Im Netz der Gesinnungs-Sheriffs

Suchmaschinen wie Google und Social-Media-Konzerne wie Twitter, Instagram und Facebook filtern unliebsames Gedankengut heraus. Die Kriterien sind nebulös, klar ist einzig, dass es gegen Konservative geht. Willkommen in der schönen neuen Welt der Zensur.

Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass bei Ihren Google-Suchen stets die gleichen Medienportale präsentiert werden? Das bilden Sie sich nicht ein, und es liegt auch nicht an mangelnder technischer Kompetenz.

Eine neue Studie der Northwestern University bestätigte letzte Woche, dass sich die Monstersuchmaschine bei ihren Top-Storys auf einige wenige tendenziell linke Nachrichtenportale stützt. Fast ein Viertel der begehrten Spitzenplätze verdankt sich nur drei linken Medien – der New York Times, der Washington Post und CNN mit seinem pausenlosen Trump-Bashing.

Laut dem Daily Caller, der von Fox-News-Mann Tucker Carlson gegründet wurde, belegen interne Firmendokumente, dass Google konservative Stimmen aktiv unterdrückt – was von Google bestritten wird.

Google, Twitter, Facebook, Youtube und Instagram geraten wegen ihrer Einseitigkeit gegenüber Konservativen dennoch zunehmend unter Beobachtung. Neil Potts, Public Policy Director von Facebook, räumt denn auch ein: «Das Silicon Valley ist tendenziell liberal. Eine unbewusste Voreingenommenheit ist nicht auszuschliessen.»

Social-Media-Götter

Unbewusst oder nicht, das Weisse Haus reagiert sehr hellhörig auf Klagen über eine Zensur konservativer Meinungen. Es wurde eine neue Website eingerichtet (WH.gov/TechBias), die Nutzer ermuntert, ihre Erfahrungen mit vermuteter «politischer Voreingenommenheit» seitens der IT-Giganten zu melden. Laut Googles bevorzugten Medien Washington Post und New York Times ist Präsident Trumps Kreuzzug für die Redefreiheit eine Verschwörung und ein raffinierter Trick, um an Wählerdaten zu kommen. Doch es häufen sich Hinweise auf willkürliche und undurchsichtige Zensur bei Meinungsäusserungen von Konservativen, darunter auch Donald Trump Jr.

Im Februar löschte Instagram einen Post des Präsidentensohns, der sich über den Schauspieler Jussie Smollett lustig gemacht hatte, nachdem dieser einen nächtlichen rassistischen Überfall auf seine Person fingiert hatte. Trump Jr. ging daraufhin in die Offensive. Er warf dem Unternehmen (im Besitz von Facebook) vor, es zwinge «allen Leuten euren linken Quatsch auf». Er schimpfte: «Wenn ihr ständig auf einer Seite herumtrampelt, glaubt ihr, dass die das einfach hinnimmt?»

Vor drei Wochen, berichtet Trump Jr., habe Instagram «wieder zugeschlagen». Es sei ein Foto gelöscht worden, auf dem er in kariertem Hemd und Bluejeans mit einem verwundeten Armeeveteranen an der April-Jahreskonferenz der National Rifle Association in Indianapolis posiert hatte. «Das hatte nichts Aggressives oder Politisches, und wie üblich verstiess das auf magische Weise gegen die Instagram-Standards, vermutlich, weil ich mit drauf bin, und das ist zu viel für die kalifornischen Social-Media-Götter.»

Die Social-Media-Götter bestreiten hartnäckig jede Art von politischer Zensur. Sie behaupten, ihre Community-Richtlinien dienten einzig dem Zweck, die Nutzer vor körperlichen, psychischen und emotionalen Schädigungen zu schützen.

Jack Dorsey, der Chef von Twitter, der nur einmal am Tag etwas isst und jedes Wochenende fastet, räumt «uneingeschränkt» ein, dass sein Unternehmen «tendenziell links» ist. Aber er besteht darauf, dass die Plattform ideologisch neutral sei.

Der Hollywoodschauspieler James Woods nimmt ihm das nicht ab. In diesem Frühjahr verabschiedete er sich aus der Twitter-Sphäre. Woods, der 2,1 Millionen Follower hat, wurde nach einem Kommentar über Trump-Kritiker («Wenn ihr versucht den King zu töten, solltet ihr euch keinen Fehlschuss leisten. #HangThemAll») mitgeteilt, dass sein Twitter-Account suspendiert werde. Woods, der sich den unberechenbaren Hassreden-Bestimmungen von Twitter nicht beugen will, erklärt gegenüber Daily Wire: «Solange Jack Dorsey weiterhin der Feigling ist, der er anscheinend ist, so lange sind meine Tage bei Twitter Vergangenheit.»

Willkürliche Anwendung

Dan Gainor, Vizepräsident von TechWatch beim konservativen Media Research Center, sagt gegenüber der Weltwoche: «Die grossen IT-Unternehmen üben eine sehr reale Zensur von Konservativen aus.» Er fügt hinzu: «Die Chefs der Unternehmen räumen ein, dass ihre Mitarbeiter linksliberal sind, verschweigen aber, dass die von ihnen eingeführten inhaltlichen Richtlinien noch weiter links sind. Und die Durchführung der Richtlinien ist den einzelnen Mitarbeitern überlassen, die konservative Stimmen oft zensieren, sperren oder untersagen, besonders auf Twitter.»

Wie diese Regeln praktiziert werden, ist mitunter erschreckend. Im vergangenen Monat erhielt ich als schwarze Journalistin auf Twitter diese Hassbotschaft: «Kraushaarige Nigga, ich hasse dich, ich hasse dich, ich kenn dich überhaupt nicht, aber ich hasse dich abgrundtief» – begleitet von einem rassistischen Foto. Nachdem ich diesen Vorfall gemeldet hatte, wurde mir per E-Mail mitgeteilt: «Wir sind der Sache nachgegangen und zu der Entscheidung gekommen, dass dieser Account nicht gegen unsere Richtlinien verstösst.»

Als Privatunternehmen haben die IT-Giganten das Recht, die Verkehrsregeln auf ihren Privatstrassen festzulegen. Angesichts der willkürlichen Anwendung ihrer undurchsichtigen Standards stellt sich aber die Frage nach Gleichbehandlung und Vertrauen.

David French, Kolumnist des National Review, gibt zu bedenken: «Wenn man einen wahren Ideenmarkt schafft – sollte man sich da nicht vom ersten Verfassungszusatz [der die Meinungsfreiheit schützt, die Red.] leiten lassen?»

 

Aus dem Englischen von Matthias Fienbork

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