Mikrokosmos Passstrasse

Der Porsche GT3 ist seit zwanzig Jahren ganz vorne dabei, wenn man kompromisslos schnell sein möchte.

Die Frage nach dem besten Sportwagen zieht natürlich so viele Antworten nach sich, wie es Leute gibt, die eine Meinung dazu haben. Trotzdem habe ich bei einer Kurzumfrage bei befreundeten Autotesterkollegen einen gemeinsamen Nenner gefunden: Am häufigsten genannt wurde der Porsche GT3. Denn wir sprechen nicht von PS-Monstern oder sogenannten Hypercars, sondern von Alltagssportautos.

Der GT3 hat, seit es ihn gibt, drei unverkennbare Charaktereigenschaften: Sechszylinder-Boxer-Saugmotor, Heckantrieb und ein Heckspoiler, so gross wie ein Stehpult im Grossraumbüro. Im Gegensatz zum GT3 RS (Weltwoche Nr. 42/18) ist der normale GT3 nicht nur günstiger, sondern auch etwas weniger ausladend, was die Karosserieform anbelangt, und das Fahrwerk ist etwas angenehmer auf Alltagsanforderungen abgestimmt.

Kürzlich konnte ich alle drei Generationen des Porsche-Alltags-Rennwagens hintereinander auf Schweizer Alpenpässen fahren: ab Andermatt über den Gotthard, Nufenen, Grimsel, Susten und wieder zurück nach Andermatt. Es gibt vermutlich keine besseren Strecken für ein solches Auto. Von der Rennstrecke natürlich einmal abgesehen, aber ich persönlich finde ja Rennstrecken etwas langweilig.

Windjacken und Wohnwagenanhänger

Zwar musste ich kurz an meiner eigenen Meinung zweifeln, als ein 125er-Scooter mit Berner Kennzeichen und einem Fahrer in Windjacke mir das Überholen für einige Minuten verunmöglichte. Und warum bloss sollte man mit einem Wohnwagenanhänger mit 45 km/h eine Passstrasse hinaufkriechen wollen? Oder was bringt einen dazu, mitten in einer Landstrasse sein Motorrad abzustellen und vom Mittelstreifen aus ein Foto von der Aussicht zu machen? Passstrassen sind ein faszinierender Mikrokosmos menschlicher Verhaltensauffälligkeiten.

Aber zurück zum Kern dieser Kolumne: Der beste GT3 ist natürlich das letzte Modell, das aus der Baureihe 991, und es zeigt auch, warum dies einer der besten alltagstauglichen Sportwagen überhaupt ist. Während bei Turbomotoren um 7000 U/min in der Regel Schluss ist, beginnt beim 500-PS-Aggregat des Porsches dort erst die Musik zu spielen. Und weil der Saugmotor bis 9000 Umdrehungen leisten kann, hat man eigentlich nie zu wenig Kraft, was gerade am Berg natürlich vorteilhaft ist. Eine Grundsatzentscheidung ist die Wahl zwischen Handschaltung und Doppelkupplungsgetriebe (PDK). Ich empfehle Letzteres, weil es angenehmer und schneller ist.

Was der GT3 vermutlich besser kann als die meisten Sportwagen dieses Kalibers, ist – besonders bei der letzten Generation – die sofortige Herstellung einer Direktverbindung zwischen Mensch und Maschine. Man setzt sich rein, startet mit einem bedrohlichen Donnergrollen den Motor und weiss schon nach den ersten Kurven, dass hier alles passt. Dass der Wagen genau das macht, was man sich vorgenommen hat, bevor man um die Ecke biegen wollte.

 

Porsche 911 GT3 (Typ 991)
Leistung: 500 PS/368 kW, Hubraum: 3996 ccm;
max. Drehmoment: 460 Nm bei 6000 U/min;

Höchstgeschwindigkeit (PDK): 320 km/h; Beschleunigung
0–100 km/h: 3,4 sec; Verbrauch: 12,7 l/100 km; Ocassionen
ab ca. Fr. 152 416; neu ab Fr. 198 000.– (in Deutschland)

Lesen Sie auch

Diese Frauen machen die Schweiz reicher

Sie leiten den riesigen Apparat einer Grossbank, trotzen amerikanischen Wir...

Von Florian Schwab

Todeswunsch der US-Demokraten

Die Demokraten wollen Präsident Trump aus den Angeln heben. Bisher sin...

Von Hansrudolf Kamer
Jetzt anmelden & lesen

Kommentare

Die News des Tages aus anderer Sicht.

Montag bis Donnerstag
ab 16 Uhr 30

Ihr Light-Login-Zugang ist abgelaufen. Bitte machen Sie das Abonnement hier