Bettelbrief der Sozialdemokraten

Rosmarie Khalil fühlt sich von der SP Schweiz rassistisch diskriminiert. Sie sei nur deshalb um eine Spende gebeten worden, weil sie einen «exotischen Namen» trage.

Ironisch nennt sie es eine «verflixte Freundlichkeit», worauf sie erbost anmerkt: «Dieser weinerliche Bettelbrief hätte mir erspart bleiben können.» Rosmarie Khalil (Name geändert) ist 75-jährig und sieht sich nicht als Opfer eines Enkeltricks, wie ihn die Juso schon anwandten, um an Unterschriften für die 99-Prozent-Initiative zu kommen (Weltwoche Nr. 8/19). Vielmehr stört es sie, dass sie «wohl wegen meines exotischen Namens» von der SP Schweiz zur Kasse gebeten wurde. «Das ist unerhört», ärgert sie sich. «Die halten mich für einen eingebürgerten Asylanten.»

Khalil ist vor Jahren aus der Deutschschweiz ins Tessin gezogen, wo sie mit ihrem Mann in einem Mehrfamilienhaus wohnt und erfolgreich ein kleines Unternehmen führt. Seit bald vierzig Jahren ist sie verheiratet; ebenso lange trägt sie einen arabischen Nachnamen. Ihr Ehemann ist ursprünglich Ägypter, dessen Eltern sich 1959 entschieden, in die Schweiz auszuwandern. «Die Familie meines Mannes wollte nicht unter Gamal Abdel Nasser in Kairo weiterleben», sagt Rosmarie Khalil. Seit den siebziger Jahren besitze ihr Mann die Schweizer Staatsbürgerschaft.

Voradressierter Einzahlungsschein

SP-Präsident Christian Levrat hat den Brief an Khalil unterzeichnet. Er begründet den Spendenaufruf mit den kommenden eidgenössischen Wahlen. Es seien die «wichtigsten meiner Präsidentschaft», denn es gelte, der rechten Mehrheit im Nationalrat ein Ende zu setzen. «Leider» aber, so Levrat, sei für eine wirkungsvolle Kampagne, die «absolut notwendig» sei, «nicht genügend Geld vorhanden» – ein Nachteil verglichen mit der Ratsrechten. Diese verfüge über «enorme finanzielle Ressourcen», erhalte sie doch Spenden in Millionenhöhe von «Grosskonzernen und Milliardären». Levrat kämpferisch: «Wir wollen die Wahlen im Interesse der gesamten Bevölkerung gewinnen.» Er hat sich deshalb erlaubt, Rosmarie Khalil einen voradressierten Einzahlungsschein beizulegen.

Wir konfrontieren die SP Schweiz mit den Vorwürfen von Rosmarie Khalil. Mediensprecher Nicolas Haesler will von gezielten Spendenanfragen nichts wissen: «Wir verwenden keine Herkunftsnamen oder sonstige ethnografische Merkmale als Selektionskriterien.» Die SP finanziere sich «fast ausschliesslich» durch Mitgliederbeiträge sowie Klein- und Kleinstspenden von Privatpersonen – «im Gegensatz zu den bürgerlichen Parteien», wie er anfügt. «Zum Zwecke der Kampagnenfinanzierung versendet die SP Schweiz regelmässig Spendenaufrufe an Mitglieder, Spender*innen und Sympathisierende.»

«Niemand hat diesen Wisch erhalten»

Rosmarie Khalil lacht, als sie die Erklärungen hört. «Die SP liegt weit entfernt von unseren Lebensvorstellungen», sagt sie. Eine Sympathisantin der Partei sei sie mit Sicherheit nicht und schon gar keine Spenderin. Khalil hält an ihrem Vorwurf fest und fragt: «Wie kann es sein, dass von zwölf Parteien, darunter Anwälte, Richter und Bankmitarbeiter, nur ich angeschrieben wurde?» Alle übrigen Bewohner des Hauses hätten Tessiner Namen, bis auf einen Amerikaner, dessen Name allerdings auch unauffällig sei.

Tatsächlich bestätigen mehrere Nachbarn auf Anfrage der Weltwoche, sie hätten keinen Spendenaufruf erhalten, darunter auch der Amerikaner. Rosmarie Khalil versichert: «Wir wohnen da seit dreissig Jahren. Niemand hat diesen Wisch erhalten – alle lachten, als ich davon erzählte.» Und wie sieht es mit ihrem Mann aus? Wurde er auch angeschrieben? Rosmarie Khalil sagt, ohne zu zögern: «Ja, er auch – also nur wir beide.»

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Kommentare

Marcel Egli

15.08.2019|18:54 Uhr

Es reicht allmählich, das Gejammer der Linken wegen zu wenig Geld. Man hat es doch sehr einfach. Über die Gewerkschaften, welche mit dem Arbeitgeberverband eine einmalige Lösung gefunden haben, dass auch die rechtsgerichteten Arbeitnehmer einen Solidaritätsbeitrag an die Linken zahlen müssen, hat man Millionen für den Wahlkampf zur Verfügung. Ausserdem hat die SP mit den Grünen die SRG unterwandert und die Medien sowie die Schulen fast vollständig unter deren Kontrolle. Dann noch auf diese Art dem Bürger das Geld aus der Tasche ziehen, Pfui.

Markus Dancer

15.08.2019|14:13 Uhr

Sind solche Geld "Fishing" Operationen in der CH nicht verboten??

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