Verrückte Wissenschaft

ETH-Professor Knutti will den Klimawandel «vermeiden».

Allen, die es unmöglich, ja gotteslästerlich finden, wenn man prominente Klimatologen kritisiert, sollten sich ein paar gute alte Katastrophenfilme aus den fünfziger und sechziger Jahren anschauen.

Damals war der verrückte Wissenschaftler eine beliebte Figur in ungezählten Satiren und Horrorfilmen. Es gab den Professor, der riesige Giftspinnen züchtet. Ein anderer kreuzte Menschen mit Fliegen. Besonders populär war der grössenwahnsinnige Atombombenphysiker, der nach der Weltherrschaft greift.

Was in all diesen wunderbaren Filmen von «Tarantula» bis «Dr. Strangelove» zum Ausdruck kommt, sind die Fortschritte in der filmischen Tricktechnik, aber eben auch eine offenbar weitverbreitete, gesunde Skepsis gegenüber dem Wissenschaftler als unfehlbarer Instanz, als anmassendem Alleswisser, der sich in die Politik einmischt.

Niemand machte den Regisseuren damals übrigens den Vorwurf, sie würden einem antiwissenschaftlichen Weltbild hinterherlaufen. Im Gegenteil: Man lobte ihr sensibles Gespür für die gefährliche Vermischung von Wissenschaft und Macht, für die Verführungen, für den Machbarkeitswahn, dem auch und gerade die naturwissenschaftlichen Superhirne verfallen können.

Die Hollywoodvision moderner Frankensteins war nicht aus der Luft gegriffen. Zum einen gab es den Kalten Krieg und die Atombomben. Wach waren aber auch die schlimmen Erinnerungen an teuflische Forscher, Ärzte und Wissenschaftler in den Experimentierkammern der roten und braunen Diktaturen. Hatten nicht auch die Nazis ihre kranke Rassenlehre streng naturwissenschaftlich begründet?

Inzwischen leben wir in anderen Zeiten. Die politische Korrektheit betäubt nicht nur den Humor. Sie schläfert auch das kritische Denken und die Meinungsvielfalt ein. Wer heute Professoren oder, bewahre, Universitäten hinterfragt, macht sich unbeliebt. Wissenschaftskritik ist unerwünscht, allenfalls Experten vorbehalten. Forscher sind Päpste und ihre Universitäten Kathedralen. In den dünnhäutigen Akademikermilieus wird Kritik rasch als Gotteslästerung empfunden.

Am schlimmsten ist es in der Klimaforschung. Die Hysterie um einen angeblich unmittelbar bevorstehenden Klimakollaps hat eine universitäre Randsparte ins Zentrum der Aufmerksamkeit und der Subventionen katapultiert. Die Welt hängt den Klimawarnern an den Lippen. Die Gelder fliessen, die Fakultäten vermehren sich wie Pilze, sofern sie das herausfinden, was die im Alarm vereinte Fangemeinde hören will. Die berühmtesten Klimatologen haben den Status von Druiden und Sehern, die mit ihren Kurvenmodellen die Zukunft punktgenau zu prophezeien wissen.

Wie die mittelalterlichen Maya-Indianer auf ihre Sonnenpriester, so hören heute weite Teile der westlichen Intelligenz und Politik auf die modernen Klima-Schamanen. Es ist eine weltweite Glaubensgemeinschaft, die sich hier zusammenbraut. Wie in allen Gruppen, die stärker glauben als wissen, wird auf Einspruch und Widerrede mit aggressiver Gereiztheit reagiert.

Zu viel Bewunderung aber schlägt aufs Denken. Und wo Skepsis als Verbrechen gilt, endet die Wissenschaft, beginnt der Aberglaube. Es entstehen dann Sätze wie dieser: «Zur Vermeidung des Klimawandels ist völlig klar, was nötig ist: praktisch null CO2-Emissionen bis 2050 in der Schweiz.» Dazu brauche es, heisst es weiter, nichts Geringeres als «eine globale Energie-Revolution».

Diesen hochfahrenden Unsinn hat nicht Greta Thunberg geschrieben, sondern ETH-Professor Reto Knutti, einer der bekanntesten Schweizer Klima-Alarmisten; nachzulesen auf der Homepage der Schweizerischen Energie-Stiftung.

Unsinn ist es deshalb, weil die «Vermeidung des Klimawandels» – ich dachte zuerst an einen Tippfehler – eine ähnlich absurde Forderung ist, wie wenn jemand die Vermeidung des Sonnenuntergangs oder die Abschaffung der hohen Wellen im Ozean verlangen würde.

Kein Mensch, kein Knutti und erst recht nicht die kleine Schweiz können den Klimawandel «vermeiden». Der Klimawandel ist ein unvermeidbarer, weil natürlicher Vorgang, der seit Abermillionen von Jahren stattfindet und weitere Tausende Millionen von Jahren stattfinden wird.

Knuttis «Energierevolution» wäre für die Menschheit viel schlimmer als der unvermeidliche Klimawandel. Denn «null CO2» hiesse Ausstieg aus der fossilen Energie. Alle Verbrennungsmaschinen müssten weltweit abgestellt werden. Damit wäre die industrielle Grundlage beseitigt, dank der ein Grossteil der Menschheit heute überhaupt erst einen gewissen Wohlstand und ein Mindestmass an Zivilisation erreicht hat.

So ein Szenario wäre ohne vorgängige Abschaffung der Demokratie zum Glück allerdings nicht durchsetzbar. In der Schweiz stoppen die Bürger den klima- oder energiepolitischen Wahnsinn an den Urnen, spätestens dann, wenn die theoretische Weltrettung in der Kostenwirklichkeit ankommt.

Die Strangeloves der Hollywoodfilme glaubten an die Allmacht ihres Wissens. Knutti ist überzeugt, dass er mit seiner Energierevolution aus der Schweiz heraus die Welt retten kann, retten muss.

Wird die Welt am Klima untergehen? Kaum. Gut möglich aber, dass die Klimapropheten von heute die verrückten Wissenschaftler von morgen sind.

Lesen Sie auch

Sommernachtszauber

Zum achten Mal wird auf Schloss Waldegg oberhalb von Solothurn eine Barocko...

Von Reinmar Wagner
Jetzt anmelden & lesen

Fischfutter aus Basel

Der geplante Bau eines privat finanzierten Ozeaniums spaltet Basel. Betrach...

Von Michael Bahnerth
Jetzt anmelden & lesen

Kommentare

Rainer Selk

14.05.2019|09:32 Uhr

@Schulte. Sie haben noch die Urbarmachung der Sahara vergessen. Gadaffi war drauf + dran, das umzusetzen, wollte das aber allein finanzieren, ohne die Weltbank + Co. DAS war u. a. der Grund, Libyen runter zu bomben. Die CO2-'Geschichte' ist + bleibt ein hysterischer Popanz der Weltuntergängler. Im Kern geht es um zusätzl. Steuern, also um Geld, dass nach irgendwo transferiert wird + voraussehbar nichts verbessert. Wir begeben uns in eine Zeit der finanziellen Selbsterpressung ungekannten Ausmasses. Die selbstgerechte Klimaverdummung ist grandios + wird gegen die Wand fahren!

Michael Hartmann

14.05.2019|08:10 Uhr

wäre doch gut, wenn wir den fossilen energieträgern goodbye sagen könnten. kostet uns etwas aber wir lösten neben 'natürlichen umweltrisiken' (LACH) doch ein paar probleme in politik und gesellschaft. was hier so abgeht, ist wahrlich ein seltenes schauspiel. das pure gegenteil wenn es um 'ausländer' geht - da geht die welt siebenmal unter.

Michael Wäckerlin

12.05.2019|23:49 Uhr

Die ideologische Grundlage des grünen Wahns ist ein Neuaufguss des Malthusianismus. Nach diese Ideologie führe jede Verbesserung der Lebensbedingungen (Energiedichte, Mobilität, Lebenserwartung) nur zu einem beschleunigten Kollaps des Ökosystems. Die moralische Pflicht einer herrschenden Elite sei es daher, die Lebensqualität der Masse drastisch zu reduzieren und in einem despotischen Plan-Mangel System tief zu halten. Feudalismus 2.0, die beste Herrschaftslegitimation seit dem Gottesgnadentum.

Franz-J. Schulte

12.05.2019|22:24 Uhr

@B.Fricker: Solange der wenig sachkundigen Öffentlichkeit vorgegaukelt werden kann, dass man Solar- und Windstrom mit einem vernünftigen Erntefaktor generieren und speichern könne, und dass Elektroautos und Wärmepumpen mit dem durchschnittlichen Strommix statt mit dem momentanen «Grenzstrom» betrieben würden, fehlt insbesondere in der veröffentlichen Meinung die Akzeptanz für die in https://computerwelten.blogspot.com angedachte «globale-Energie-Revolution», wie es Knutti zur Verhinderung des CO2-Wärmetodes bis 2050 fordert: Ist Knutti in Wahrheit das trojanische Pferd der Atomlobby?

Martin Bremer

12.05.2019|18:32 Uhr

@Hammer: Sobald man die Vergeblichkeit seines Strebens eingesehen hat, kann man beginnen, die Realitäten zu akzeptieren. Ich will Sie jetzt nicht ärgern, aber für die nächsten 30 Jahre sehe ich für die Welt (nicht Westeuropa) goldenen Zeiten voraus. Die Chinesen werden, wahrscheinlich mit ein paar Dellen, das Wachstum Asiens sicherstellen. Ein leicht steigender CO2-Gehalt wird die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung erleichtern und das Abschmelzen von Teilen Kanadas, Grönlands und der russischen Nordküsten werden Bodenschätze zugänglich und riesige Ackerflächen frei werden lassen.

Die News des Tages aus anderer Sicht.

Montag bis Donnerstag
ab 16 Uhr 30

Ihr Light-Login-Zugang ist abgelaufen. Bitte machen Sie das Abonnement hier