Greta wer?

China will seine kohlebefeuerte Energieproduktion massiv steigern – und zerstört die Hoffnungen leichtgläubiger westlicher Politiker und von Umweltaktivisten.

Eine dunkle Wolke liegt über der Uno-Klimakonferenz COP 25, die in der nächsten Woche in Madrid stattfindet, und das hat nichts mit dem charakteristisch strengen Gesichtsausdruck von Greta Thunberg zu tun. Nein, der wahre Schatten, der über dem jährlichen Aufmarsch von 30 000 Klimadelegierten liegt, ist die Tatsache, dass ihre Bemühungen ganz und gar sinnlos sind. Sie können sich in endlosen Verhandlungen auf noch so viel CO2-Einsparungen verständigen – das Wirtschaftswachstum in China wird die Reduzierungen mehr als wettmachen.

Laut einem Bericht vom Global Energy Monitor zufolge plant China Kohlekraftwerke in einem Umfang, der fast dem gesamten Bestand in der Europäischen Union entspricht. Gemäss dem Bericht sind in China gegenwärtig 149 GW Kohleenergie in Entwicklung. Die EU verfügt über insgesamt 150 GW. Im nächsten Jahr soll die Kohleerzeugung 1100 GW erreichen, und bis 2035 wird ein Ziel von 1400 GW angestrebt, was China zum mit Abstand grössten Kohlekonsumenten der Welt machen würde.

Kohle gilt als «schmutzigster» fossiler Energieträger, weshalb Umweltaktivisten sie am liebsten verbieten würden. Aber selbst wenn morgen jedes europäische Kohlekraftwerk stillgelegt würde – der Ausbau der chinesischen Kohlekapazitäten würde das Defizit rasch ausgleichen. Alle Jobs, die im Westen im Interesse grüner Entwicklungsziele verlorengehen, werden nach China (oder Indien) ausgelagert.

Zu den Opfern des selbstmörderischen Verzichts auf zuverlässige, billige fossile Energieträger zählen tausend Beschäftigte des tschechischen Braunkohleunternehmens Sokolovska Uhelna. Wie in der letzten Woche bekanntgegeben wurde, sollen ihre Arbeitsplätze innerhalb von zwei Jahren gestrichen werden. Entsprechend den EU-Klimazielen will Tschechien bis 2040 sämtliche Kohlekraftwerke stilllegen. Da auf das Land nur 0,18 Prozent der globalen CO2-Emissionen entfallen, wird dieser Schritt keine messbaren Auswirkungen auf die Erderwärmung haben. Aber der Verlust an Arbeitsplätzen wird für spürbare Belastungen sorgen.

Warum ist der Westen bereit, die Menschen in ein solches Elend zu stürzen? (Eine löbliche Ausnahme sind die USA, die unter Trump aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen sind.) Vor allem deswegen, weil er sich die Thesen der globalen Umweltbewegung zu eigen gemacht hat, nach dem es ein menschengemachtes Klimaproblem gebe, das durch konzertierte Massnahmen «gelöst» werden könne, und dass alle Länder der Welt gleichermassen verpflichtet seien, ihren Teil zu diesem Kampf beizutragen.

All diese Behauptungen sind unzutreffend. Nehmen wir nur die letztgenannte These: China hat keinerlei Interesse, dem Beispiel der westlichen Konkurrenten zu folgen und auf erneuerbare Energien zu setzen. Wie ein Bericht der Ökonomin Patricia Adams für den britischen Think-Tank Global Warming Policy Foundation im letzten Jahr bestätigte, hat sich die chinesische Führung für Wirtschaftswachstum und nicht für grüne Symbolpolitik entschieden.

Dieser Bericht wurde jedoch weitgehend ignoriert, nicht zuletzt von gutgläubigen westlichen Medien, aus deren Sicht China eine gute Umweltpolitik betreibt. Anlässlich der Pariser Klimakonferenz 2015 wurde berichtet, dass der chinesische Präsident Xi im Bündnis mit Präsident Obama den weltweiten Kampf gegen den Klimawandel anführe. Ein Jahr später konnte man im Guardian sogar lesen, dass der Kampf gegen den Klimawandel einen «historischen Wendepunkt überschritten» habe, da der Kohlekonsum der Chinesen zurückgehe.

Wut auf Umweltsteuern

Das war natürlich Unsinn. Zweifellos gefiel es den Chinesen, ihre Umweltpolitik in vorteilhaftem Licht darzustellen, denn man hoffte, auf diese Weise mehr Solaranlagen und Windräder in den Westen verkaufen zu können, bei deren Herstellung seltene Erden verwendet werden, die unter absolut gesundheits- und umweltschädlichen Bedingungen gefördert werden. Aber ihre Experimente mit erneuerbaren Energieträgern (die gegenwärtig weniger als 1 Prozent des Stromangebots ausmachen) waren eine heilsame Lehre: Der Staat konnte sich die massiven Subventionen nicht leisten, die Einspeisung in das Stromnetz erwies sich als unzuverlässig. China setzt nun in erster Linie auf Kohle und importiert Öl und Gas in grossem Umfang.

Späteren Historikern wird unsere Zeit als eine Epoche ausgemachten Irrsinns erscheinen: Während der Westen ohne Not beschloss, seine Volkswirtschaften durch sinnlose grüne Energieziele zu schwächen, schwören Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien auf Wachstum. Um die heilige Greta Thunberg wird ein solcher Kult getrieben, dass kaum ein westlicher Politiker die hässliche Wahrheit hören will. Bei den einfachen Leuten, die unter den Folgen zu leiden haben, wächst jedoch die Skepsis. Von den Protesten der französischen Gelbwesten bis zu den Demonstrationen niederländischer Bauern – die öffentliche Meinung wendet sich gegen eine kostspielige Umweltpolitik. Notabene: Der Klimagipfel findet in Madrid statt, weil Chile im letzten Moment absagte. Und warum? Wegen der wütenden Proteste der Bevölkerung, die genug hat von den Umweltsteuern der chilenischen Regierung.

Aus dem Englischen von Matthias Fienbork

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Kommentare

Juerg von Burg

01.12.2019|17:36 Uhr

Es gibt aus naturwissenschaftlicher Sicht die deutlich besseren Argumente, dass es eben keinen menschgemachten Klimawandel gibt und für mich stellt sich die Frage, wer will den um jeden Preis. Meine Lieblingsfrage ist erschreckend einfach: Was wäre das "richtige" Klima, denn darauf gibt es keine Antwort! Wenn Südindien 23 Grad im Jahresschnitt möchte, dann freut sich unser Skination - Skifahren 365 Tage im Jahr in der Schweiz ;-)

Beat Porcellini

01.12.2019|16:52 Uhr

Mit der Digitalisierung und der nanosekunden schnellen Verbreitung jeden Unsinns rund um den Globus leben wir definitiv im Zeitalter der Massenmanipulation. Jedes Individuum denkt - zumindest meistens, die Masse lässt sich leiten, reagiert. Heute sagt man einem Massenphänomen 'Hype'. Turnschuh-Hype (erinnern Sie sich noch, als vor Jahren alle Jungen nur noch Turnschuhe trugen? Jetzt nimmt der Greta-Hype Fahrt auf und wird unsere Zivilisation zugunsten der USA + China + etc aufgeben. S. LeBon: La Psychologie des Masses 1895! Annette Heinisch: Nachtrag zu LeBon (sehr gute Kurzfassung!)

Richard Müller

29.11.2019|16:29 Uhr

China zerstört nicht die Hoffnungen von leichtgläubigen westlichen Politikern und Umweltaktivisten. Diesen eingefleischten Esoterikern kann die Realität nichts anhaben. Die vermeintlichen Opfer sind in Wahrheit Täter. Sie setzen alles daran, unsere Wirtschaft und den Wohlstand schnell und nachhaltig zu vernichten. Von der Presse und unzähligen staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen in die geistige Umnachtung getrieben, wählen die Bürger ihre grössten Gegner auch noch voller Stolz in die Parlamente und Regierungen. Den Chinesen kommt unsere Dekadenz gerade recht.

Jürg Brechbühl

28.11.2019|08:09 Uhr

Irgendwoher muss der Strom ja kommen, mit dem man die LED-Leuchten für die Plasticrentiere und all den anderen Chinaramsch produziert. Und Solarpanels sind auch nur bei uns in Europa "nachhaltig". In China verbrauchen sie erst einmal Strom zur Herstellung.

Marco B

28.11.2019|01:37 Uhr

Nachdem die USA ausgestiegen sind, sind die Europäer die einzigen Dummköpfe auf dieser Welt, die sich die Ruinierung ihrer Industrie und Mangelwirtschaft als Ziel auf die Fahne geschrieben haben. Aber was machen unsere Politiker? Statt sich den Ideologen in den Weg zu stellen, beugen sie sich nach vorne und lassen sich ins Klimaloch ficken. Es ist also nur richtig, wenn wir uns selbst ruinieren, denn wir haben schliesslich auch die dümmsten Politiker, die man in der Galaxie finden kann. Dümmer ist höchstens noch Toastbrot. Aber nur, sofern kein Lachs drauf ist.

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