Volkswägelchen

Auch den Kleinwagen VW up! gibt es mit dem prestigeträchtigen GTI-Label. Ist er so sportlich, wie versprochen wird?

Ist ein VW up! mit dem Label «GTI» nur ein kleiner Gernegross, oder kann der «sportlichste up! aller Zeiten» (VW-Eigenlob) halten, was das prestigeträchtige Label «GTI» verspricht? Dies war die entscheidende Frage, die sich mir bei Antritt der ersten Fahrt mit dem flotten Kleinwagen aus Wolfsburg stellte. Der dynamische up! ist eine gute Mischung aus etwas sportlicherer Hardware und Softfaktoren, die den Reiz der Geschwindigkeit eher darstellen als tatsächlich technisch unterstützen.

Auf der Hardware-Seite gibt es ein gestrafftes, 15 Millimeter tiefer gelegtes, ziemlich straffes Fahrwerk, sportliche 17-Zoll-Felgen, einen prominenten Dachspoiler und immerhin 115 PS aus einem 3-Zylinder-Turboaggregat, die auf rund 1100 Kilo Fahrzeuggewicht treffen. Damit schafft es der kleine GTI in 8,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h, was sich bei einem kleinen, leichten Auto wie diesem ziemlich flott anfühlt. Trotzdem sind das natürlich keine Werte, mit denen man «die Strasse aufreissen» kann, wie es ein Autofreund ausdrückt. Das Getriebe wird dabei über eine 6-Gang-Handschaltung bedient, die Kraft kommt über die Vorderräder auf die Strasse.

Herz und Hirn

Zu den Softfaktoren gehören die Sitze im klassischen GTI-Karomuster, die zwar sportlich aussehen, aber etwas wenig Seitenhalt bieten. Das Lenkrad ist griffig und unten abgeflacht – auch das passt zum sportlichen Auftritt. Dass ein Soundgenerator den Motor im Fahrzeuginnern überraschend voll und breitbrüstig klingen lässt, gehört heute buchstäblich zum guten Ton. Das ist zwar ein technisches Bubentricklein, aber immerhin gut gemacht – und in einer Zeit, wo man seinen Computer mit einem Frauennamen ansprechen kann und Antwort von einer weiblichen Stimme bekommt, sollte man den technischen Fortschritt in der Akustik grundsätzlich begrüssen.

Apropos Fortschritt: Ein fest installiertes Navigationssystem gibt es nicht mehr, stattdessen eine Halterung auf dem Armaturenträger, in der man sein Smartphone anbringt und via App den richtigen Weg findet oder Informationen zum Fahrzeug abrufen kann.

Wenn ich eine Garage mit, sagen wir, drei bis vier Autos füllen könnte, wäre auf jeden Fall ein Kleinwagen wie dieser dabei. So ein up! hat einen besonderen Charme, dem man sich nur schwer entziehen kann, finde ich. Für den urbanen Alltag, wie er sich mir präsentiert, ist das flotte Volkswägelchen jedenfalls ideal: kleiner Wendekreis, keine Parkplatzprobleme, geringer Verbrauch, und im kleinen Gepäckfach ist immerhin Platz für etwa vier Einkaufstaschen oder zwei Getränkeharassen – je nach Vorliebe. Und sobald man die Stadtgrenze hinter sich gelassen hat, sind mit dem up! höchst vergnügliche Fahrten über Land möglich.

Fazit: Der up! schafft es ziemlich gut, GTI-Gefühle aufkommen zu lassen. Das straffe Fahrwerk, der Motorenklang, die fast schon legendären karierten Sitze – hier wird geschickt an Herz und Hirn des Fahrers gleichermassen appelliert.


VW up! GTI
Leistung: 115 PS / 85 kW, Hubraum: 999 ccm;
max. Drehmoment: 200 Nm (ab 2000 U/min);
Höchstgeschwindigkeit: 196 km/h; Beschleunigung 0–100 km/h: 9,9 sec;
Verbrauch (EU-Norm): 4,7 l / 100 km;
Preis: Fr. 19 800.–, Testauto: Fr. 21 787.–

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