Unlogische Folgerungen

ETH-Professor Reto Knutti hat meine Darlegungenauf Twitter ins Lächerliche gezogen. Seine Einwände gehen an meinem Thema der prognostischen Unsicherheit vorbei. Sie sind daher bedeutungslos.

Professor Reto Knutti vom Institut für Atmosphäre und Klima der ETH Zürich hat einiges an meinem Artikel «Gespenstische Klimamodelle» (WeltwocheNr. 38/19) auszusetzen. Auf Twitter schreibt er: «Idee von Frank: Abweichungen in den Klimamodellen summieren sich, so dass die Unsicherheiten in den Prognosen immer grösser werden. Taucht zuerst auf 2008, suggeriert absurde Unsicherheiten von 100 0Celsius in Voraussagen. Ozean gefroren, ernsthaft? (2/n)»

Hier macht Knutti in jedem Satz einen Fehler. Im ersten Satz nimmt er fälschlicherweise an, dass prognostische Unsicherheit ein physikalischer Fehler sei. Dem ist nicht so. Im zweiten Satz nimmt er an, dass es sich bei einer Unsicherheit in der Temperatur um eine physikalische Temperatur handelt. Eine ±-15-0Celsius-Unsicherheit in der globalen Temperatur heisst nicht gefrorener oder brodelnder Ozean (gleichzeitig!). Es heisst, dass niemand die korrekte Temperatur weiss. Das isttypisch für die naiven Fehler, die Klima-Modellierer bei der Einschätzung meiner Studie machen. Es sind Anfängerfehler.

Inkompetenz der Rezensenten

Weiter schreibt Knutti: «Es folgen laut Autor 30 Begutachtungen in min. 9 Zeitschriften, die den Artikel ablehnen. Dass alle Gutachter das ablehnen, beweist natürlich, dass alle keine Ahnung haben. Inzwischen ist der Artikel publiziert. (3/n)»

Die Rezensionen und Antworten sind unter https://uploadfiles.io/vyu9e78n einsehbar. Die Inkompetenz der Rezensenten dürfte jedem erfahrenen Wissenschaftler in die Augen springen. Meine wiederholten Einreichungen gereichen den Klimawissenschaftlern nicht zur Ehre. Ihre Kompetenz in der Analyse von physikalischen Fehlern und Unsicherheit in Prognosen ist erschreckend gering.

Knutti schreibt weiter: «Die Fehler sind offensichtlich, und viele Gutachter haben darauf hingewiesen. Die Abweich. in der Klimatologie des Modells sind ziemlich konstant, und summieren sich nicht auf. Schon die Einheiten (W/m2/Jahr) in der Arbeit von Frank sind sinnlos. (4/n)»

Wieder verwechselt Knutti prognostische Unsicherheit mit physikalischen Fehlern. Auch scheint er die Einheiten eines jährlichen Durchschnitts (pro Jahr) nicht zu verstehen.

Er schreibt: «Analoge Behauptung: wenn meine Personenwaage heute 1 kg falsch ist, dann ist sie morgen 2 kg, übermorgen 3 kg falsch, Ende Jahr Hunderte? Nein, sie ist konstant ca. 1 kg falsch, nicht 1 kg/Tag. Und solange ich interessiert bin, ob ich zu- oder abgenommen habe, ist das sogar egal (5/n).»

Abermals verwechselt Knutti Fehler mit Unsicherheit. Er nimmt hier an, dass jeder Fehler bloss eine Konstante ist, dass der Wert des Fehlers bekannt ist und dass der Fehler wegsubtrahiert werden kann. Keine dieser Bedingungen gelten für Klimamodellfehler. Angenommen, Knutti stellt fünf Personen auf eine Waage, die eine ±-1-Kilogramm-Unsicherheit aufweist. Dann wäre das durchschnittliche Gewicht dieser fünf Personen nur bis auf + 2,2 Kilogramm genau zu ermitteln. Das ist grundlegende Unsicherheitsanalyse. Offenbar hat Knutti davon keine Ahnung.

«Fazit: Klimawiss. Unsinn. Aber das Tragische: die @Weltwoche fragt mich vorher nach einer Einschätzung und druckt es dann trotzdem. Sie ist also bereit, mit offensichtlichen falschen Arg. bewusst die Leser irre zu führen, um eine politische Ideologie zu untermauern. (6/6)»

In meinem Aufsatz geht es um prognostische Unsicherheit, nicht um das Klima. Knuttis Schlussfolgerung ist unlogisch. Seine Einwände gehen am Thema prognostische Unsicherheit vorbei. Er lässt keinerlei Verständnis von Unsicherheit erkennen. Das zeigt, dass er etwas kritisiert, von dem er offenkundig keine Ahnung hat.

Die Entscheidung der Weltwoche, meinen Aufsatz abzudrucken, war korrekt. Professor Knuttis Kritik ist bedeutungslos.

Patrick Frank forscht an der Stanford University, USA.

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Kommentare

Brigitte Miller

05.10.2019|14:45 Uhr

"Der Kampf zwischen naivem Wissenschaftsglauben und populärer Wissenschaftskritik." "So wird die Theorie vom menschengemachten Klimawandel neuerdings schon deshalb als Wissenschaft definiert, weil vermeintlich „97 Prozent aller Klimaforscher“ diese Sichtweise unterstützen, oder eben „23 000 Wissenschaftler“ einen Aufruf von Scientists for Future unterschrieben haben." Super Text auf "Cicero" von Frank Lübberding.

Peter Wolff

05.10.2019|01:47 Uhr

„Wer soll einen Troll ernst nehmen, der dem Autor Behauptungen in den Mund legt, Herr Wolff?“: Frank schrieb hier wörtlich: „Auch scheint er die Einheiten eines jährlichen Durchschnitts (pro Jahr) nicht zu verstehen.“ Wie soll man das denn anders verstehen? Aber selbst wenn ich diesen Satz missverstanden haben sollte, schrieb ich nach dem seinerzeitigen Überfliegen seines Aufsatzes im Heft 38, dass ich ihn für eine (Anfänger-)Übung hielte, um (Laien) vom Hauptproblem abzulenken; das Hauptproblem sind die grundsätzlichen Mängel der Standardklimamodelle, insbesondere die Wasserdampfrückkopplung.

Marco B

04.10.2019|19:59 Uhr

Wer soll einen Troll ernst nehmen, der dem Autor Behauptungen in den Mund legt, Herr Wolff? Sie scheinen zu glauben, die Weisheit mit dem grossen Löffel gefressen zu haben, was auch Ihre Webseiten offenbaren. Etwas Philosophie, eine 'Diagonallesung' und schon haben Sie Ihr Fazit, dass nämlich alle ausser Ihnen Trottel seien ... Wer die Materie versteht, ist auch in der Lage, sie einem 'Trottel' verständlich zu vermitteln. Frank kann das immerhin. Bei Ihnen scheint es eher darum zu gehen, dass Sie es besser wissen. Mal seien Gravitationswellen durch G-Felder zu beeinflussen, dann wieder nicht. :)

Juerg von Burg

04.10.2019|18:00 Uhr

Sorry Herr Wolff, wenn Sie im Schnitt 50 kg Fleisch pro Jahr essen, so sind das 50kg/Jahr und nicht 50 kg (das über das Jahr gemittelte Gewicht ist eben nicht ein Gewicht, sondern ein gemitteltes Gewicht pro Zeiteinheit, das ist Statistik. Ihr quasi physikalischer Einheitenramble ist Nebelpetarde). Lesen Sie mal Ihren Beitrag, es ist eigentlich keiner, haben Sie auch substantiell irgend ein Argument?

Peter Wolff

04.10.2019|15:24 Uhr

„Danke Herr Frank“: Nein, mit einem Autor wie Frank macht sich jede Zeitung lächerlich! Wer soll jemanden ernst nehmen, der meint, das übers Jahr gemittelte Gewicht eines Menschen betrage 70 kg/Jahr und nicht 70 kg, auch wenn seine (mittlere) Gewichtszunahme (oder die Fehlerzunahme einer Gewichtsprognose für die Zukunft) bei 5 kg/Jahr liegen mag? Welcher Klimahysteriker hat Frank wohl der WeWo untergejubelt? --- Falsche Freunde sind oft schlimmer als die ärgsten Feinde!

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