Reiche Schweiz, arme Schweiz

Die Schweiz ist ein grossartiges Land. Und gefährlich werden können der Schweiz nur die Schweizer.

Nein, die Schweiz ist kein Auslaufmodell. Sie muss auch nicht neu erfunden werden.

Die Schweiz ist in mancherlei Hinsicht die Verwirklichung dessen, was die meisten Menschen ersehnen, aber nicht haben: Frieden, Freiheit, Demokratie, Wohlfahrt, auch in sozialer Hinsicht, eine intakte Umwelt und Volksrechte, die den Bürgerinnen und Bürgern mehr Macht in die Hand geben als in jedem anderen Land der Welt.

Die Schweizer seien, schrieb Jean-Jacques Rousseau in seinem Klassiker «Gesellschaftsvertrag» bereits 1762, aufgrund ihrer Volksrechte «le peuple le plus heureux du monde», das glücklichste Volk der Welt.

Auf diesen Grundlagen hat sich die Schweiz, von Natur aus mausarm, ohne Bodenschätze, Kolonien und Meeranstoss, zu einem globalen, weithin bewunderten Sehnsuchtsort entwickelt. Die drei Staatssäulen der direkten Demokratie, des machtzertrümmernden Föderalismus und der immerwährenden bewaffneten Neutralität haben die Schweiz stark, reich und erfolgreich gemacht.

Solange die Schweiz die Schweiz bleibt, hat sie nichts zu befürchten. Sie ist für die Zukunft bestens aufgestellt.

Stichwort Digitalisierung: Sie bringt mehr Transparenz und Macht für Konsumenten und Bürger. Mit der direkten Demokratie hat die Schweiz diese Entwicklung institutionell vorweggenommen.

Stichwort Bürgernähe: In vielen repräsentativen Demokratien beklagen die Leute die Abgehobenheit der Politik. Das schweizerische Modell sichert die weltweit grösste Nähe zwischen Staat und Bürger.

Stichwort Realpolitik: Nach dem Ende des Kalten Kriegs kehrt die multipolare Machtpolitik zurück. Alle gegen alle. Die neutrale Schweiz bleibt in einem aufgepeitschten Ozean eine Insel relativer Ruhe und Vernunft. Neutralität heisst: Weltoffenheit, mit allen im Gespräch bleiben.

Stichwort Fehlkonstruktion: Der Glaube an möglichst grossräumige politische Gebilde zerfällt. Die Leute lechzen nach der Überschaubarkeit begrenzter staatlicher Gebiete. Grenzen begrenzen Macht. Ohne Grenzen gibt es keine Demokratie und keinen Rechtsstaat. Die Schweiz macht vor, wie es funktioniert.

Stichwort Multikulti: Die Schweiz ist ein Musterbeispiel gelebter, nicht verkopfter, am Reissbrett konstruierter, aufgezwungener Multikulturalität. Unterschiedliche Sprachgruppen, Mentalitäten und Konfessionen leben hier seit Jahrhunderten einvernehmlich miteinander. Warum? Weil man sich gegenseitig in Ruhe lässt. Die Schweiz ist auch eine Mahnung gegen den Integrations- und Identitätsfimmel im Gefolge der Völkerwanderung. Leben und leben lassen.

Stichwort Ökologie: Die Schweiz hat eine vielbewunderte schöne Naturlandschaft, weil die Schweizerinnen und Schweizer selber Sorge dazu tragen und die Umwelt pflegen, aber ohne Massenpanik, Sektierertum und pseudoreligiöse Weltbeglückungstheorien. Die Bauern, unter Beschuss von Ökomoralisten, sind Umweltpraktiker seit Jahrhunderten. Die Aktivisten, die selbstbetrunken den radikalen Systemumbau fordern, sollten emissionsarme Produkte der lokalen Landwirtschaft einkaufen. Das brächte mehr als fruchtlose Appelle des Verzichts, an die sie sich nicht mal selber halten.

Jede Generation hat die Aufgabe, diese Schweiz zu verteidigen, die Grundlagen des Wohlstands zu hegen in einem Land, in dem der Wohlstand nie selbstverständlich, nie naturgegeben war. Daraus folgt logisch zwingend: Weder die EU noch Trump, weder die Chinesen noch Putin können der Schweiz gefährlich werden. Gefährlich werden können der Schweiz nur die Schweizer. Wenn sie die Schweiz preisgeben, fallenlassen.

Leichtsinn und Grössenrausch sind Gift. Die Schweizer sind nicht die besseren Menschen, sie haben nur das bessere System. Wohlstandsverblendung, Dekadenz, das Fieber des Übermuts, aus der kleinen Schweiz heraus die Welt retten zu wollen: Das «Unbehagen im Kleinstaat» greift immer dann um sich, wenn es den Schweizern zu gut geht, wenn sie sich den Luxus glauben erlauben zu können, nicht mehr über die Wurzeln ihres fragilen Wohlstands nachzudenken.

Im Hochgefühl der planetarischen Mission, zusammen mit einer Greta Thunberg den Weltuntergang abzuwenden, kommt vielen Schweizern, nicht nur in der Politik, das Augenmass abhanden. Man sonnt sich in der eigenen Vorzüglichkeit, der eigenen Gutmenschlichkeit, die einen moralisch emporhebt. Was es kostet, was es bringt, wer es zahlt –

who cares?

Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel sagte: «Wir schaffen das.» Viele Schweizer Politiker scheinen im Wahljahr zu sagen: «Wir schaffen alles», immer mehr Steuern und Abgaben, Staatsaufblähung, Weltklimarettung, Stimmabstinenz, Massenzuwanderung, steigende Erwerbslosigkeit, Nichtumsetzung von Volksentscheiden, immer mehr Asylanten, ein EU-Rahmenvertrag, der die Schweiz zu einem Untertanengebiet der EU machen würde.

Wer keine Sorgen hat, muss sich Katastrophen einbilden. Der bittere Ernst der Klima-Einpeitscher spiegelt den Unernst der Zeit.

Noch nie gingen in der Schweiz so viele Menschen auf die Strasse fürs Klima. Noch nie sind in der Schweiz so viele Menschen in die Ferien geflogen.

Die gleichen Leute, die Vaterschaftsurlaub fordern, weil die Kleinkinder angeblich die Nähe ihrer Eltern brauchen, fordern immer mehr und immer frühere Krippen, um die Kinder möglichst rasch von ihren Eltern zu trennen.

Wer glaubt, sich alles leisten zu können, wird verarmen. Die schlechtesten Entscheidungen fallen im scheinbaren Überfluss.

Die Schweiz, über Generationen aufgebaut, ist ein grossartiges, aber verwundbares Land. Wann merken es die Schweizer?

Lesen Sie auch

Einer von uns?

Prinz Andrew, Lieblingssohn der Queen, sorgt wieder für Unruhe: Sein N...

Von Julie Burchill
Jetzt anmelden & lesen

One of us?

Prince Andrew once again haunts the Royal Family. If the Windsors turn out ...

By Julie Burchill

Kommentare

Rainer Selk

31.07.2019|13:36 Uhr

Fall Frankfurt: Jetzt kommt Stück für Stück heraus, dass die "gelungene Integration" dieses Mannes in der CH Risse bekommt. Der Mann sei arbeitsam, aber sehr verschwiegen. Er grüsste die Nachbarn kaum + spricht offensichtlich doch nicht so gut Deutsch, wie es anfänglich hiess. Seine Kinder wären auch nicht gerade mit Höflichkeit aufgefallen, wie Nachbarn sagen. Das linksverschmierte Bild bricht zusammen. Was mich verärgert, ist das Schweigen unserer Medien. So geht es nicht. Es muss alles auf den Tisch des sog. 'integrationsaltars'. Der Mann stand angebl. vor der Einbürgerung, so, so!

Yvonne Flückiger

25.07.2019|08:58 Uhr

Die Geschichte hat immer und immer wieder gezeigt, dass alle Grossreiche über kurz oder lang zusammenbrachen. In der EU kracht und knackt es auch schon lange im Gebälke. Die Beschleunigung und der Ausbau des Unsinns, (Seawatch, Klimahype, "korrekte" Sprache, Massenmigration) sollen vermutlich davon ablenken. Der Schweiz sei dringend geraten, an ihrem "alten" Rezept festzuhalten und "aussen vor" zu bleiben. Dieses Rezept hat sich schon im WWI und WWII bewährt. Kleinheit bedeutet eben auch Überschaubarkeit und Flexibilität.

Jean Ackermann

24.07.2019|22:11 Uhr

Die Lage der Nation kann man, als Momentaufnahme, nicht jetziger, präziser und charmanter umschreiben. Man kann nur hoffen, dass es so bleibt. Für die Zukunft, die einzige Hoffnung die uns bleibt, auf Wunder zu hoffen, und wenn sie dann wirklich eintreten, kann man nicht recht glauben, dass es sie wirklich gibt.

Rainer Selk

24.07.2019|19:17 Uhr

Was mir zunehmend fehlt, ist die innere Wehrhaftigkeit (nicht einmal militärisch gemeint). Das Hinterfragen von Spinnerei + Wunschdenken ist gemeint, samt sachlichem Diskurs, der leider immer mehr abhandenkommt und einem 'polit.-in-die-Ecke' stellen weicht, in Richtung Oberflächlichkeit, Gleichgültigkeit, Beliebigkeit + Egoismus mit sektiererischen Extremdenken, wie es das z. Zt. der Inquisition gab, gestützt durch den 'Hexenhammer' + spätere Ablassbriefe (wenn die Münzen in dem Kasten klingt, die Seele in den Himmel schwingt). Der neue 'Hammer' ist das CO2-Zertifikat! Sagenhaft! Und das 2019!

Die News des Tages aus anderer Sicht.

Montag bis Donnerstag
ab 16 Uhr 30

Ihr Light-Login-Zugang ist abgelaufen. Bitte machen Sie das Abonnement hier