Kindheitserinnerungen

Warum sich der Alfa Romeo Stelvio mit zwei Klassikern aus den siebziger und achtziger Jahren messen lassen muss.

Zu den wichtigsten Autos meiner Kindheit gehörten zwei Alfa-Romeo-Modelle, die beide schon etwas Patina angesetzt hatten, deren italienische Seele aber immer etwas Besonderes war. Eine Zeitlang waren wir in einem Alfasud in Kanarienvogelgelb unterwegs, der sich dann schnell als etwas unpraktisch erwies und ein kleines Rostproblem hatte. Auf das Coupé folgte eine silberne, viertürige Giulietta, die ausreichend Stil und Platz in einem kompakten Fahrzeug vereinigte. Heute sind diese beiden Modelle aus den siebziger und achtziger Jahren Klassiker des Automobilbaus.

Im weitesten Sinn gelten diese Attribute auch für den Alfa Romeo, den ich letzte Woche in der Garage hatte: Der Stelvio ist das erste SUV der italienischen Marke mit dem «Cuore Sportivo», dem Sportlerherzen. Und an diesem Werbeversprechen muss sich das Allrad-fahrzeug messen – und an meinen Kindheitserinnerungen natürlich auch.

Die äussere Hülle des Stelvio mit ihren schönen Rundungen und der klaren, schlichten Form ist vermutlich mit ein Grund, dass das SUV 2018 1814-mal in der Schweiz verkauft wurde – ein sehr schöner Erfolg für eine Marke, die im Gesamtmarkt eher als Nischenanbieter angesehen werden muss. Im Innern des Bestsellers setzt sich fort, was aussen begonnen hatte. Man hat weniger das Gefühl, in einem Kraftfahrzeug zu sitzen als vielmehr in einer italienisch designten Wohnlandschaft mit milchschokoladenfarbenen Ledersesseln, Echtholzintarsien und viel gutem Stil in fast jedem Detail.

Sicherer Tritt

Das Sport Utility Vehicle, benannt nach einem Pass im Südtirol (Passo dello Stelvio), ist mit dem Allradsystem Q4 ausgestattet, das für sicheren Tritt auch auf unsicherem Untergrund sorgt. Zusammen mit dem 280-PS-Benzinmotor handelt es sich um einen ebenso leistungsstarken wie souveränen Antriebsstrang. Geschaltet wird über eine Acht-Gang-Automatik. Über einen Drehschalter verändert sich die Fahrdynamik des Wagens schneller, als man «Alfa Romeo» sagen kann. Die drei Modi heissen «Dynamic», «Natural» sowie «Advanced Efficiency» (abgekürzt: DNA).

Für dynamische «Alfisti» wird der Stelvio überraschend einfach zum Sportwagen. Ein Dreh nach oben, und schon klingt der Motor kerniger, spricht schneller an, Lenkung und Bremsen reagieren empfindlicher, und jetzt machen auch die riesigen, wohlgeformten Schaltpaddles am Lenkrad plötzlich Sinn. Der Stelvio liegt hervorragend in der Kurve, lässt sich präzise steuern und spurtet wenn nötig in 5,7 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h.

Ich fuhr den Allrad-Alfa aber nur ab und zu als Sportwagen. In der übrigen Zeit war er vor allem ein sehr gelungener Begleiter durch alltägliche Autofahrerbedürfnisse. Dort überzeugt das SUV mit so unscheinbaren, aber entscheidenden Details wie Lenkradheizung oder einem Abstandstempomaten, der auch im Stadtverkehr fehlerfrei arbeitet. Das natürlich konnten die Alfas meiner Kindheit nicht bieten.

 

Alfa Romeo Stelvio 2.0 Turbo Q4
Leistung: 280 PS / 206 kW;
Hubraum: 1995 ccm; max.
Drehmoment: 400 Nm (bei 2250 U/min);
Verbrauch (EU-Norm): 7,9–8,0 l / 100 km;
Beschleunigung 0–100 km/h: 5,7 sec;
Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h;
Preis: Fr. 61 500.–

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Kommentare

Markus Spycher

15.02.2019|10:29 Uhr

Kindheitserinnerungen: Ich möchte keine Schleichwerbung machen, aber in der Sekundarschule hatten wir mal einen Lehrer-Stellvertreter, der, wenn er nicht gerade Schule gab, seine Zeit als Militärpilot verbrachte. Und der erzählte uns Jungs einmal beiläufig, dass - wenn genug Erspartes beisammen ist - für ihn, wie für die Mehrheit seiner Pilotenkollegen, der Moment gekommen sei, eine weisslackierte Giulietta zu bestellen.

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