Frigide Spassbremsen

Radikale Frauenschützerinnen inszenieren sich als Videospiel-Kennerinnen. Ihre Mission ist es, die Videogames in erotik- und humorfreie Zonen zu verwandeln.

Selbstverständlich können Feministen nichts dafür, dass sie überall Diskriminierungen orten. Durch ihre fortwährende Fixierung aufs Opferdasein sind sie schon befangen, wenn sie morgens vor die Tür treten.

Vergangene Woche kam das Videospiel «Mortal Kombat 11» auf den Markt. Die Spielentwickler der Netherrealm Studios unterzogen die Serie einigen Änderungen. Weibliche Charaktere – früher sexy Erscheinungen, sie trugen Bikinis und knackige Kostüme – kommen neu bis zum Hals verhüllt und mit hässlichen Gesichtern daher. «Unser Design wird reifer und respektvoller. Man hat keinen Bikini an, wenn man kämpft. Man zeigt nicht so viel Haut», hat die Firma verkündet und sich dabei dem Druck der politisch Korrekten gebeugt – wie andere Entwickler zuvor auch schon. Die Community ist nicht amused.

Dass die Darstellungen von Frauen als sexualisierend und stereotyp und Videospiele als frauenfeindlich gelten, ist nichts Neues; 2012 erlangte die feministische Spielkritikerin Anita Sarkeesian mit ihrer Aburteilung weltweit (zweifelhafte) Bekanntheit. Auch das deutsche Webportal Webcare.plus stellte jüngst fest: Gamerinnen sind in vielen Bereichen diskriminiert. Eine Kulturwissenschaftlerin namens Sabine Hahn beanstandet unter anderem, dass Frauen «nur knapp ein Viertel aller Beschäftigten in der Games-Industrie» ausmachen, dass Frauencharaktere «oft sexuell stilisiert werden» (knappe Kleidung, grosse Brüste), meist schlechter ausgestattet sind (Waffen, Werkzeug) und oft nur Neben- oder Opferrollen haben. Als «dekorative Randerscheinung» bezeichnet eine Spielforscherin die weiblichen Figuren.

Wie es der Zufall so will, bin ich auch Spielforscherin. Ich forsche praktisch jeden Tag, und manchmal auch nachts, zu Zombies, Ego-Shootern, Konstruktions- und Fantasy-Games, seit ich zehn Jahre alt bin. Meine Message an die Kultur- und sogenannten Spieljournalisten: Die Einzigen, die uns Frauen in die Opferrolle drängen und uns als dekorative Randerscheinungen sehen, sind sie selbst. Man möchte den «Experten» spontan ein Ticket fürs Theater anbieten, wo sie mit einer Kritik über den neusten «Hamlet» wohl besser aufgehoben sind.

In den 70er und 80er Jahren haben hauptsächlich Teenager Videogames gespielt, heute sind auch ältere Generationen und Frauen begeisterte Zocker. Die Games-Industrie hat reagiert mit einer ganzen Palette an «frauenfreundlichen» Spielen – solchen, bei denen man zum Beispiel Bonbons platzen lässt. Statistiken zeigen, dass Frauen gerne Dinge kombinieren wie bei «Candy Crush», sie spielen vor allem am Smartphone, Männer bevorzugen taktische Shooter- und Action-Spiele. Nach welcher Kundschaft sich Spieleentwickler wohl richten, wenn sie Action-Games kreieren?

Sexy Frauen und Helden, das gefällt den Männern, es liegt in ihrer DNA. Es wäre also unternehmerischer Blödsinn, wenn auf Befindlichkeiten von Damen eingegangen würde, die solche Games gar nicht spielen. Und jene, die sie spielen, stören sich in der Regel kein bisschen daran, auch wenn es besorgte Frauenversteher so aussehen lassen. In Wahrheit arbeitet sich eine kleine, laute Minderheit daran ab. Ich kämpfe gegen meine Gegner lieber im sexy Kostüm und mit langen nackten Beinen denn als graue Maus oder verhüllt wie in einer Burka.

Feministen behaupten, dass Stereotype schädlich sind, aber es gibt keinen Beweis dafür, dass Videospiele aus Jungs und Männern sexistische oder aggressive Lumpen machen. Wenn sie Figuren im Bikini sehen, gehen sie danach nicht raus und belästigen Frauen. Dass Videogames Spielerinnen diskriminieren oder eine frauenfeindliche Kultur fördern, ist genauso absurd. Wir würden uns wohl kaum freiwillig an einem Ort aufhalten, an dem wir uns ständig schlecht fühlen. Und auch wenn wir da sexuell stilisiert werden, so what? Ein erotischer Avatar ist weder Grund noch Anzeichen für ein geringes Selbstwertgefühl – ist es ja bei den Männern auch nicht, und sie kämpfen oft mit nacktem Oberkörper und Sixpack. Hier kommt lustigerweise keiner auf den Gedanken, dass diese Stereotype sexistisch sein könnten.

Es arbeiten weniger Frauen als Männer in der Games-Industrie? Tja, vermutlich hat man es ihnen verboten. Frauen sind oft in Neben- oder Opferrollen? Kompletter Unsinn. Es gibt unzählige Spiele mit Frauen in der Leadrolle, von Lara Croft in «Tomb Raider» bis Jill Valentine in «Resident Evil» oder Yuna in «Final Fantasy X». Überhaupt geht es gar nicht so sehr um das Geschlecht des Avatars – Männer spielen auch als Frauenfigur und umgekehrt –, es geht um die Geschichte, die Atmosphäre, man will Unterhaltung.

Sollen Frauen nicht sexy sein? Nicht hübsch? Nicht gerettet werden von Männern? Nicht bewundert? Nicht Bikini tragen? Nicht Brüste zeigen? Ist die Video-Gender-Polizei dann zufrieden? Wir kennen die Antwort: Nein. Dann findet sie eben neue Opferfelder.

Es ist eigentlich belanglos, wenn eine Kulturwissenschaftlerin ein Problem mit einem Videospiel hat. Lästig wird es, wenn Unternehmen auf den Zug der «Social Justice Warriors» aufspringen. Vielleicht sollten sie mehr auf die Neigungen ihrer Kundschaft eingehen, statt sich die Ideologie einiger weniger Berufsdiskriminierten zu eigen zu machen und sich nach ihren abstrusen Forderungen zu richten. Irgendwann wird der Schuss nach hinten losgehen.

 

Tamara Wernli, Video-Bloggerin, lebt bei Basel.

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