

Kommentare

Bruno Mair

09.07.2020|10:33 Uhr

@Daniel Schmidlin. Sie sind bestens informiert! Die Unverbesserlichen Verharmloser soll es eines Tages treffen. Quasi die Wahrheit am eigenen Leibe erleben! Anscheinend nur so tritt der „gesunde“ Menschenverstand ein.

Rainer Selk

09.07.2020|09:22 Uhr

@Schmidlin: Woher nehmen Sie Ihre Angst Weissheiten? Nicht mal RKI Hr. Drosten kommt noch draus. Todesraten hoch ? Stimmt nicht. Coronas gibt es seit Mitte der 60er Jahre, dann BSE, dann die Schweine- , die Vogelgrippe etc. Tamiflu wurde flugs mit staatl. Millionen gekauft und wegen Gefährlichkeit vernichtet. Eine Impfung ist Unsinn. Sie sollten sich tiefer informieren.

Bruno Mair

07.07.2020|13:59 Uhr

Ein paar eindrucksvolle Statements von Personen die Covid-19 hautnah erlebt haben ... https://www.tagblatt.ch/schweiz/immer-mehr-coronapatienten-gelten-in-der-schweiz-als-genesen-doch-sie-klagen-ueber-muedigkeit-ld.1235684.

Daniel Schmidlin

07.07.2020|13:48 Uhr

Schade, dass sich die Weltwoche in Sachen Corona-Pandemie so die Finger verbrennt. Die Fakten wären dabei ja klar: Der Virus kennt keine Immunität, die Ansteckungsrate ist das Mehrfache einer Grippe, die pathologischen Befunde sind verheerend, die Todesraten sind sehr hoch. Aber das Schlimmste, Herr Köppel vergleicht die Zahlen einer massnahmenlosen Grippe mit denen dieser mit weitgehenden Massnahmen begleiteten Corona-Pandemie. Das ist Kindergartendenken Herr Köppel.

Rainer Selk

07.07.2020|07:44 Uhr

Mair. Ihre posthume Richtigstellung der Frau Prof. Mölling erinnerte irgendiwe an die Gefängnisszene von Didi Hallvorden, der dort mti einem Mitgefangenen 'Kaufmannsladen spiele: 'Palim, palim, ich häte gerne 1/4 Liter Pommes'. Ist aber doch beachtlich, dass sich 'Frau Prof. Dr.' posthum beliest. Sollten Sie, werter B. Mair, auch beachten. Dann, ja dann wären manche Einträge von Ihnen nicht 'plem plem + links verbohrt.' Lach und alles Gute.

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