Sehen, was ist

Der batteriebetriebene Hyundai Kona hat einen grossen Vorteil gegenüber anderen Elektrofahrzeugen: die Reichweitenanzeige.

Als die Personal Computer in unserem Berufsstand Einzug hielten, musste man schnell ein wichtiges Prinzip lernen: «What you see is what you get» (WYSIWYG), es bedeutet in etwa «sehen, was ist». Und das war deshalb von Bedeutung, weil die meisten Systeme bis dahin Artikel nicht darstellen konnten, wie sie später in der Zeitung aussehen würden. Plötzlich aber waren die Anzeigen realitätsnah.

So ähnlich verhält es sich mit den Reichweitenangaben in Elektroautos. In vielen Modellen, die ich bisher getestet habe, unterliegen die Angaben starken sprunghaften Schwankungen. Die Fahrzeugcomputer analysieren Fahrstil, vergangene Fahrten, Aussentemperatur und selbst Navigationsdaten, was zu teilweise irritierend mäandrierenden Ergebnissen führen kann.

Das ist unangenehm, weil der grösste Unterschied zwischen batterie- und benzinbetriebenen Fahrzeugen immer noch darin besteht, dass Strom weniger gut und schnell verfügbar ist als fossile Treibstoffe. Da sollte man sich nichts vormachen: Wer Elektroauto fahren will, wofür es gute Gründe gibt, muss besser planen und je nach Strecke Ladestopps einberechnen. Es geht insgesamt eher um ein Mobilitätskonzept als um ein blosses motorisiertes Fortbewegungsmittel.

Solide Vertrauensbasis

Als ich mit dem Hyundai Kona electric unterwegs war, zeigte sich sehr schnell, dass es keine Gründe für eine Furcht vor schnell abfallender Reichweite gibt. Vollgeladen kommt der Kona gemäss Anzeige 465 Kilometer weit, und wenn man sich an die in der Schweiz geltenden Höchstgeschwindigkeiten hält, kommt man problemlos über 400 Kilometer weit mit einer Ladung. Das ist eine ziemlich gute Leistung, welche viele Konkurrenzmodelle nur auf dem Papier erreichen.

Dabei ist der Kona ein gefälliges Fahrzeug, das mit 204 PS Leistung und etwas über 1800 Kilogramm Gewicht eine gute Balance aufweist. Es mag leistungsfähigere, luxuriösere E-Autos geben; sie sind aber oft viel zu schwer, was sich vor allem bei Autobahnfahrten negativ auf die Reichweite auswirkt. Der Innenraum des Kona ist eher schlicht als futuristisch: mit viel Hartplastik und einem Bediensystem, das eher konventionell wirkt, aber durchs Band funktional ist. Ausbaufähig ist die Integration von Lademöglichkeiten in das Navigationssystem, hier bleibt Marktleader Tesla führend.

Auf einer Tour an den Thunersee und wieder zurück nach Zürich baue ich eine solide Vertrauensbasis zum Kona auf. Die rund 300 Kilometer hätte ich problemlos geschafft, aber eine Mittagsrast in Deitingen Nord verbinde ich mit einer Ladepause. Erfahrene Elektroautofahrer wissen, es ist empfehlenswert, bei jeder Gelegenheit die Batterie aufzuladen, als sie ganz leer werden zu lassen. Das alles funktioniert beim Kona störungsfrei und reicht, um sich von dem Auto elektrisieren zu lassen.

 

Hyundai Kona electric
Motor: Elektromotor (Wechselstrom); Batterie: 64,0 kW
Leistung: 204 PS /150 kW; Max. Drehmoment: 395 Nm Max.
Reichweite: 470 kmVerbrauch (WLTP): 15,2 kWh / 100 km
Höchstgeschwindigkeit: 167 km/h;
Preis: Fr. 46 990.–, Testfahrzeug: Fr. 52 200.–

Lesen Sie auch

Verbotene Sehnsucht

Ein russischer Starpianist, verheiratet mit der Tochter eines einflussreich...

Von Pia Reinacher
Jetzt anmelden & lesen

Welt ohne Beatles

Mit der Musik-Komödie «Yesterday» über den Zeitgeist ...

Von Wolfram Knorr
Jetzt anmelden & lesen

Kommentare

Die News des Tages aus anderer Sicht.

Montag bis Donnerstag
ab 16 Uhr 30

Ihr Light-Login-Zugang ist abgelaufen. Bitte machen Sie das Abonnement hier