Unbequeme Wahrheiten

Für einmal richtet Regisseur Michael Moore seine Kamera auf die grünen Lebenslügen der eigenen Klientel. Das Schweigen der Kritisierten spricht Bände.

Wann immer der Oscar-prämierte Dokumentarfilmer Michael Moore zur Kamera greift, sind Kontroversen angesagt. Ob er den Kapitalismus («Roger & Me»), die Waffenlobby («Bowling for Columbine»), den Irakkrieg («Fahrenheit 11/9») oder den amtierenden Präsidenten («TrumpLand») ins Visier nahm – immer war allerdings klar, auf welcher Seite Moore stand. Und wenn der 66-Jährige, der sich gerne als respektloser Teenager inszeniert, etwas an Barack Obama, Bernie Sanders oder Al Gore zu kritteln hatte, dann, weil ihm diese zu rechts waren. Der Applaus des linksliberalen Mainstreams war ihm stets sicher.

Vor diesem Hintergrund birgt Moores neustes Opus, «Planet of the Humans», eine echte Überraschung in sich. Die unerbittliche Kamera richtet sich diesmal auf die «heilige Kuh» seiner eigenen Klientel: die vermeintlich grüne Energie.

Der Regisseur und Koproduzent Jeff Gibbs, ein Umweltaktivist der ersten Stunde, begibt sich auf eine Erkundungstour durch die Welt der alternativen Energieträger. Und er stellt dabei fest: Ob Solarpanels, Windmühlen, Batterien oder Biotreibstoffe – was unter dem Label «grün» vermarktet wird, verursacht kaum weniger Umweltschäden als konventionelle Energieträger.

 

Irritierende Erkenntnis

 

Das Fazit nach einer Stunde und vierzig Minuten erscheint deprimierend. Es liegt nicht an der Technologie, sondern an der Natur. Erstens sind Sonne und Wind für die Stromproduktion denkbar ungeeignet, weil sie selten dann anfallen, wenn man sie braucht. Zweitens steht der Verschleiss an Ressourcen in einem krassen Missverhältnis zum kläglichen Ertrag, was insbesondere auch für Biotreibstoffe gilt. Das ist zwar alles längst bekannt. Doch Moore und Gibbs gelingt es, diese irritierende Erkenntnis am konkreten Beispiel bildhaft aufzuzeigen.

Der grüne Zauber vermittelt den Menschen die Illusion, den Planeten zu retten. In Wahrheit, so die Message des Films, geht es einzig um die Rettung eines verschwenderischen Lifestyles. Der «Green New Deal» ist eine linke Lebenslüge – ein milliardenschweres, mit Subventionen aller Art gedoptes und verlogenes Business, an dem sich knallharte Geschäftemacher, von Elon Musk über Al Gore («An Inconvenient Truth») bis Richard Branson, eine goldene Nase verdienen.

Das ist Kritik, die in die Tiefe geht. Doch der Aufschrei blieb aus. In den einschlägigen Kreisen wird Moores Fundamentalkritik eisern ignoriert. Als der Film im Sommer 2019 erstmals an einem Festival gezeigt wurde, fand er in den etablierten Medien kaum Beachtung.

Seit dem 21. April kann man ihn nun auf Youtube einen Monat lang gratis herunterladen. Bis letzte Woche taten das 8 Millionen User. In den sozialen Medien löste der Film heftige Kontroversen aus. Doch in den etablierten Medien findet er höchstens in den Randspalten Erwähnung.

 

Klimafreundliche Alternative

 

Der Schweizer Klimaforscher Reto Knutti gehörte zu den wenigen Exponenten des grünen Milieus, die sich zu einer Kritik hinreissen liessen. Doch seine Einwände zielen ins Leere. Moore bezweifelt weder den Klimawandel noch die Nachteile der fossilen Treibstoffe. Er hat lediglich die unbequeme Realität der vermeintlich grünen Technologien aufgezeigt.

Was die Remedur betrifft, bleibt sich Michael Moore allerdings treu: Er fordert Konsumverzicht. Die klimafreundliche Alternative, nämlich die Kernenergie, findet in «Planet of the Humans» keine Erwähnung. Das wäre offenbar selbst für Michael Moore der Ketzerei zu viel gewesen.

 

Kommentare

Nannos Fischer

24.05.2020|17:19 Uhr

Es besteht immerhin die Möglichkeit von Thorium-Kraftwerken in absehbarer Zukunft, praktisch ohne nuklearen Abfall und praktisch unbeschränkten Reserven.

Claudio Hammer

22.05.2020|18:45 Uhr

Mal abgesehen, dass die Kernenergie auch nicht ganz so klimafreundlich ist, wie uns Herr Baur verklickern will, sind moderne Technologien wie die Kernfusion noch längst nicht ausgereift, vor 2050 wird da wohl eh nix werden. Auch Uranvorräte sind auch endlich. Bei aktuell rund 440 AKW's und 67'000 t Uran pa geht man von 80 J. Reserve aus. Mit einer kleinen Dreisatzrechnung kann man sich ausrechnen, wie schnell die zu Ende gehen bei benötigten z. B. 10'000 AKW's weltweit. Da lohnt es sich kaum noch massig AKW's aufzustellen. Neben den linksgrünen Illusionen träumen die Rechten eben auch sehr viel!

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