Stürmisch zu bescheidenem Wohlstand

Die chinesische Wirtschaft ist immer noch eine wichtige Kraft für den Schweizer Exportmotor, sie wächst aber nicht mehr so schnell wie früher. Wenn China mehr will als bescheidenen Wohlstand, muss es weitere gewaltige Anstrengungen unternehmen.

 

Die Begriffe «China» und «Uhren» sind helle Farbtupfer in der Schweizer Exportstatistik zum August, die viele mit Erleichterung registriert haben dürften. Im Sommer erlitten die Schweizer Exporteure nach dem Juli-Minus den zweiten Dämpfer in Folge, und beide Male wirkten die Uhrenausfuhren sowie die Lieferungen nach China stabilisierend; ihre Werte waren besser als der Durchschnitt. China und Uhren hängen auch sonst eng zusammen, wie die Grafik oben rechts zeigt. Für 4,7 Milliarden Franken wurden 2018 Schweizer Uhren nach China, einschliesslich Hongkong, verkauft, während der zweitgrösste Uhrenabnehmer, die USA, nicht mal auf die Hälfte dieser Summe kam. Betrachtet man die gesamte Wirtschaft, ist die Exportrangfolge mit Deutschland, den USA, China zwar leicht anders, aber China zählt auch da zu den wichtigsten Kräften, die den hiesigen Exportmotor antreiben.

Zur Grafik

Deshalb blicken Konjunkturprofis, Aktienhändler und Firmenchefs immer so nervös auf die Wachstumsstatistiken aus China. Die Grafik unten links zeigt, wie sich die Expansionsrate nach den stürmischen neunziger Jahren und zwei späteren Höhenflügen nun der 6-Prozent-Marke nähert. Chinesische Firmenkäufe im Ausland sind ebenfalls gedämpfter als auch schon. Wachstum ist ganz besonders für das chinesische Volk äusserst wichtig, dessen Bruttoinlandprodukt pro Kopf zwar enorm gestiegen ist (Grafik oben links), im Durchschnitt aber erst einen bescheidenen Wohlstand bedeutet. Die Menschen streben nach mehr, dies erfordert weitere gewaltige Anstrengungen. Klar, es gibt in China Superfirmen, die westliche Konkurrenten in den Schatten stellen (Grafik oben Mitte), aber – wie Wolfram Kuoni auf Seite 29 darlegt – deren Stärke beruht bisweilen weniger auf Technologie als auf der immensen inländischen Kundenbasis mit Hunderten Millionen Nutzern im E-Commerce.

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