Männer im Geschlechterkampf

Der SRG-Ombudsmann rügt Roger Schawinski ausgerechnet dann, wenn es keinen Grund dazu gibt.

Schawinski-Gegner frohlockten. Der umstrittene Talkmaster wurde vom SRG-Ombudsmann Roger Blum für sein Interview mit der Prostituierten und Sex-Unternehmerin Salomé Balthus gerügt. «Schawinski verletzte Menschenwürde von Talkgast Balthus», titelten die Online-Portale. Einige Kommentatoren sahen bereits das Ende des 73-jährigen Moderators gekommen. Doch ausgerechnet in diesem Fall gibt es nichts, was man Roger Schawinski vorwerfen könnte.

Schawinski hatte während des Interviews Salomé Balthus nach ihrem prominenten Vater gefragt. So weit, so gut. Gleich darauf spielte der Moderator eine Aussage der Feminismus-Ikone Alice Schwarzer ein, wonach ein Grossteil der sogenannt freiwilligen Prostituierten in ihrer Kindheit missbraucht worden seien. Also fragte Schawinski seine Gesprächspartnerin, ob dies bei ihr auch der Fall gewesen sei.

Balthus reagierte souverän, als sei sie auf diese Frage vorbereitet gewesen: «Ich nehme an, wenn ich jetzt nein sage, was ich tue, kommt bestimmt als Nächstes jemand, der behauptet, ich hätte es verdrängt.» Auch der restliche Verlauf der Sendung liess nicht darauf schliessen, dass Balthus durch diese Frage in ihrer «Menschenwürde» verletzt worden sei. Niemand wäre überhaupt auf die Idee gekommen, dass hier etwas nicht korrekt hätte gelaufen sein können, hätte danach Balthus nicht in einer Online-Kolumne auf Welt.de geschrieben, Schawinski habe sie vor laufender Kamera gefragt, ob ihr Vater sie misshandelt hatte. Dies habe sie stark verletzt, sie habe sogar das Flugzeug verpasst nach der Sendung.

Da diese Frage in der Sendung nachweislich nicht gestellt worden war, wurde die Kolumne nach einer Intervention Schawinskis gelöscht, Balthus als Autorin abgesetzt.

Mann gegen Frau

Viele Kommentatorinnen sahen in dem Vorgang ein Anschauungsbeispiel für den tief verankerten Sexismus in unserer Gesellschaft: Ein Mann vergeht sich an einer Frau, danach wird nicht etwa der Täter entlassen, sondern das Opfer. Allerdings: Es liegt nicht in Schawinskis Verantwortung, dass die Kolumnistin abgesetzt wurde, ihm kann man deswegen schwer einen Vorwurf machen. Er hatte eine Korrektur ihres Textes verlangt, was in seiner Situation alle tun würden.

Dass Journalistinnen und Journalisten das einfache Muster bedienen, Frauen seien immer die Opfer, Männer immer die Täter, zumal wenn diese alt und weiss sind, mag ja noch angehen. Etwas anderes ist es, wenn sich der Ombudsmann diese Sichtweise auf gönnerhafte Weise zu eigen macht. Wie sehr sich Blum dem Zeitgeist anbiedert, zeigt sich darin, dass er in seinem Bericht Dinge bemängelt, die ihm sonst noch nie aufgefallen sind. So wirft er Schawinski vor, «einen leicht verächtlichen Tonfall durch die ganze Sendung hindurch» gehabt zu haben. «Das war unangemessen», schreibt er und will gar eine «diskriminierende Tendenz» entdeckt haben.

Was Blum dabei ignoriert: Schawinski hat in fast jeder Sendung einen leicht verächtlichen Tonfall drauf. Vor allem, wenn er Leute interviewt, die nicht auf seiner politischen Linie liegen. Dass er seine persönliche Haltung stets einbringt, dass er Sympathie und Antipathie nicht verbirgt, ist seit je sein Markenzeichen, dafür hat man ihn wohl auch angestellt.

Wenn im Gespräch mit einer Frau nun etwas ein Problem sein soll, was sonst akzeptiert ist, so bedeutet das indirekt: Frauen ertragen weniger, sie verdienen besondere Schonung. Was die Frage aufwirft: Ist diese Herabsetzung der Frau durch den Ombudsmann nicht auch ein Fall für den Ombudsmann?

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Kommentare

Hans Baiker

08.06.2019|21:44 Uhr

S. hat klar unter der Gürtellinie provoziert. Die Frage muss so verstanden werden, wie Balthus sie interpretiert. S. ist mit ein Grund, weshalb man SF nicht schauen sollte.

Rolf Kielholz

07.06.2019|23:17 Uhr

Nur so nebenbei: Herrn Professor Blums grösster "Erfolg" dürfte seinerzeit sein Wirken beim Tagi beim Wechsel von der einstmals unabhängigen Zeitung zum offiziösen Parteiblatt der SPS sein. In der Folge "durfte" er dann noch im publizistischen Seminar darauf hinwirken, dass "seine" Studenten der veröffentlichten Meinung der Schweiz grossmehrheitlich einen unverkennbaren Linksdrall verpassten. Dieser wird in unserem Land leider noch sehr lange seine bösen Nachwirkungen zeitigen.

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