«Das Spendenvolumen hat sich seit 2012 verzehnfacht»

Als Philanthropie-Chefin der UBS unterstützt Phyllis Costanza mit einem Teil der Gelder von Kunden gemeinnützige Projekte auf der ganzen Welt – auch in der Schweiz. Die US-Amerikanerin erklärt, wie sie dabei vorgeht und welche Schwerpunkte gesetzt werden.

Über Sinn und Zweck von Entwicklungshilfe wird regelmässig diskutiert. Umstritten ist vor allem die Wirkung der Unterstützung und ob das Geld auch am richtigen Ort ankommt oder einfach verpufft. Seit zwanzig Jahren bietet die UBS über ihre UBS Optimus Foundation den Kundinnen und Kunden eine Vielzahl von Möglichkeiten, um sich sozial und humanitär zu engagieren. Die gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Zürich setzt sich weltweit, aber auch in der Schweiz für das umfassende Wohl von Kindern und Jugendlichen ein, ermöglicht ihnen den Zugang zum Bildungs- und Gesundheitswesen sowie den Schutz vor Gewalt und sexueller Ausbeutung. Phyllis Costanza ist seit 2011 CEO der UBS Optimus Foundation und seit rund einem Jahr auch Leiterin der Einheit Philanthropy Services, die dem Global Wealth Management angegliedert ist.

Es gibt schon viele Hilfsorganisationen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Warum engagiert sich die UBS in diesem Bereich mit einer eigenen Stiftung?

Phyllis Costanza: Viele unserer vermögenden Kundinnen und Kunden sind philanthropisch veranlagt und möchten mit einem Teil ihres Geldes Gutes tun. Vielfach spendet man Geld, weiss aber nicht genau, was damit passiert. Das ist bei uns anders, 100 Prozent der Spenden unserer Kunden fliessen in Programme, die Kindern zugute kommen, weil UBS alle unsere Kosten deckt. Wir haben eine Strategie und liefern Ergebnisse. Die UBS hat deshalb Ende 1999 die UBS Optimus Foundation gegründet, um den Kunden zu helfen, sich philanthropisch zu engagieren. Mittlerweile blicken wir auf zwanzig erfolgreiche Jahre zurück. Angestossen wurde die Stiftung übrigens von Kunden, die nach sinnvollen und verlässlichen Philanthropie-Investments suchten. Bis heute gibt es meines Wissens keine vergleichbare Kooperation zwischen einer Bank und ihren Kunden.

Wo liegen die Schwerpunkte der Stiftung?

Unser Fokus liegt ganz klar auf Kindern und Jugendlichen. So setzen wir uns für die Verbesserung der Gesundheit, den Zugang zu Bildung und den Schutz der Kinder ein. Dabei schauen wir genau hin, was am besten funktioniert und was es braucht, um ein Problem zu lösen.

Wie gehen Sie da vor?

Unsere Aufgabe ist es, grosse Probleme zu identifizieren und dann innovative Lösungen und Investoren zu suchen und zu finden. Aber uns auch klar abzugrenzen. Ich möchte das Beispiel der Waisenkinder nennen, die ganz besonders verletzlich sind: Weltweit haben mehr als 80 Prozent der Waisen Eltern* – in gewissen Ländern sogar mehr als 90 Prozent. Das ist gemeinhin nicht so bekannt. Diese Kinder wurden verkauft oder verschwanden einfach und sind meistens offiziell tot. Viele von ihnen wissen, dass sie Eltern haben, weil sie erst im Alter von sechs Jahren ins Waisenhaus kamen. Ihre Eltern haben zu viele Kinder und können nicht für alle sorgen. In vielen Waisenhäusern arbeiten Freiwillige, auch aus westlichen Ländern, und leisten einen Kurzeinsatz. Das führt für die ohnehin schon traumatisierten Kinder immer wieder zu neuen, schmerzhaften Trennungen. Solche Projekte unterstützen wir nicht, denn Kinderhandel, sexueller Missbrauch, Unterernährung und fehlende Bildung sind da nicht weit. In Australien und in Grossbritannien sind Freiwilligeneinsätze in solchen Waisenhäusern sogar verboten.

Wie können sich Kunden bei der UBS Optimus Foundation engagieren?

Wir bieten für jeden etwas – vom traditionellen Spender bis hin zum nachhaltig orientierten Anleger. Für Spender stehen mehr als 200 Programme zur Auswahl. Wir gehen aber auch auf individuelle Kundenbedürfnisse ein: von der Analyse des Problems bis zur Kontrolle von Projekten, von der Strategieentwicklung bis zum Aufbau von Kapazitäten vor Ort. Ein Beispiel hierfür ist das Bildungsprogramm Teaching at the Right Level (TaRL, dt. «Auf dem richtigen Niveau lehren»). Es handelt sich dabei um einen pädagogischen Ansatz, der Kindern hilft, Grundfähigkeiten im Lesen und Rechnen zu erwerben. Die Schüler werden nicht nach ihrem Alter, sondern nach ihren Bedürfnissen in Gruppen aufgeteilt. Das Programm wurde von Esther Duflo, die in diesem Jahr den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt, und ihrem Team am Massachusetts Institute of Technology (MIT) ausgewertet.

Welche Möglichkeiten finden sich für Anleger, die sich für nachhaltige Investments interessieren?

Für solche Investoren bieten wir Social-Finance-Lösungen an, die vorrangig auf soziale Wirkung abzielen, die Tilgung des investierten Kapitals garantieren und potenziell eine Rendite erbringen, die in neue philanthropische Programme investiert werden kann. In diesem Bereich bieten wir sogenannte Development Impact Bonds (DIBs) und Social Success Notes an, wobei wir mit geprüften und für gut befundenen NGOs zusammenarbeiten und ihnen Kredite gewähren. Ein Beispiel ist der im September 2018 eingeführte Quality Education India DIB, der grösste seiner Art, mit dem wir Programme zur Verbesserung des Unterrichts an 600 Schulen mit mehr als 100 000 Schülern im Alter von fünf bis elf Jahren finanzieren. Das Modell basiert auf einem vorgängigen Pilotprojekt, dem weltweit ersten DIB im Bildungsbereich. 2015 stellten wir als Social Investor die Ausgangsfinanzierung für «Educate Girls» bereit, um Mädchen eine Schulbildung zu ermöglichen und die Bildung im Rajasthan zu verbessern. Dank dem DIB konnte Educate Girls über 7000 Kinder erreichen, die nun 166 Schulen in 140 Dörfern besuchen.

Wie funktionieren solche Development Impact Bonds und Social Success Notes?

Social-Finance-Lösungen ergänzen die traditionelle Finanzierung und stellen eine neue Form dar, Investitionen des Privatsektors zur Finanzierung von Entwicklungsprogrammen zu ermöglichen, die sich zu 100 Prozent auf messbare Auswirkungen konzentrieren. Im Vergleich zur herkömmlichen Finanzierung sind DIBs sehr interessant, da sie das Risiko auf Investoren übertragen, die das Betriebskapital für die durchführenden Organisationen vor Ort bereitstellen. Nur wenn die Leistungsindikatoren erfüllt sind, leisten die Ergebniszahler ihren Beitrag. Die Resultate werden von unabhängigen Stellen überprüft, wobei die zu erfüllenden Parameter im Voraus festgelegt werden.

Wie lange wird ein Projekt von der UBS Optimus Foundation unterstützt?

Im Minimum bleiben wir drei Jahre dabei. Weniger lang bringt nicht viel, da sich ja der Erfolg nicht von heute auf morgen einstellt. In Einzelfällen läuft unsere Unterstützung über zehn Jahre. Wichtig ist, dass wir nie der grösste Partner sein wollen, damit keine Abhängigkeit von uns entsteht. Jedes Projekt muss nach unserem Rückzug ohne die UBS Optimus Foundation weiterbestehen können.

Welche Rendite erhalten die Kundinnen und Kunden?

Im Vordergrund steht immer die soziale Rendite. Eine Rendite im herkömmlichen Sinn, einen direkten Gewinn wie bei traditionellen Anlagevehikeln, gibt es bei Social-Finance-Instrumenten nicht. Auszahlungen erfolgen nicht, sondern es kommt bei guten Resultaten zu Wiederinvestitionen in andere Philanthropie-Projekte.

Wie informieren Sie die Kunden über die Projekte?

Die Spender erhalten von uns Berichte, damit sie sehen, welche Resultate wir erzielen. Auch Philanthropen wollen und sollen wissen, was mit ihrem Geld geschieht. Wir nehmen Kunden aber auch mit zu Projekten, die von uns unterstützt werden, damit sie sich vor Ort und aus erster Hand ein Bild ihres Engagements machen können. Zum Beispiel nach Liberia, Indien oder Südafrika.

Wer sind Ihre Kunden?

Weltweit arbeitet die UBS Optimus Foundation mit rund 3000 UBS-Kunden zusammen. Das sind grundsätzlich wohlhabende Personen, denen die Philanthropie am Herzen liegt und die sich oft sehr grosszügig engagieren. Gerade Schweizer Kunden sind sehr breit investiert und zeigen grosses Interesse an unserer Stiftung. Im Jahr 2012 hatten wir 10 Millionen Franken an Spenden und Gaben zur Verfügung, 2018 waren es schon 65 Millionen Franken, und für das kommende Jahr peilen wir 100 Millionen Franken an. Neu steht die UBS Optimus Foundation auch Firmen offen.

Wo sind Sie überall tätig?

Wir starteten in der Schweiz, dann kamen gemeinnützige Organisationen in Deutschland und Grossbritannien dazu. Heute sind wir auch in den USA, in Hongkong und China präsent, und bald werden wir eine gemeinnützige Organisation in Singapur und in naher Zukunft auch in Indien haben. In China zählen wir mittlerweile zu den grössten Investoren im philanthropischen Bereich. Derzeit unterstützen wir NGOs in über zwanzig Ländern. Jedes einzelne von uns unterstützte Projekt wird von einem Expertenteam geprüft und ausgewählt. In der Schweiz unterstützen wir fünfzehn Projekte. Zwei davon liegen mir besonders am Herzen: ein Programm zur Unterstützung der Palliativpflege, das unheilbar kranken Kindern das Leben verlängert und den Familien hilft, besser mit der Situation fertig zu werden, und ein Programm in Genf, wo wir mit arbeitslosen Jugendlichen zusammenarbeiten.

 

* www.bbc.com/news/business-43698073

Phyllis Costanza war vor dem Eintritt in die UBS Senior Executive der Children’s Investment Fund Foundation (CIFF) in Grossbritannien. Zuvor war sie Beraterin von Mario Cuomo, dem ehemaligen Gouverneur des Staates New York, und in dieser Funktion für strategische und politische Fragen zuständig.

www.ubs.com/philanthropy

 


 

Development Impact Bonds

Development Impact Bonds (DIBs) sind Finanzierungen, die vollständig auf Ergebnisse ausgerichtet sind. Dabei sind Zahlungen von den erzielten Ergebnissen abhängig, so dass mehr Mittel in Programme fliessen, die funktionieren. Der Social Investor bezahlt im Voraus die Kosten einer Intervention, die anhand klarer, vorher festgelegter Kennzahlen bewertet wird. Werden die Ziele erreicht, leistet der Outcome Payer an den Social Investor nach Massgabe des Erfolgs eine Zahlung, die erneut in wirkungsvolle Entwicklungsprogramme investiert wird. Als Anreiz kann ein Teil dieser Erfolgsprämie an die ausführenden Partner oder lokalen NGOs weitergeleitet werden.

 


 

Die UBS verfügt über fundiertes Know-how in der Philanthropie. 1999 gründete die UBS die UBS Optimus Foundation, eine Stiftung für sinnvolle und verlässliche Philanthropie-Investments. Wie diese funktionieren und was darunter zu verstehen ist, erklärt die Expertin der Bank exklusiv für die Weltwoche.

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Alex Baur, Redaktor

Kommentare

Richard Müller

07.12.2019|13:12 Uhr

Bis zum grossen Crash haben die UBS Manager primär in die eigene Tasche gewirtschaftet. Das tun sie noch immer ganz schön beflissen, doch jetzt dürfen auch die NGO ein wenig am Überfluss teilhaben. Auf der Strecke bleiben nach wie vor die Kunden und Aktionäre. Das passt halt zum Zeitgeist, begünstigt die mediale Stimmung und erzeugt positive Schwingungen. Wer es nicht spürt, ist noch nicht reif dafür.

Juerg von Burg

06.12.2019|19:48 Uhr

Schon vor über 30 Jahren war ich als Unternehmer überrascht, dass es Firmen gibt, die einfach Geld raus werfen und wenn ich eine UBS sehe, der Börsenwert ins absolute Minimum sinkt, dann verstehe ich Marktwirtschaft nicht mehr. Der Bankkunde soll die/seine Bank lieben, weil sie Geld verteilt, interessant ;-) . Diese Phyllis Costanza muss echt unheimliche Qualitäten haben ;-), immerhin gratis Werbung in der WEWO ;-) .

Markus Dancer

05.12.2019|13:36 Uhr

Dafür müssen all die kleinen Sparer jetzt bezahlen! Deren Sparstrumpf wird jetzt jedes Jahr um mind. 1% Negativzins kleiner! Ich glaube es ist an der Zeit für eine Revolution u. den Sturm auf die Täter ..!

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