Richtig grosse Maschine

Die BMW K 1600 Grand America ist eine Macht auf zwei Rädern –luxuriös, souverän und erstaunlich leicht zu fahren.

Den Begriff «grosse Maschine» für einen Töff mit mindestens 1000 Kubikzentimeter grossem Motor habe ich schon ab und zu mal verwendet. Doch erst als ich die ersten Meter mit der BMW K 1600 Grand America zurückgelegt hatte, ging mir auf, dass ich gar nicht wusste, von was ich eigentlich schreibe.

Die K 1600 ist schon auf den ersten Blick eine stattliche Erscheinung mit ihrem hochaufragenden Windschutz – der natürlich elektrisch versenkbar ist; mit ihren drei Koffern am Heck, die Gepäck für eine ausgedehnte Tour aufnehmen können; mit ihren fauteuilartigen Sitzen und vor allem: mit ihrem Motor, den man zwar nicht gut sehen, aber dafür hören und fühlen kann.

Seit über siebzig Jahren baut BMW Reihen-Sechszylindermotoren. Wahlweise mit Diesel oder Benzin betrieben, gehören sie zu den besten Aggregaten im Automobilmarkt. Seit rund zehn Jahren gibt es einen «Reihensechser» auch auf zwei Rädern: in der K 1600, dem luxuriösen Reisemotorrad von BMW, das zum Preis eines Kleinwagens alles bietet, was man für die grosse Töfftour brauchen könnte. Dazu gehören LED-Scheinwerfer, die eine Strasse so hell erleuchten, als wäre Bühnenlicht aufgestellt worden, dazu gehören Radioempfang, Lautsprecher oder eine Haltefunktion am Berg. Selbst ein Rückwärtsgang kann für Manöver an abfallenden Stellen eingelegt werden.

Der Weg zum Ziel

Zugegebenermassen habe ich etwas Angst oder zumindest Respekt vor dem ersten Ritt auf der mächtigen Grand America. Den Respekt vor der Ingenieursleistung, die der grossen Maschine zugrunde liegt, lege ich über den rund zwei Wochen dauernden Test nicht ab, aber zu fürchten braucht niemand die Grösse dieses Motorrads. Auch wenn natürlich die Überhänge vorne sowie hinten seitlich spürbar sind und obwohl das Leergewicht 364 kg beträgt, wirkt die K 1600 erstaunlich flink und beinahe leichtfüssig.

Dafür sorgt die Macht der sechs Zylinder, die nicht brachial, sondern höchst elegant freigelegt wird. Die Gänge legt man dank Schaltautomat ein, ohne zu kuppeln – das geht so leicht, wie die Verzögerung souverän geschieht, wenn die Doppelscheibenbremsen vorne (eine Scheibe hinten) souverän zugreifen. Der Motor entwickelt dabei einen vollen Klang, der wie alles an diesem Fahrzeug edel anmutet.

Die Grand America, einmal in Bewegung versetzt, macht Motorradfahren zu einer höchst komfortablen Angelegenheit. Wenn das Fahrwerk, das sich je nach Belegung mit ein oder zwei Personen plus Gepäck anpasst, sanft Strassenunebenheiten wegdämpft, wenn der sonor brummende Sechszylinder fast bei jeder Drehzahl noch etwas Kraftreserven freilegt, kann der Weg zum Ziel gerne ziemlich weit sein.

BMW K 1600 Grand America
Hubraum: 1649 ccm; Leistung: 160 PS/118 kW;Drehmoment: 175 Nm bei 5250 U/min;Höchstgeschwindigkeit: 162 km/h;Benzinverbrauch (WMTC): 5,7 l/100 kmPreis: ab Fr. 28 230.–

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Kommentare

Markus Spycher

03.06.2019|15:06 Uhr

Töfffahren ist selbverständlich nur eine Ersatzhandlung: Ein Potenzding mit 6 Zylindern zwischen den Schenkeln mit zugehörigem überdimensioniertem Kraftstofftank lässt Männlein in Ekstase geraten. Und dann noch die eng anliegende Lederkluft. Und später mit ihrer Sozia im Bett sind sie dann schlicht eine Kutte zu schmal.

René Sauvain

30.05.2019|16:31 Uhr

Hr. Schnapp, Sie vergessen zu erwähnen, dass sich bei Regen automatisch ein Regenschutz in Form eines 6-plätzigen Zeltes öffnet! Ist doch in dieser Preislage selbstverständlich, oder?

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