Man könnte

Ein Cayenne Turbo sieht nicht spektakulär aus. Er ist eher das leistungsfähige Arbeitstier in der Porsche-Familie.

Der Cayenne Turbo ist vermutlich der unauffälligste Porsche, den man fahren kann. Er ist eher das Arbeitstier als der Feinmotoriker, was übrigens durchaus wörtlich gemeint ist: Das Datenblatt des grossen SUV liest sich zwar wie dasjenige eines Sportwagens, aber die Leistung steckt in einem massiven, geräumigen, geländegängigen Fahrzeug. Von 0 auf 100 km/h braucht der Cayenne nur 3,9 Sekunden. Das ist sehr wenig Zeit für fast 2,2 Tonnen Gewicht. Die Höchstgeschwindigkeit liegt übrigens bei 286 km/h, obwohl ich vermute, dass nur die wenigsten Cayenne-Fahrer ihr Auto jemals so zügig bewegen.

Müssen sie auch gar nicht. Wie die meisten ihre SUVs auch nicht ins Gelände ausführen, wo viele dieser Autos ziemlich aufregende Dinge tun könnten. Aber darum geht es nicht. Es geht erstens darum, dass man es könnte, wenn man nur wollte. Und zweitens gibt einem ein Auto wie der Cayenne ein sehr gutes Gefühl. Er ist äusserst bequem und äusserst schnell im nächsten Moment, er verschafft einem Überblick und vermittelt Sicherheit.

Diesen Winter war ich schon einige Male im Engadin. Den Leuten, die in den Innenstädten gegen den Klimawandel auf die Strasse gehen, ist vermutlich nicht aufgefallen, dass es in den Bergen sehr viel Schnee hat. Das passt zwar nicht zu den Voraussagen der Klimaexperten, ändert aber für die Autofahrer alles. Wenn am Julier ein niederländischer Volvo-Fahrer mit 50 km/h hinaufschleicht, weil ihn die schneebedeckte Strasse schwer verunsichert, bin ich froh, in einem Cayenne Turbo zu sitzen.

Empfehlung: «Sport plus»

Am Lenkrad lässt sich via Drehschalter das Fahrprogramm ändern, in solchen Momenten empfiehlt sich «Sport plus». Ein Blick nach vorn, ein beherzter Tritt aufs Gaspedal, und der Porsche setzt sich mit so viel Nachdruck in Bewegung, dass die Hände besser fest am Lenkrad bleiben. Wobei Schnelligkeit nur die halbe Miete ist, die andere Hälfte bilden das variable Allradsystem und die unerwartete Eleganz, mit der mein weisser Koloss «trittsicher» wieder einlenkt.

Ich hatte während des Wintertests mit dem Cayenne einige solche Momente, die mich jedes Mal wieder mit kindlicher Freude über die Möglichkeiten der Technik erfüllten. Diese sorgen dafür, dass das maximale Drehmoment von 770 Newtonmetern – was sehr viel mechanische Energie ist – über ein ziemlich breites Drehzahlband abgegeben werden kann. Das heisst nichts anderes, als dass man mit dem Cayenne in vielen Situationen noch schnell zu einem Überholmanöver ansetzen kann.

Den Rest der Zeit fuhr ich mit dem Cayenne ganz entspannt durch die Stadt und noch häufiger über Land. Porsche steckt den technischen Aufwand, so scheint es, vor allem ins Fahrvergnügen. Das Ziel war vermutlich, dass das SUV bei seinem Besitzer Sportwagengefühle aufkommen lässt. Dies gelingt tatsächlich besser als bei den meisten Konkurrenten.

 

Porsche Cayenne Turbo
Leistung: 550 PS/404 kW;
Hubraum: 3996 ccm; max.
Drehmoment: 770 Nm bei 1960–4500 U/min;
Höchstgeschwindigkeit: 286 km/h;
Beschleunigung 0–100 km/h: 3,9 sec (mit Sport Chrono-Paket);
Verbrauch (EU-Norm): 11,7–11,9 l / 100 km;
Preis: Fr. 203 060.–

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