«Stairway to Heaven»

Porsche ist dem Ideal des perfekten Autos wieder einen Schritt näher gekommen.

Es gibt einen neuen Porsche 911! Das scheint zunächst eine banale Schlagzeile in dem nie enden wollenden Meer von Schlagzeilen zu sein, ist aber natürlich in dieser Rubrik etwa so wichtig wie in anderen Rubriken, wenn Amerika einen neuen Präsidenten wählt oder wenn im Vatikan ein neuer Papst bestimmt wurde. Der Porsche 911 ist die Ikone unter den Autos. Wer mit Bleistift und Papier halbwegs umgehen kann, zeichnet einen «Elfer» grob mit zwei Linien. Und wenn wir schon beim Anstellen von Vergleichen sind: Übertragen auf die Musik, heisst das, der Porsche 911 ist für das Automobildesign, was der Song «Stairway to Heaven» für die Rockmusikgeschichte ist – schon nach drei Gitarrengriffen erkennbar und nicht mehr aus dem Kopf zu bekommen.

Der neue 911er wurde letzte Woche in Los Angeles vorgestellt. Porsche-Fans aus aller Welt unterhalten sich seit vergangenen Dienstag, 20 Uhr (Pacific Standard Time) in Dutzenden Internetforen und Gesprächen über den breiteren Elfer, die neue Auspuffanordnung und das modernisierte Cockpit, das zwar digitaler wurde, sich aber dennoch der Ergonomie des Sportwagenfahrers unterordnet.

Es gibt, grob gesagt, zwei Gruppen von Porsche-Fans. Die Konservativen finden, alles seit Einführung der Wasserkühlung – ab 1997 – sei kein richtiger Porsche mehr. Ein richtiger Porsche sei sowieso nur der 911er. Die Progressiven hingegen wissen, dass sich auch die Autogeschichte weiterentwickeln muss.

Mir gefällt der neue 911er (interne Modellbezeichnung: 992) ausgesprochen gut, und erste Berichte über seine Fahreigenschaften stimmen mich in höchstem Masse zuversichtlich, dass den Ingenieuren ein Fortschritt gelungen ist, ohne den Kern dieses Autos anzutasten. Ganz im Sinne von Ferdinand Anton Ernst «Ferry» Porsche, der sagte: «Das perfekte Auto gibt es nicht, aber wir als Ingenieure und Designer müssen alles tun, um diesem Ideal immer näher zu kommen.»

Technisch gesehen, ändert sich an der Grundkonfiguration dieses Sinnbilds eines Sportwagens für den Alltag nicht viel: Der Heckmotor wird weiterhin als Boxer gebaut, wassergekühlt und von zwei Turboladern zwangsbeatmet. «Ein verbessertes Einspritzverfahren und neuangeordnete Turbolader samt Ladeluftkühlung erhöhen den Wirkungsgrad im Antrieb», heisst es bei Porsche. Es gibt weiterhin Hinterrad- oder Allradantrieb, aber die Kraft wird jetzt über ein Acht-Gang-Doppelkupplungsgetriebe übertragen. Ein Carrera S leistet nun 450 PS, in 3,7 Sekunden geht es von 0 auf 100 km/h, und die Höchstgeschwindigkeit beträgt immerhin 308 km/h, was für die allermeisten Situationen ausreichend sein dürfte.

«Timeless Machine» nennt Porsche den neuen 911er, ein schönes Wortspiel mit der time machine, denn irgendwie ist dieser Sportwagen beides. Er erzählt die Geschichte des Automobils von 1963 bis heute in immer neuen Kapiteln. Gleichzeitig hat jeder der bisher sieben Generationen «Elfer» etwas Zeitloses, auch wenn nicht alle Evolutionssprünge gleich gelungen ausgefallen sind. Wenn man es etwas direkter ausdrücken will, kann man das in den Worten von Rallye-Legende Walter Röhrl tun, dem der Spruch zugeschrieben wird: «Eine Garage ohne Porsche 911 ist doch ein ödes, leeres Loch!»

 

Porsche 911 Carrera S
Leistung: 450 PS / 331 kW;
Hubraum: 2981 ccm;
Höchstgeschwindigkeit: 308 km/h;
Beschleunigung 0–100 km/h: 3,7 sec;
Verbrauch (WLTP-Testverfahren): 8,9 l / 100 km;
Preis: Fr. 156 700.–

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