Schiefe Laufbahn

Wochenlang spielte WHO-Chef Ghebreyesus die Gefahren des Coronavirus herunter. Wie konnte der Ex-Kader einer gewalttätigen kommunistischen Partei zum Wächter über die Gesundheit von 7,8 Milliarden Menschen aufsteigen?

Der Aufstieg verläuft unspektakulär. Nur Insider kennen ihre Namen. Und meistens scheiden sie aus dem Amt aus, ohne dass die breite Öffentlichkeit je von ihnen Notiz genommen hat. So schien es auch Tedros Adhanom Ghebreyesus zu ergehen. Dann kam die Corona-Krise. Jetzt steht der Mann mit Amtssitz an der Genfer Avenue Appia täglich im Fokus. Der Äthiopier ist Direktor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) – eine Art globaler Daniel Koch, zuständig für das gesundheitliche Wohl von 7,8 Milliarden Menschen.

Als in Wuhan das tödliche Virus wütete, tappte Ghebreyesus wochenlang im Dunkeln. Nachdem er Ende Dezember von China endlich eingeweiht worden war, wiegelte er zwei weitere Monate ab und entwarnte. «Vorläufige Untersuchungen der chinesischen Behörden haben keine eindeutigen Beweise für eine Übertragung des neuartigen Coronavirus (2019-nCoV) von Mensch zu Mensch gefunden», liess er am 14. Januar im Namen der WHO twittern. Nachdem Chinas Staatschef Xi Jinping in Wuhan einen totalen Lockdown verordnet hatte, reiste Ghebreyesus nach Peking, lauschte andächtig Xis Beteuerungen und lobte: Dank «der Geschwindigkeit, dem Ausmass und der Effizienz» seiner Massnahmen habe China «Zeit für die Welt gewonnen».

Längst haben sich Zweifel zur Gewissheit verdichtet, dass China nicht nur zu spät reagierte, sondern eine grossangelegte Vertuschungsstrategie einleitete, warnende Ärzte zum Schweigen oder Verschwinden brachte und so dem Rest der Welt wertvolle Zeit zur Vorbereitung auf die Katastrophe raubte («Was hat China zu verbergen?», Weltwoche Nr. 13/20). Schlimmer noch: Während sich das Virus explosionsartig ausbreitete, liess Chinas kommunistische Regierung Menschen in alle Himmelsrichtungen ausfliegen. Ungefähr sieben Millionen verliessen Wuhan im Januar und trugen das Virus ins Land und in die ganze Welt hinaus, berichtete die New York Times.

 

Mugabe zum Botschafter ernannt

 

Ghebreyesus’ Begeisterung über das chinesische Vorgehen bleibt ungebrochen. Er meinte gar: «Das ist der Vorteil von Chinas System, von dem andere Länder lernen können.» Mitarbeiter und Verbündete des WHO-Direktors erklärten, Ghebreyesus verfolge eine pragmatische Strategie. Als ehemaliger Gesundheits- und Aussenminister Äthiopiens sei sein diplomatisches Fingerspitzengefühl wohl erprobt. Sein Lob für China sorge dafür, dass die Grossmacht weiterhin sensible Daten über die Krankheit austausche.

Ghebreyesus’ Milde im Umgang mit China habe einen anderen Grund, monieren dagegen Kritiker. Peking sei massgebend mitverantwortlich dafür, dass er den einflussreichen Posten überhaupt erst bekommen habe. «Chinesische Diplomaten hatten sich mächtig für den Äthiopier eingesetzt, indem sie Pekings finanziellen Einfluss und das undurchsichtige Hilfsbudget nutzten, um in den Entwicklungsländern Unterstützung für Ghebreyesus aufzubauen», schrieb die Sunday Times nach der Wahl von Ghebreyesus zum WHO-Direktor im Oktober 2017. Und die Washington Post stellte fest: «Ghebreyesus gewann die Wahl trotz weitverbreiteter Vorwürfe, er habe als Gesundheitsminister in Äthiopien drei verschiedene Cholera-Epidemien vertuscht.»

Auch politisch ist Ghebreyesus den Kommunisten in Peking verwandt. Gemäss äthiopischen Medien bekleidete er eine Schlüsselfunktion im ständigen Polit-Ausschuss der Tigray People’s Liberation Front (TPLF), einer kommunistischen revolutionären Partei, die wegen gewalttätiger Aktionen in den neunziger Jahren von der US-Regierung als terroristische Organisation eingestuft worden war. So verweigerte die TPLF der ethnischen Gruppe der Amhara wegen deren Zugehörigkeit zur Oppositionspartei die medizinische Notversorgung. In leitender Funktion damals: Gesundheitsminister Ghebreyesus, dessen Name übersetzt so viel bedeutet wie «Diener Jesu».

Einmal in Genf angekommen, ernannte der neue WHO-Chef Robert Mugabe zum «Botschafter des guten Willens». Der internationale Protest blieb nicht aus. Der Diktator und Massenmörder aus Simbabwe musste sein karitatives Amt wieder aufgeben. Dass es überhaupt zum peinlichen Intermezzo kam, hat offenbar ebenfalls mit Ghebreyesus’ Freunden in Peking zu tun. «Mit der Ernennung [Mugabes] beglich er eine politische Rechnung gegenüber China, einem langjährigen Verbündeten Mugabes», schrieb die Sunday Times, gestützt auf diplomatische Quellen.

Zurück in die Gegenwart. Auch nach dem Lockdown in Wuhan am 23. Januar liess Peking weiterhin chinesische Passagiere ins Ausland fliegen. Als Kritik dagegen laut wurde, gab Ghebreyesus abermals den Papagei Pekings. Am 3. Februar tadelte er US-Präsident Trump, nachdem dieser eine Einreisesperre für Chinesen verhängt hatte. «Es gibt keinen Grund, Massnahmen zu ergreifen, die den internationalen Reise- und Handelsverkehr unnötig behindern.»

Derweil kehrt China zur Normalität zurück und hat Lebendtiermärkte mit Fledermäusen, Pangolinen, Schlangen und mannigfaltig Urwaltgetier wieder geöffnet. Dies, obwohl Virologen genau diese Orte als Brut- und Infektionsstätten für gefährliche Viren identifizieren. «Das bringt mich um den Verstand», sagt Dr. Anthony Fauci, Amerikas Top-Experte für ansteckende Krankheiten. «Macht diese Dinger sofort dicht!» An der Genfer Avenue Appia scheint man damit keine Eile zu haben. Man denke zusammen mit anderen Uno-Zweiggruppen darüber nach, lässt der weltoberste Gesundheitswächter verlauten.

Lob für China: Ghebreyesus mit Xi Jingping.

 

Die im Artikel verwendeten Quellen auf: www.weltwoche.ch/Dokumente

 

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Alex Baur, Redaktor

Kommentare

Hans Georg Lips

15.04.2020|09:30 Uhr

Trump hat recht. Auch wir sollten mit den Zahlungen aufhören bis da wieder Ordnung und nicht Korruption herrscht. Aber mit der Liebedienerei unserer "Verhandler" ist das nicht möglich. Die stopfen jedem das von uns erarbeitete Geld in den Hintern. Mit (unserem) Geld decken die alles zu. Das nennen die Strategie.

Jürg Brechbühl

14.04.2020|19:07 Uhr

@Anne Röthlin, Wozu eine Klick-Funktion? Damit sie feige aus dem Hinterhalt eine "Meinung" haben können, ohne sich mit eigenen Worten exponieren zu müssen? Sind Sie auch so ein konformistischer Langeweiler von Bünzlischweizer?

Hans Baiker

14.04.2020|14:54 Uhr

Wehrlin: Sie haben die Zivilcourage die UNO als islamische und sozialistische Interessenorganisation zu bezeichnen, Gratuliere. Sehe ich auch so. Und Trump ebenfalls.

Hans Baiker

14.04.2020|14:50 Uhr

Die Likes-/Dislikes-Funktion kann manipulativ missbraucht werden und wird auch. Linke Manipulatoren wie der Blick und SRF leben davon. Wer glaubt, etwas beisteuern zu können, der hier schreibt seinen Kommentar, man darf auch auf einen Kommentar eingehen. Gerade die linken Antipoden wie die Mairs kommen nicht zu kurz.

Jürg Wehrlin

12.04.2020|15:41 Uhr

Die WHO ist genauso korrupt, wie das IPCC. Es sind ja beides Unterorganisationen Islamisch/Kommunistischen UNO. @ Anne Röthlin: Dem stimme ich zu, das hatte sie auch einmal - und warum die Kommentarfunktion in der App nicht integriert ist, will man mir auch nicht sagen.

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