«Bergbau ist ein Wachstumsmotor»

Wie beurteilt die kolumbianische Regierung die Präsenz von Rohstofffirmen wie Glencore in ihrem Land? Ein Gespräch mit der Vizeministerin für Bergbau.

Frau Vizeministerin, wie nachhaltig ist die Kohleförderung in Kolumbien?

Unsere Kohle wird auf sehr nachhaltige Weise gefördert. Wir haben hohe Umweltstandards, beispielsweise was die Luftreinheit rund um die Förderung betrifft. In den letzten Jahren gab es auch grosse Fortschritte in Menschenrechts- und sozialen Fragen.

Zu den Tätigkeiten von Glencore im Departement Cesar: Hält sich die Firma an die Regeln?

Hundertprozentig. In manchen Aspekten geht sie sogar darüber hinaus.

Wo beobachten Sie dies?

Sie legen Wert darauf, über Gemeinschaftsprojekte eine immer engere Beziehung zu den gesellschaftlichen Gruppen in ihrer Umgebung aufzubauen. Sie bemühen sich, ihre Arbeitskräfte lokal zu rekrutieren und zur sozialen Nachhaltigkeit sowie zur Entwicklung in den Ortschaften beizutragen. Und sie arbeiten daran, für den Zeitpunkt der Schliessung der Minen Alternativen zu finden.

Wie tragen solche Investitionen internationaler Rohstofffirmen zur nachhaltigen Entwicklung des Landes bei?

Im gesamten Bergbausektor sind die Auslandsinvestitionen eine treibende Kraft für die Entwicklung der Förderung. Die grossen Firmen, welche 80 Prozent der Kohle fördern, sind allesamt ausländisch, aus Europa oder Nordamerika. Sie bringen höchste Standards in diese Aktivität, von denen auch kolumbianische Minenbetreiber lernen können.

Wie man hört, geht das Interesse europäischer und nordamerikanischer Player am Kohleabbau zurück.

Die Firmen legen eine grosse Entschlossenheit an den Tag, die begonnenen Projekte weiterzuführen. Aber man weiss, dass manche dieser Firmen aus Gründen der Unternehmenspolitik nach anderen Rohstoffen Ausschau halten. Es gibt allerdings schon Investoren aus anderen Ländern, die sich für die Kohle interessieren.

Vor allem aus China?

In der Vergangenheit hatten wir mehr Interesse von Seiten japanischer Firmen. Manche sind sogar schon in Kohleprojekte involviert und schauen sich neue Möglichkeiten an.

Was tut die Regierung gegen den illegalen Bergbau, der ein grosses Problem ist?

Viel Bergbau findet auf althergebrachte Weise und ausserhalb unseres Rechtsrahmens statt, vor allem beim Gold. Unsere Regierung versucht mit hoher Priorität, die betroffenen Personen in die Legalität zu begleiten und sie zu unterstützen, damit sie sich an die Standards halten, die wir im Bergbau haben wollen. Dann gibt es aber auch Akteure, die bewusst auf die Illegalität setzen. Solche Informationen leiten wir den Strafverfolgungsbehörden weiter, damit sie gezielt dagegen vorgehen können.

Beim Gold ist die Nachverfolgbarkeit des Ursprungs ein grosses Thema.

Was das betrifft, arbeiten wir mit der OECD zusammen. Wir haben deren Leitsätze für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht zur Förderung verantwortungsvoller Lieferketten für Mineralien unterzeichnet.

Einige der weltweit bedeutendsten Goldraffinerien sind in der Schweiz.

Sie haben ein grosses Interesse daran, zu wissen, woher das Gold kommt, das sie einkaufen. Unsere Botschaft an sie lautet: «Macht eine sehr umfassende Due Diligence bei dem Gold, das ihr kauft.»

Im Nachbarland Peru hat sich der Bergbau in den letzten zwanzig Jahren sehr dynamisch entwickelt. Kann das auch ein Rezept für Kolumbien sein?

Ja. Darum versuchen wir, unsere Rohstoffexporte zu diversifizieren. In dieser Weltgegend sind wir dasjenige Land, das sein Potenzial am meisten verkennt. Dies auf unserer Geschichte des bewaffneten Konflikts und der geografischen Gegebenheiten. Kolumbien hat eine sehr hohe Biodiversität und viele ethnische Gemeinschaften. Das macht den Bergbau, gerade in den Anden, etwas herausfordernd. Aber wir glauben, dass es ein grosses Potenzial gibt, und arbeiten daran, dieses zu erschliessen.

Ist Kolumbien für Auslandsinvestitionen in diesem Bereich attraktiv?

Nicht nur in diesem Bereich. Unsere Demokratie ist stabil, wir haben eine Marktwirtschaft mit sehr guten makroökonomischen Grunddaten für Direktinvestitionen. Zudem achten wir die Eigentumsrechte ausländischer Investoren. Unsere Regierung hat ein grosses Interesse daran, dass man das Potenzial des Bergbaus als Motor für das Wachstum freisetzt. Es ist ein wichtiger Wirtschaftszweig, der viele Ressourcen schafft, qualitativ hochstehende Arbeitsplätze in den Regionen und Entwicklung.

 

Die Fragen stellte Florian Schwab

Carolina Rojas ist die für den Bergbau zuständige Vizeministerin in der konservativen Regierung von Präsident Iván Duque.

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