«Männer sind schuld»

Fiktives Interview in Corona-Zeiten mit der Feministin Tabea Hacklberger-Schöll. Achtung, Trigger!

Tabea Hacklberger-Schöll, wie geht’s Ihnen, wie kommen Sie durch die Corona-Krise?

Als Frau bin ich natürlich am meisten von Corona betroffen. Ich versuche durchzuhalten.

Warum, gehören Sie einer Risikogruppe an? Denn Männer sterben ja viel häufiger an dem Virus, sind also mehr betroffen.

Nein. Einfach, weil ich eine Frau bin. Wir tragen die Last der Menschheit.

Wenigstens sind Sie gesund ...

Ja, allerdings zeigt die Corona-Krise wieder einmal, wer für all das Elend verantwortlich ist: Ohne Kapitalismus wäre das Virus gar nicht erst entstanden, und da die Wirtschaft von Männern dominiert wird, sind sie jetzt auch schuld an der Pandemie. Sowieso, wir müssen alle umdenken, unseren Lebensstil ändern ... mit «wir» meine ich, ähm, die Wirtschaft, die Bevölkerung ... also die anderen. Madonna hat das übrigens auch gesagt.

Mit Verlaub, Madonna schwimmt im Luxus, sie wird doch ihren Lebensstil nicht ändern. Das ist virtue signalling aus Hollywood.

Haben Sie das Foto nicht gesehen?: Madonna in der Badewanne, wie ganz gewöhnliche Leute. Daran erkennt man doch, dass sie es ernst meint.

Neulich haben Sie Corona-Empfehlungen von Wissenschaftlern kritisiert, weil in der Arbeitsgruppe mehr Männer als Frauen mitgeforscht haben. Bei einem Arbeitsergebnis kommt es doch nicht auf das Geschlecht der Wissenschaftler an, sondern auf deren Kompetenz.

Das ist ein gängiges Vorurteil. Ein Forschungsergebnis hängt natürlich direkt vom Geschlecht der Forscher*innen ab. Haben mehr Männer als Frauen mitgeforscht, ist das Resultat falsch, und man sollte eine neue Studie durchführen.

Sie stören sich auch daran, dass zum Thema Corona in Medien und Talkshows mehr Männer zu Wort kommen als Frauen.

Die absolute Zumutung, wie sie mit ihren gespreizten Beinen dasitzen und Mansplaining betreiben. Virologinnen sind als Expertinnen massiv unterrepräsentiert, was wieder einmal beweist, dass Gleichberechtigung nicht existiert.

Aber weniger Frauen in Talkshows, das liegt doch auch daran, dass Frauen mehr Anfragen ablehnen als Männer. Männer für Auftritte zu gewinnen, ist viel einfacher. Ich spreche da aus Erfahrung als ehemalige Gastgeberin von Talkshows.

Wenn zu wenig Frauen zusagen, muss man es Männern eben verbieten, aufzutreten, bis die Quote stimmt. Ganz einfach.

Aber das wäre ja völlig antiliberal.

Ach, ihr Liberalen. Mit eurem ewigen Freiheitsdrang, völlig asozial. Man muss Männer mehr zurückbinden und Frauen mehr fördern, mehr Steuergelder in die Hand nehmen.

Wie genau stellen Sie sich das vor?

Redaktionen müssen intensiver nach Frauen suchen. Man sollte Frauen dann einen Coach zur Seite stellen für Honorarverhandlungen, auch einen Life-Coach, damit sie während ihres Auftritts nicht nervös oder eingeschüchtert sind. Und einen Therapeuten, falls im Nachhinein negative Gefühle aufkommen.

Grundsätzlich bleibt aber das Problem, dass halt mehr Männer als Frauen MINT-Fächer studieren. Das macht das Angebot an männlicher Expertise in Feldern wie Virologie grösser – obwohl man ja weiss, dass, wenn Frauen diese Studiengänge wählen, sie im Job sehr erfolgreich sind. Aber niemand hält sie davon ab, diese Berufsfelder zu wählen.

Männer halten sie aktiv davon ab.

Wie das?

Sie haben die Einstiegshürden für ein MINT-Studium für Frauen viel zu hoch angesetzt. Man muss sie herunterschrauben, damit sich mehr Frauen an ein solches Studium wagen.

Damit würde man doch die Qualität des Studiums heruntersetzen, ausserdem hätten es Frauen dann leichter als Männer, was wiederum Diskriminierung wäre.

Die ganze Geschichte der Frauen basiert auf Diskriminierung, jetzt machen Sie ein Fass auf wegen ein paar Mimosen? Frauen sind durch die Dominanz der Männer völlig eingeschüchtert. Männer drängen Frauen an den gesellschaftlichen Rand. Sie sind schuld, wenn Frauen in Studium und Beruf nicht reüssieren. Frauen werden viel mehr begrapscht als gefördert!

Sie scheinen ein schlechtes Bild von Männern zu haben. Es gibt viele Männer, die haben noch nie eine Frau belästigt oder diskriminiert.

Sie sind eine Luxusfrau, in Ihrer privilegierten Position kriegen Sie nichts mit von den Problemen normaler Frauen. Überhaupt, wie Sie hier die Männer permanent verteidigen und sich beim Patriarchat anbiedern, ist eklig.

Noch eine Frage: Sie lehnen eine Corona-Impfung ab. Warum?

Die Spritze ist ein Phallussymbol. Impfen ist also nichts anderes, als von einem Phallussymbol penetriert zu werden. Aber der Hauptgrund ist, dass unter Wissenschaftlern, die am Corona-Impfstoff forschen, auch wieder mehr Männer als Frauen sind. Einen Impfstoff, der hauptsächlich von Männern hergestellt wird, lehne ich kategorisch ab.

Auch wenn er das Risiko vermindert, sich selbst und andere anzustecken?

Sich mit Corona anzustecken, ist immer noch besser, als sich dem Patriarchat zu unterwerfen.

 

Tamara Wernli, Video-Bloggerin, lebt bei Basel.Aktuelles Video auf www.weltwoche.ch

 

Kommentare

Brigitte Miller

02.06.2020|15:19 Uhr

Grossartig!

Inge Vetsch

31.05.2020|16:33 Uhr

@ Richard Müller: Sehe ich genauso :):):)

Richard Müller

29.05.2020|11:31 Uhr

Eine Meisterleistung, Frau Wernli. Die Zusammenfassung des feministischen Geschwurbels haben Sie kompakt und treffend zu Papier gebracht. So macht lesen Freude, selbst wenn der inhaltliche Hintergrund kein Anlass zur Freude ist.

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