Glyphosat ist nützlich

Das rot-grüne Lager fordert ein Verbot des Unkrautvertilgungsmittels Glyphosat. Das brächte nur Kosten. Das Pflanzenschutzmittel ist richtig angewendet eine chemische Allzweckwaffe mit vielen Vorteilen und für Mensch wie Natur harmlos.

Kann ein chemischer Stoff, der Pflanzen absterben lässt, für Menschen so harmlos sein, dass man ihn in der Nahrungsmittelproduktion einsetzen darf? Welche Chemie darf die Landwirtschaft verwenden? In der laufenden Parlamentssession kommen diese Fragen im Nationalrat einmal mehr aufs Tapet im Zusammenhang mit der Forderung, Unkrautvertilgungsmittel mit dem Wirkstoff Glyphosat aus der Schweiz zu verbannen. Eine Motion der grünen Fraktion fordert den Bundesrat auf, ein «Verbot der Anwendung von Glyphosat und glyphosathaltigen Produkten mindestens bis 2022 zu erlassen».

Nicht krebserregend

Laut ihrem Wortführer Balthasar Glättli, Nationalrat der Grünen, zielt man damit vor allem auch auf die ökologische Ausrichtung der Landwirtschaft. Der Widerstand gegen das weltweit bekannte Unkrautpräparat hat eine längere Tradition. Vor allem aus dem rot-grünen Lager kommen immer wieder Forderungen nach einem Glyphosat-Ausstieg, ähnlich wie Voten für Gentechnik-Verbote. In der Pipeline sind zudem die zur Behandlung anstehende Trinkwasser-Initiative und die etwas später folgende Anti-Pestizid-Initiative, die umfassendere Verbote von Pflanzenschutzmitteln fordern. Insgesamt scheint das Durchsetzen umweltpolitischer Positionen und Ziele im Vordergrund zu stehen, weniger das Abwägen von Kosten und Nutzen.

Glättlis Vorstoss wurde 2017 eingereicht. Anlass dafür war damals unter anderem die Ankündigung der französischen Regierung, sie wolle Glyphosat in Frankreich verbieten und sich damit dem toleranteren Kurs der EU-Kommission entgegenstellen. Aus Italien und Österreich tönte es ähnlich. Mittlerweile hat das französische Parlament dieses Vorhaben gestoppt. Die Bauern rund um die Schweiz herum – ausser in Österreich – dürfen heute im Kampf gegen unerwünschte Pflanzen also weiterhin auf die chemische Allzweckwaffe zählen – wobei die deutsche Regierung die Aussichten jüngst auf «negativ ab 2023» gestellt hat.

Was wären denn die Kosten einer Nulltoleranzpolitik? Kurz gesagt: Die Unkrautbekämpfung würde schwieriger und teurer. Die mechanische Bodenbearbeitung müsste intensiviert werden, was gegen gewisse Unkräuter kaum hilft und zudem Bodenerosion und Auswaschung von Nitrat fördern kann. Glyphosat-Präparate sind in der Schweiz wie auch weltweit die am meisten verwendeten Pflanzenschutzmittel. Das Spezielle an Glyphosat ist, dass es breit wirkt, quasi diskriminierungsfrei. Gelangt der Wirkstoff auf Blatt oder Stengel, blockiert dieser bestimmte Eiweiss-bestandteile und damit Stoffwechsel und Wachstum der Pflanze. Die Wurzeln sind nicht betroffen. Für viele mag es schwierig vorstellbar sein, dass ein Unkrautvertilgungsmittel seine Tödlichkeit gegenüber Pflanzen nicht auch gegenüber Menschen zur Wirkung bringt, wenn es in Feld und Garten zu Kulturpflege und Pflanzenschutz eingesetzt wird. Aber wie ist es mit Maikäfern, Heuschrecken oder Buchsbaumzünslern? Sie fressen Pflanzen, tun aber den Menschen nichts.

Die Eigenschaften von Glyphosat passen ins Bild: Wenn der Wirkstoff in den Boden gelangt, wird er relativ rasch, innert Wochen, abgebaut, er wird nur geringfügig ins Grundwasser ausgewaschen und verdampft auch kaum in die Luft.

Dennoch streiten Fachleute und Interessenvertreter über die Harmlosigkeit der Substanz für die Menschen. 2015 schreckte die Internationale Agentur für Krebsforschung (Iarc) das Publikum auf mit einer Studie und dem Befund, dass Glyphosat «wahrscheinlich krebserregend» für den Menschen sei. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit sowie die Europäische Chemikalienagentur führten anschliessend neue Studien durch und kamen unter Berücksichtigung bestimmter Dosierungen und Anfälligkeiten zum Schluss, die Substanz sei nicht krebserregend.

Täglich 655 Kilogramm Brot

Der Alarm blieb aber im Raum, und in der Schweiz schaute der Bund unter dem Druck der Politik die mögliche Belastung durch Glyphosat genauer an. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) nahm Lebensmittelproben im Detailhandel und prüfte sie auf unwillkommene Rückstände. Von 243 Proben waren laut den Angaben 60 Prozent glyphosatfrei, und beim Rest waren die gemessenen Rückstände unbedenklich. Man fand die Substanz vor allem in importierten Gütern wie Teigwaren oder Wein, da die Glyphosat-Anwendung im Ausland bis kurz vor der Ernte gestattet ist – dies im Gegensatz zur Schweiz.

Pointiert kann man sagen: Das Glyphosat in den Lebensmitteln wird primär importiert. Aber die Konzentrationen sind so gering, dass eine erwachsene Person zum Beispiel täglich 72 Kilogramm Teigwaren, 655 Kilogramm Brot oder 1600 Liter Wein konsumieren müsste, um eine gesundheitsschädigende Dosis zu erhalten. Zudem hat die kürzlich veröffentlichte Untersuchung über die Trinkwasserqualität in der Schweiz gezeigt, dass Glyphosat-Rückstände im Wasser sehr selten sind. Alles in allem kann man sagen: Das Glyphosat in der Schweiz zu verbieten, würde nichts ändern an der Belastung in Nahrungsmitteln, an den Rückständen im Trinkwasser und an den gesundheitlichen Risiken für die Menschen. Und dieser Nullertrag würde erkauft durch Mehrkosten und Umständlichkeiten in der Landwirtschaft.

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Kommentare

Brigitte Miller

16.09.2019|10:25 Uhr

Hans Georg Lips: anderer Wohnort, andere Verhältnisse, warum? Hier: Mücken, Fliegen, Bienen , Wespen, Käfer aller Art in Hülle und Fülle.

Jürgen Althoff

14.09.2019|00:37 Uhr

In den USA hat die Environmental Protection Agency EPA das Glyphosat kürzlich von jeglichem Krebsverdacht freigesprochen und den (linksgrünen) Staat Kalifornien angewiesen, innert einer vorgegebenen Frist alle vom Staat geforderten sachlich falschen Warnhinweise auf Glyphosatprodukten entfernen zu lassen. Damit sind sich in diesem Punkt die entsprechenden Behörden von etwa 160 Staaten in ihrer Beurteilung einig. Nicht lernwillige Politiker in Deutschland - z. B. CSU und Grüne - kämpfen dennoch weiter gegen Glyphosat. Aber Fakten zählen in Deutschland ja schon lange nicht mehr.

Hans Georg Lips

13.09.2019|14:05 Uhr

@Brechbühl: Sie mögen teilweise recht haben. Die Windschnittigkeit der Autos, von Designern erarbeitet, hat sich aber total geändert mit der Verbreitung der SUV. Ich fahre sowohl als auch. Bei keinem der beiden Autos gibt es flach gedrückte Fliegen. Ich war heute eine Stunde Lesen am Waldrand, weitab von Strassen. Während einer Stunde: kein Vogel, kein Gesang, 1 grössere Libelle, 1 Schmetterling. Ihr Argument ist mir zu wenig. Weiteres Nachdenken ist nötig.

Jürg Brechbühl

13.09.2019|04:43 Uhr

@Patrick Greter Es kommt eigentlich nur darauf an, wie viel Ertrag Sie haben wollen. Sie unterstellen zudem den Bauern, dass diese zu blöd sind, um nachzurechnen, wie viel Geld sie der bösen Agrochemie in den Rachen stopfen wollen.

Patrick Greter

12.09.2019|18:22 Uhr

Eigentlich könnte auf die meisten Agrochemieprodukte verzichtet werden. Es gibt genug andere Möglichkeiten. Nur ist es ein Multimilliarden Geschäft und wo Geld liegt ...

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