Im wilden Westen

Der Jeep Compass ist ein gutgemachter Kompromiss zwischen Komfort und Abenteuer.

In jedem Jeep steckt ein harter Kern, in jedem ist die Technik vorhanden, um gepflegte Wege zu verlassen und sich in ein Abenteuer mit unbekanntem Ausgang zu stürzen. Das ist jedenfalls das ideale, auch recht romantische Bild, das viele Autofreunde von der amerikanischen Marke haben. Und mit einem ganzen Kofferraum voller Superlative wird uns von der Marke selbst der neue Jeep Compass beliebt gemacht.

Von «einzigartiger Design-Ästhetik» ist ebenso die Rede wie von «besten Fahreigenschaften auf der Strasse» und dann natürlich von «hervorragenden Geländefähigkeiten». Und nachdem ich das alles bei der Pressevorstellung des Compass in Lissabon erfahren habe, mache ich mich auf den Weg. Lissabon alleine ist eine Reise wert, hier scheint die Millionen-Unterstützung der Europäischen Union durchaus in ein gepflegtes Stadtbild und in ausgezeichnete Strassen investiert worden zu sein.

Ich aber möchte weiter, in den wilden Westen sozusagen: Im Naturpark Sintra-Cascais fährt man nicht nur durch wunderbare Landschaften, den Atlantik auf der einen, dichte, gebirgige Wälder auf der anderen Seite. Für uns liegt auch noch eine raue Offroad-Strecke durch den Forst bereit, unbefestigter, felsiger bis sandiger Untergrund.

Doch der Reihe nach: Auf der Strasse ist der Jeep Compass, ein kompaktes SUV, erfreulich handlich, typenbedingt schwankt und schaukelt die Karosserie in engen Kurven etwas, aber insgesamt ist das Fahrverhalten komfortabel, an Assistenz-, Komfort- und Entertainmentsystemen gibt es – je nachdem gegen Aufpreis – ein grosses Angebot. Der Vierzylinder-Turbodiesel Multijet II mit 170 PS läuft ruhig, wirkt aber in Verbindung mit der Neungang-­Automatik nicht immer ganz harmonisch. Es scheint, als sei die Übersetzung bisweilen fast zu gross im Vergleich zum Kraftangebot des Motors.

Mein Testwagen trägt die Bezeichnung «Trailhawk», das zeichnet ihn als besonders fähig aus, auch unbekannte Pfade zu nehmen. 2,5 Zentimeter mehr Bodenfreiheit, Schutzbleche an der Wagenunterseite oder spezielle Front- und Heckschürzen sollen den Wagen abenteuersicher machen. Die angekündigte Offroad-Strecke ist zwar in Teilen durchaus steil und steinig, wirkt aber nicht unbezwingbar. Der Compass mit dem Jeep-Selec-Terrain-­System, das 100 Prozent Drehmoment bei ­Bedarf an ein einzelnes Rad leiten kann und im «Trailhawk» zusätzlich eine Getriebe-­untersetzung anbietet, wäre vermutlich für weit gröbere Einsätze zu haben.

Wie meistens bei Autos mit ausserordentlichen Geländefähigkeiten bleibt es am Ende bei der Einsicht, dass man könnte, wenn man wollte. Für einen schönen Tag in Europas ­wildem Westen reicht das irgendwie auch vollauf.

 

Jeep Compass Trailhawk
Leistung: 170 PS/125 kW;
Hubraum: 1956 ccm;
Höchstgeschwindigkeit: 196 km/h;
Preis: Fr. 45 400.–

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