Mal Monster, mal gutmütiger Riese

Der Aston Martin DBS Superleggera ist zwar nicht besonders leicht, aber unglaublich stark.

Mein erster Gedanke ist: «Ich sitze in einem wohlgeformten Monster.» Dann drücke ich den pulsierend rot aufleuchtenden Startknopf in der Mittelkonsole und entfessle die Höllenmaschine unter der edel weinrot lackierten Motorhaube. 725 PS oder 900 Newtonmeter leistet das neue Flaggschiff des legendären britischen Sportwagenherstellers Aston Martin. Der DBS Superleggera – ich komme auf diese Bezeichnung gleich noch zu sprechen – ist der Traum jedes Autoreisenden, ein eleganter, kraftvoller Gran Turismo, der von der Landstrasse bis zur Rennstrecke jedes Terrain beherrscht.

Es ist nicht der erste DBS in der langen, ereignisreichen Aston-Martin-Geschichte, James Bond fuhr schon Autos dieses Namens. Die Bezeichnung «Superleggera» (superleicht) hingegen ist nicht so einfach zu erklären; an den 72 Kilogramm weniger Gewicht, die der neue DBS im Vergleich mit dem Grundmodell DB11 auf die Waage bringt, kann es nicht liegen. Tatsächlich erinnert Superleggera an legendäre Leichtbauwagen des italienischen Produzenten Touring aus den sechziger Jahren. Der heutige DBS wiegt mit Fahrer und Flüssigkeiten allerdings über 1800 Kilogramm, das fällt zwar angesichts der üppigen Leistung sprichwörtlich kaum ins Gewicht, ist aber dennoch eine ordentliche Masse.

Denn auch wenn er es zweifellos kann, der DBS Superleggera ist für die grosse Ausfahrt gedacht, nicht für schnelle Rundenzeiten. Die Kabine ist üppig mit Leder ausgekleidet, ein Bang & Olufsen-Soundsystem mit ausfahrbaren Hochtönern auf dem Armaturenträger sorgt für wohlklingende Unterhaltung, und bei Bedarf kann auf den hinteren Notsitzen auch Gepäck deponiert werden.

Während ich die ersten Meter fahre und die Vereinigung von Mensch und Maschine anstrebe, grollt böse vor mir der Motor, ein Geniestreich der Ingenieurskunst: zwölf Zylinder, 5,2 Liter Hubraum, zwei Turbos, 340 km/h Spitzengeschwindigkeit und ein Sprintwert von 3,4 Sekunden bei der Beschleunigung von 0 auf 100 km/h sind nur einige der messbaren Fakten des britischen Maschinenbaus.

Meine Fahrt mit dem Aston Martin geht über Land, kleine Passstrassen – und bald stelle ich fest, dass der DBS tatsächlich ein Monster sein kann, aber wahlweise auch ein gutmütiger Riese. Die beiden trennt ein dünner Firnis, der je nach Gaspedalstellung schnell aufplatzt. Solange ich den Super-GT wohldosiert fahre, ist er fast schon bequem und überaus souverän. Gehe ich aber zu forsch in die Kurve, braucht es beide Hände am Lenkrad, um das lebendige Heck stabil zu halten. Denn die ganze Kraft des Motors wird über die Hinterräder auf die Strasse gebracht, eine Differenzialsperre hilft, die schiere Gewalt zu bändigen.

Im kleinen Feld der leistungsstarken GTs wie Bentley Continental, Ferrari GTC4 Lusso oder Rolls-Royce Wraith fällt der Aston Martin DBS Superleggera durch diese Kombination von Reisefahrzeug und Supersportwagen auf. Den Briten gelingt der fast unmögliche Kompromiss ausgezeichnet – mal Monster, mal gutmütiger Riese.

 

Aston Martin DBS Superleggera
Leistung: 725 PS /533 kW, Hubraum: 5204 ccm
Max. Drehmoment: 900 Nm bei 1800 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 340 km/h
Beschleunigung 0–100 km/h: 3,4 sec
Verbrauch: 12,4 l /100 km (NEFZ)
Preis: ab Fr. 308 900.–

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Kommentare

Markus Spycher

05.09.2019|21:19 Uhr

Nun ja, 12,4 Liter/100 km sind ja nicht gerade der Traum eines jeden Autoreisenden, aber meiner Putzfee (ok, sie putzt nicht nur bei mir), die auch einen Aston Martin fährt, ist das schnurzegal.

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