Spott für grüne Vielflieger

Das Image der Klimabewegung leidet. Über den Opportunismus gewisser Politiker und Prominenter kann man nur lachen.

Zur Über-Euphorie rund um den Klimaaktivismus gesellten sich in den vergangenen Wochen vermehrt Negativschlagzeilen. Anfang August sorgten die «114 Privatjets» für Häme, mit denen Stars und Tech-Giganten zur Klimakonferenz auf Sizilien anreisten, um zwischen Häppchen und Champagner über globale Erwärmung zu sprechen. Immerhin setzte Prinz Harry dort ein grünes Zeichen: Er hielt seine Rede barfuss. Barfuss. So viel Engagement, ich bekomme Gänsehaut.

Wenig später fand Bild.de heraus, dass in Deutschland ausgerechnet die grünen Abgeordneten die Vielflieger des Bundestags sind. Pro Kopf fliegen sie am häufigsten. Nun ist es halt so, dass die Glaubwürdigkeit leidet, wenn du auf der einen Seite in Aktivismus verfällst, Steuern erheben und Verbote implementieren willst, den Leuten permanent erzählst, was sie bei sich verbessern und wie sie ihr Leben gestalten sollen – dann aber auf der anderen Seite mehr fliegst als alle anderen. Dem Handwerker seinen Diesel verbieten und als Politiker, der solche Verbote durchdrückt, um die Welt jetten, wie man gerade Lust hat; da ist es nicht verwunderlich, dass Leute sich ärgern und frustriert sind. Natürlich kann man jetzt als Grüner entgegnen, Flüge aufrechnen sei blöd, man setze sich ja für das grosse Ganze ein – ja, klar. Man kann auch sagen: «Aber wir bestellen im Flieger immer das Vegi-Menü. Ausserdem hat das Flugverhalten von unseren paar Abgeordneten keinen grossen Impact. Viel wichtiger ist, dass alle anderen nicht fliegen.»

Und dann titelte vergangene Woche Taz.de: «Gretas Törn schädlicher als Flug». Man hat berechnet, dass der Segeltörn der berühmten Klimaaktivistin nach New York mindestens sechs Flüge über den Atlantik verursache. Würde sie fliegen, wäre die Reise klimafreundlicher. Welt.de rechnete noch die vielen Freiwilligen und Medienvertreter auf, die zu Gretas Aufbruch nach Plymouth gereist sind, das Material für die Rennjacht wurde angeschleppt, eine Support-Crew war da, beim Ablegen halfen Boote mit Elektroantrieb, es wurden extra Flaggen gedruckt und so weiter. Und dann ist da noch Pierre Casiraghi von Monaco, der Skipper. Der Teamgründer der «Malizia II» ist Mehrheitsaktionär der Fluggesellschaft Monacair, die den reicheren Menschen auf dieser Welt Helikopterflüge anbietet, damit sie geschwind auf eine Jacht oder vom Flughafen in ihre Villa gelangen können. So ein Heli-Flug ist wirklich praktisch – unpraktischerweise verursachen zwanzig Minuten Flug einen CO2-Ausstoss von rund zweihundert Kilogramm (Welt.de). Aber egal: Gretas Törn ist für Casiraghi zweifellos eine gelungene PR-Aktion.

Greta aber jetzt für den Lifestyle ihrer Segelkumpane zu kritisieren oder sie für ihre nicht mehr klimaneutrale Reise verantwortlich zu machen, ist falsch. Natürlich, sie setzt sich medienwirksam für ihre Sache in Szene, will ernst genommen werden. Und wenn sie ernst genommen werden will, muss sie sich gewisses Nachfragen oder Kritik gefallen lassen. Und sachliche Kritik geht ja auch in Ordnung. Eine idealistische Sechzehnjährige aber «Göre» zu nennen, wie einige es tun, und auf ihr rumzuhacken, finde ich dumm. Denn ganz grundsätzlich: Was Greta da macht, ist gut. Im Gegensatz zu vielen anderen Aktivisten ist sie authentisch, sie lebt vor, woran sie appelliert und was Umweltbewusstsein für sie bedeutet. Sie ist ein engagiertes Mädel, das sich für einen für uns alle wichtigen Zweck einsetzt. Umwelt- und Klimafragen zählen zu den drängendsten Problemen der heutigen Zeit. Und dass wir zu wenig Sorge für unseren Planeten tragen, ist augenscheinlich. Ganze Regenwälder abholzen, unglaubliche Mengen an CO2 in die Luft jagen – das führt langfristig in die Katastrophe. Um das zu erkennen, muss man kein Klimaexperte sein.

Greta und ihre Segelfahrt zeigen eben auf, dass es nicht einfach ist, mal kurz klimaneutral nach New York zu reisen. Das Problem ist auch nicht Greta, sondern der Hype der Medien, der um sie veranstaltet wird. Die Bericht-erstattung mutiert teilweise zum grotesken Schlagzeilen-Auswurf, wie dieser Tweet der DPA zeigt: «Greta Thunberg sorgt sich vor Atlantik-Überfahrt nicht um ihren Magen.» Welchen News-Wert das hat, bleibt unklar. Eine Berichterstattung, die jeden ihrer Gedanken zur Schlagzeile hochstilisiert, ist absurd – statt des tausendsten Greta-Artikels wären Recherchen und Analysen zu aktuellen globalen Umweltprogrammen und -aktivitäten sinnvoller.

Die gewaltige Unvereinbarkeit von Grünen und Vielfliegerei, von Promi-Klimarettern und Privatjets sorgt zu Recht für Spott. Dass ausgerechnet die Partei, die am meisten Panik schiebt, am meisten fliegt, wäre die perfekte Pointe für jede Comedy-Show (ausser natürlich in Deutschland, wo man auch dafür noch Ausreden findet). Die Doppelmoral all jener anprangern, die als grüne Vorreiter vorpreschen, flugtechnisch dann aber die schlechteste CO2-Bilanz vorweisen, sollte aber möglich sein, ohne dass man gleich als Klimaleugner oder Ewiggestriger dasteht.

Ich bin übrigens überzeugt, dass die Hälfte aller Meetings von Politikern, Geschäftsleuten, VIPs und Klimakonferenzlern ganz einfach via Skype bestritten werden könnte, ohne dass man jedes Mal persönlich vor Ort sein müsste. Dazu braucht es allerdings ein kleines Opfer: Man sollte sich selbst nicht zu wichtig nehmen.

 

Tamara Wernli, Video-Bloggerin, lebt bei Basel.Aktuelles Video auf www.weltwoche.ch

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Kommentare

Heidi Cervantes

26.08.2019|16:00 Uhr

Was - absichtlich oder unabsichtlich - nicht erwähnt wurde: Greta plant, nach der Konferenz in New York während mehreren Monat durch die US und Südamerika zu reisen, um andere Gruppen und Aktivisten zu besuchen. Über das Transportmittel für ihre Rückreise ist nichts bekannt, weil sie es wahrscheinlich noch nicht weiss. Sie wird dann wohl ein Containerschiff oder eine andere Yacht finden, wo sie mitreisen kann. Im Übrigen hat Frau Wernli Recht: bei sehr vielen Konferenzen müssten die Teilnehmer nicht persönlich anwesend sein - aber ein "Reisli" wird halt immer gern gemacht.

Richard Müller

25.08.2019|10:36 Uhr

Für einmal muss ich Ihnen, Frau Wernli, ganz klar widersprechen: Was Greta macht, ist grundsätzlich nicht gut. Das ahnungslose Kind spielt mit grossem Ehrgeiz die Hauptrolle in einer ganz miesen Marketingaktion. Greta zementiert die grosse CO2-Lüge der Klimahysteriker. Das CO2 spielt für unser Klima keine signifikante Rolle. Das Spurengas ist nur politisch höchst attraktiv, da man mit ihm jede Schandtat rechtfertigen kann. Natürlich müssen wir zur Umwelt Sorge trage. Doch was klimahysterisch zur Zeit abgeht, ist der Gipfel menschlicher Dummheit. Greta ist leider voll dabei.

Juerg von Burg

24.08.2019|20:01 Uhr

Irgendwie schade, dass das jemanden interessiert.

Brigitte Miller

23.08.2019|08:27 Uhr

Nach der Beschreibung im Buch "Szenen aus dem Herzen" Untertitel " unser Leben für das Klima", ist die Klima-Panik von Greta durch die Berichterstattung entstanden und das sich Einsetzen für das Klima wurde dannzu einer Art Therapie gegen ihre Depressionen. Als Person mit Asperger Syndrom fixiert sie sich nun vollkommen auf das Thema. Wie Sie sagen, Frau Wernli, ihr sind tatsächlich keinerlei Vorwürfe zu machen, aber vielen anderen , die sie benutzen für ihre Zwecke.

Marco B

21.08.2019|22:17 Uhr

"Auf ihr rumzuhacken, finde ich dumm." Dass diese Pippilotta der fata-morgana-Panik auf Dreckschleudern um die Welt schifft und jettet, ist massenpsychologisches Kalkül. Statt den Hype an sich zu hinterfragen und abzulehnen, fangen die Leute an, genau in die Diskussion einzusteigen, die beabsichtigt ist: Welches denn nun das "klimafreundlichste Transportmittel" sei und ob die Klimaapostel nicht auch mit Wasser kochen. Und schon sind Sie in der Falle drin und diese Frage dominiert den öffentlichen Diskurs: "Was darf ich noch?" DAS, mit Verlaub, ist dumm. Und Sie sind voll in die Falle getappt.

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