Mazda erfindet den Benzinmotor neu

Mit der neuen Antriebsgeneration Skyactiv-X gehen die Japaner ­einen eigenen Weg. Eine erste Ausfahrt im Prototyp.

Fast alle grossen Autohersteller haben in letzter Zeit mit fantastischen Ankündigungen ihrer noch zu bauenden Elektrofahrzeuge brilliert, und laufend kommen neue kombinierte Elektro-Benzinmotor-Autos auf den Markt. «Strom ist besser als Benzin», ­lautet die schlichte, politisch gewollte Botschaft, die leider einen Haken hat: Sie ist nicht zwingend richtig.

In einem zweitägigen Workshop hat Mazda ausgewählten Journalisten kürzlich gezeigt, wie es sich die automobile Zukunft vorstellt. Und Mazda hat ein sympathisches Grund­motiv: Das fast hundert Jahre alte japanische Unternehmen will «den anderen Weg» gehen, wie es Europa-Chef Jeff Guyton ausdrückt. Er sehe nicht, wie 10 Prozent der Fahrzeugflotte, rund sieben bis acht Millionen Autos, elektrifiziert werden könnten, sagt Guyton. «Woher kommt all das Lithium und das Kobalt für die Batterien und die Motoren?», fragt er rhetorisch. Und woher solle all der Strom aus erneuerbaren Quellen kommen? «Ein hocheffizienter Benzinmotor ist aus unserer Sicht immer noch die beste, nachhaltigste und wirtschaftlichste ­Lösung», sagt Guyton.

Der japanische Hersteller arbeitet deshalb seit Jahren daran, den Benzinmotor neu zu ­erfinden, nun scheint es gelungen zu sein. ­Indem man die Vorteile des Diesel- mit den­jenigen des Benzinprinzips kombiniert, bekommt man mehr Leistung bei 20 bis 30 Prozent weniger Verbrauch. Wir wollen das kurz erklären: Beim Dieselmotor braucht es für die Zündung viel mehr Luft als Kraftstoff, der Nachteil ist eine höhere Verbrennungstemperatur und deshalb ein gesteigerter Ausstoss von Stickstoffdioxid (NO2). Benzin brennt bei tieferen Temperaturen, braucht aber mehr Kraftstoff in der Mischung, also steigt der Verbrauch.

In den neuen Mazda-Motoren, die in einem Jahr auf den Markt kommen sollen, wird nun je nach Situation das Luft-Benzin-Gemisch so optimiert, dass der Luftanteil stark steigt. Trotzdem braucht es nur einen kleinen Funken, um es zu entzünden. Das Auto fährt also gewissermassen mit mehr Luft als Benzin. ­Eine erste Ausfahrt in einem Prototyp im Kleid eines aktuellen Mazda 3 (siehe grosses Bild) zeigt erstaunliche Resultate: Der verhältnismässig kleine und leichte Motor aus Alumi­niumdruckguss läuft überaus ruhig, beschleunigt das Auto auch bei tiefer Drehzahl kraftvoll und bietet insgesamt ein sehr angenehmes Fahrerlebnis. Wenn der Verbrauch tatsächlich um bis zu einen Drittel sinkt, könnte das bei einem 100-PS-Motor durchschnittlich weniger als 4 Liter auf 100 Kilometer bedeuten, was ein nahezu spektakulärer Wert wäre. ­Ausserdem entwickelt Mazda eine neue Karosserie-­Architektur, die zum entspannten Vorankommen wesentlich beiträgt.

Was am Ende von all den guten Ideen übrigbleibt, ist natürlich offen, aber ein sehr attraktiver, sparsamer neuer Mazda ist sehr wahrscheinlich.

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