«Nach zehn Wochen liegt das Wachstum bei Null»

Egal, ob ein Land einen Shutdown erlässt oder nicht: Überall verlaufe die Corona-Krankheit nach demselben Muster und in derselben Zeit, sagt der Mathematiker und frühere General Isaac Ben-Israel.

Isaac Ben-Israel hat sich die Corona-Zahlen aus der Schweiz und 23 anderen Ländern genau angeschaut. Der israelische Mathematikprofessor und Ex-General wollte mit Hilfe eines internationalen Vergleichs wissen, ob sich bei den einzelnen Corona-Statistiken ein gemeinsames Muster erkennen lasse, das für Entscheide in der Politik relevant sein könnte.

«Das Ergebnis hat mich überrascht», sagt er zu Beginn des Telefongesprächs. Er habe Staaten miteinander verglichen, die mit unterschiedlichen Massnahmen auf Corona reagiert hätten: mit einem schnellen Shutdown (sofortiges Herunterfahren der Wirtschaft), mit einem etwas verzögerten Shutdown (langsames Herunterfahren der Wirtschaft) oder mit einer Politik, die auf Selbstverantwortung der Bürger setzte (weitgehend normale Fortsetzung der Wirtschaft). Dabei habe die Krankheit in allen Ländern trotz deutlich unterschiedlichem Vorgehen einen sehr ähnlichen Verlauf genommen. Er fragte sich: Wie ist das möglich?

Um der Sache auf den Grund zu gehen, beschäftigte sich Ben-Israel in den vergangenen Wochen intensiv mit der Statistik der Virusfälle. Dabei kamen ihm sowohl seine breite akademische Ausbildung als auch seine reiche Palette an praktischer Erfahrung in der Forschung und im Militär zugute. Der 71-Jährige studierte an der Universität Tel Aviv Mathematik, Physik und Philosophie, diente bei der israelischen Luftwaffe, beaufsichtigte die militärische Forschung und leitete das Cyberbüro des Premierministers. Seit fünfzehn Jahren ist er Vorsitzender der Israel Space Agency und seit zehn Jahren Chef des nationalen Forschungsrates seines Landes. Er ist also kein Forscher im Elfenbeinturm, der naiv und weltfremd die Welt betrachtet.

 

Mehr Schaden als Nutzen

 

Neben dem in allen Staaten gleich verlaufenden Muster fiel ihm eine weitere Besonderheit auf, als er die Wachstumsrate der neu Erkrankten relativ zu den Kranken studierte. Die Ausbreitung verlaufe während vier bis sechs Wochen exponentiell, erreiche dann die Spitze und zeige nach einer Woche wieder nach unten. Nach zehn Wochen liege das Wachstum «bei praktisch null». Und Ben-Israel fügt hinzu: «Die Zahlenreihen sprechen eine deutliche Sprache.» Sie machen, wenn er mit seinem Befund denn richtig liegt, Hoffnung, dass der Spuk bald vorbei ist.

Für seine Untersuchung stützte sich Ben-Israel auf Corona-Fälle, die in den Wochen vom 4. März bis zum 15. April in den USA, in Grossbritannien, Deutschland, Spanien, Schweden, Israel oder der Schweiz gemeldet wurden – um nur einige der Staaten zu nennen, deren Statistik er untersucht hat. Die wöchentlichen Wachstumszahlen setzte er ins Verhältnis zum jeweiligen Total der Corona-Kranken.

Das Resultat, gemäss dem der Quotient sinkt, nachdem er einen Spitzenwert erreicht hat, hätte er nicht erwartet, sagt der Forscher. «Verblüffend» sei vor allem, dass sich die ähnlichen Entwicklungen unabhängig vom untersuchten Land und unabhängig von den Massnahmen, mit denen Politiker gegen Sars-CoV-2 vorgehen, erkennen liessen. Daraus folgert Ben-Israel, dass Shutdowns unnötig sind, um die Expansion zu stoppen.

Mehr als das: Mit den hohen ökonomischen und sozialen Kosten, die das Abwürgen der Wirtschaft nach sich zieht, richteten die Massnahmen mehr Schaden an, als dass sie Nutzen stiften würden, meint der Mathematikprofessor. Abstand halten und Gesichtsmasken tragen genügten völlig, um sich vor dem Virus zu schützen, ist Ben-Israel überzeugt. Alle gegen Corona erlassenen Ge- und Verbote bezeichnet er als Folge einer «Massenhysterie».

Mitte April machte Ben-Israel das Ergebnis seiner komparativen Statistik in einem Interview mit der israelischen TV-Station Arutz 12 publik. Auf Israel bezogen, sagte er, dass die Spitze der Ausbreitung «seit einer Woche hinter uns liegt». Und in ungefähr zwei Wochen werde die Krankheit «fast ganz verschwunden» sein, prognostizierte der Mathematiker. Und was für Israel gelte, gelte wegen des vergleichbaren Musters auch für die anderen Staaten, die er untersucht habe.

Seit er seine Resultate veröffentlicht habe, werde er mit E-Mails förmlich bombardiert, sagt Ben-Israel. Von den einen werde er als «Spinner» abgetan, andere würden ihn für seine einleuchtenden Resultate loben. Viele wollten auch wissen, worauf er die Ergebnisse seiner Untersuchung zurückführe. Doch da muss er passen: «Ich habe keine Erklärung dafür. Vielleicht hat es etwas mit dem Klima zu tun, oder vielleicht hat das Virus eine beschränkte Lebenszeit.» Er könne nur sagen, «dass aufgrund meiner Studien die Zahl der Infektionen auch in Ländern zurückgeht, die im Kampf gegen Corona nicht mit hartem Geschütz das ökonomische und soziale Leben stilllegen».

Ein schnelles Ende des Shutdowns betrachte er deshalb als «ungefährlich». Er habe weder Bedenken noch Angst davor. Mehr als das: Harte Massnahmen gegen die Epidemie verurteilt der multidisziplinäre Forscher als groben Fehler, weil sie ohne triftigen Grund und basierend auf einem falschen Modell einen hohen Preis forderten – hohe Arbeitslosigkeit und Konkurse.

 

Italiens Grippewelle von 2017

 

Und doch, werfen wir ein, die makabren Bilder aus Italien – die Särge mit Corona-Toten in Bergamo zum Beispiel – sowie Clips aus Spanien, Belgien oder New York würden nicht zu seiner These passen, nach der man dem Virus keine Schranken setzen müsse, weil es nach ein paar Wochen unschädlich sei und verschwinde. Isaac Ben-Israel lässt den Einwand nicht gelten. Überall dort, wo die Corona-Mortalität hoch sei, sei das Gesundheitssystem schwach und überlastet.

Das habe sich in Italien schon bei der «normalen» Grippewelle von 2017 beobachten lassen. Damals brach das italienische Gesundheitssystem zusammen, weil es unterdotiert war und zu wenig Reserven hatte. Das Gleiche gelte heute auch für andere Länder, denen Corona besonders arg zusetze. Die Krankheit sei zwar fies und böse – aber nicht so fies und böse, wie man anfänglich befürchtet hatte.

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Alex Baur, Redaktor

Kommentare

Hans Baiker

26.04.2020|03:32 Uhr

Statistiker verwechseln gerne Korrelation mit Kausalität. Sars2 ist in seinem Design weitgehend ein Corona-Grippe-Virus, hat jedoch entscheidende Unterschiede. Auf die kommt es an. Meine Frau und ich gehören zur Risikogruppe. Es zählen nur Fakten, die helfen, sich vorzusehen. Die müssen aus dem Wirrwarr von Meinungen und Gegenmeinungen herausgefiltert werden. Der General weiss, dass der den Krieg gewinnt, der das besser beherrscht.

Rainer Selk

25.04.2020|12:03 Uhr

@Hammer. Hammer's Angsthasenzrkular auf Uruguay, wo er sich seit 20 Jahren mit 'Fake' beschäftigt hat. Kürzlich vermixte er sogar 'dräunend esotherisch ' 9/11 mit dem Corona-Unsinn. Er mutiert zur Lachnummer vom Rio de la Plata. Weiter so, aber der Unternahltungswert nimmt rapide ab. Vielleicht gönnt die WeWo ihm und B. Mair eine eigene Rubrik, Marke 'Bodenmannlos' .

Pedro Bilar-Simke

25.04.2020|09:12 Uhr

Claudio Hammer: Ihr Kommentar zeigt ganz klar sowohl Ihre Ignoranz als auch ihre Vorurteile gegen Israel! Schämen Sie sich nicht, so daher zu schwätzen bzw. schreiben?

Heinz Köhli

23.04.2020|08:14 Uhr

Die Reproduktionsrate hat sich in CH vor den ersten Massnahmen klar und deutlich abgeschwächt und wäre auch ohne den Shutdown dort wo sie jetzt ist. Das normale Leben könnte per Knopfdruck weitergeführt werden. Stattdessen geht der Wahnsinn weiter. Und bei den nächsten Wellen werden die Politiker, angetrieben durch die nimmermüden, katastrophensüchtigen Medien, erneut der Paranoia verfallen und die Bevölkerung maximal verängstigen. Zitat Einstein: Es gibt nur zwei Dinge, die unendlich sind, die Dummheit der Menschheit und das Universum, wobei ich mir beim Universum noch nicht so sicher bin.

Peter Wolff

22.04.2020|23:41 Uhr

«Ich habe keine Erklärung dafür [von manchen vermutete massnahmenunabhängige Corona-Ausbreitung]. ...»: Die Herdenimmunität könnte sehr früh erreicht werden. Sicher ist ja, dass Kinder viel schwerer ansteckbar sind und krank werden als ältere; es gibt fast keine infizierte, kranke und ansteckende Kinder. Das ist ein Hinweis, dass das Reservoir „leicht Ansteckbarer“ in allen Bevölkerungsgruppen kleiner als üblich ist. Corona passt nämlich sicher nicht ins Standardschema der Epidemiologen; siehe dazu http://www.muntalin.ch/BiWi/WeWo-6.pdf und meinen Corona-Schengen-Überblick in www.muntalin.ch

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