Der Boom hält an

Trotz jüngster Turbulenzen an den Märkten herrscht beim Weltwoche-Ökonomen-Panel Zuversicht. Vierzehn führende Bankenvertreter und Finanzprofessoren äussern sich über die besten Anlagestrategien, die Wirtschaftspolitik und die aussichtsreichsten Währungen.

Mit ihren Einschätzungen bewegen sie Milliarden an Investitionen: die Chefökonomen von Banken. Zum zweiten Mal befragt die Weltwoche führende Deuter des Marktgeschehens und Schweizer Finanzprofessoren über neuste Themen der Geldanlage. Interessant ist dabei der Vergleich mit den Antworten der letzten Umfrage vor einem Jahr. Die zehn wichtigsten Erkenntnisse:

 

1. Turbulenzen an den Börsen – In den letzten Wochen gab es teilweise erhebliche Kurskorrekturen, vor allem in den USA. Die Mehrheit des Ökonomenpanels ist aber nicht der Ansicht, dass dies eine längere Korrekturphase einläutet.

 

2. Aussichten auf die Zinswende – Nachdem die amerikanische Notenbank in diesem Jahr die Leitzinsen mehrmals erhöht hat, erwarten die befragten Ökonomen, dass es im Jahr 2019 auch zu Zinserhöhungen in der Euro-Zone und sogar in der Schweiz kommen wird. Dies entspricht mehr oder weniger der Erwartungshaltung im vergangenen Jahr. Nur ein Viertel der Teilnehmer hatte Ende 2017 bereits für 2018 einen Zinsschritt bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) erwartet.

 

3. Schweizer Zinsen – Nur eine Minderheit ist der Meinung, dass der Leitzins der SNB in einem Jahr immer noch bei minus 0,75 Prozent liegt. Drei Teilnehmer sehen ihn bereits nächstes Jahr sogar wieder im positiven Bereich.

 

4. Umstrittene Wechselkurse – Das Ökonomenpanel geht davon aus, dass der Kurs des Schweizer Frankens gegenüber Euro und Dollar im nächsten Jahr weitgehend unverändert sein wird. Allerdings ist bei beiden Währungen die Bandbreite der Schätzungen sehr gross. Für den Euro liegen die Erwartungen zwischen Fr. 1.00 und Fr. 1.22, für den Dollar zwischen Fr. 0.90 und Fr. 1.15.

 

5. Stabiler Ölpreis – Im Mittel rechnen die Ökonomen mit einem Ölpreis von 65 US-Dollar in zwei Jahren – praktisch unverändert gegenüber der derzeitigen Marktnotierung. Den Kursanstieg über das letzte Jahr hatte das Panel Ende 2017 noch nicht kommen sehen.

 

6. Meinungsbildung zum Bitcoin – Fast keiner der Panelteilnehmer investiert selber in Kryptowährungen wie den Bitcoin. Allerdings ist die Meinungsbildung zum Bitcoin-Kurs etwas weiter fortgeschritten als vor einem Jahr. Sahen sich letztes Jahr nur zwei Drittel der Teilnehmer in der Lage, eine Schätzung für die zukünftige Preisentwicklung abzugeben, sind es diesmal praktisch alle. Es wird ein leichter Rückgang des Bitcoin-Kurses (von heute 6300 US-Dollar) erwartet.

 

7. USA bleiben Wachstumskönige und Investment-Magnet – Sowohl in der Schweiz als auch in der Euro-Zone und in den USA wird das Bruttoinlandprodukt (BIP) auch nächstes Jahr wieder wachsen. Die kräftigste Entwicklung wird in den USA (2,61 Prozent) erwartet, vor der Schweiz (1,86 Prozent) und der Euro-Zone (1,71 Prozent). Das widerspiegelt sich auch in der geografischen Verteilung der Investmententscheidungen. Die USA sind bei allen Anlageklassen gefragt – noch etwas mehr als die Schweiz. Überraschend ist auch die relative Zuversicht bei brasilianischen Aktien.

 

8. EU-Staatsschuldenkrise – War letztes Jahr noch ein Viertel der Teilnehmer der Meinung, die Staatsschuldenkrise in der EU sei ausgestanden, ist das Bild dieses Jahr düsterer: Sämtliche Teilnehmer halten die Staatsschuldenkrise für nicht überwunden. Im Gleichklang damit hat auch das Vertrauen in die Wirtschaftspolitik der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel gelitten. Letztes Jahr haben die Ökonomen Merkel unter dem Strich eher vertraut als misstraut. Die Ansichten über Mario Draghi bleiben ähnlich geteilt wie vor einem Jahr.

 

9. Trump leicht beliebter – Im Gegensatz zu letztem Jahr bekommt die Wirtschaftspolitik von US-Präsident Donald Trump leicht bessere Noten. Im vergangenen Jahr setzte noch keiner der Teilnehmer ein hohes Vertrauen in die Wirtschaftspolitik des amerikanischen Präsidenten. Dieses Jahr äussern sich immerhin zwei Teilnehmer zuversichtlich über den US-Präsidenten.

 

10. Brexit bereitet kaum Sorgen – Gefragt nach den grössten Risiken für das globale Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr, nennen nur zwei Teilnehmer den Brexit. Viel grössere Sorgen bereiten die Staatsverschuldung in Europa, die von zehn Teilnehmern genannt wird, die Staatsverschuldung in den USA und der Handelskrieg (jeweils sechs Meldungen).

 

Das Weltwoche-Ökonomenpanel bietet jedes Jahr einen Einblick in die Investment-Strategien, Einschätzungen und Markterwartungen führender Finanzökonomen.

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Professor Freigeist

Marcel Niggli ist einer der eigenständigsten Schweizer Rechtsgelehrten...

Von Katharina Fontana

Kommentare

Rudolf R. Blaser

11.11.2018|10:07 Uhr

LEUTE, ihr seid ja nicht ganz gebacken! Um zu erkennen, dass wir unmittelbar vor einem FINANZ-PAPIER-ZUNAMI stehen, genügt GESUNDER MENSCHENVERSTAND! Die Schulden der Schurkenstaaten betragen 2 Billiarden!! Verglichen zu Sekunden, sind das 80 Millionen Jahre! Solches ist NIE durch Zinsen zu bedienen, sondern nur durch Hyperinflation oder KRIEG! Die Börsen florieren nur, weil sich KRIMINELLE JUNGS der Nationalbanken am Schneeballsystem beteiligen, siehe Position 8:15 von Linkhttps://www.youtube.com/watch?v=NKhbD-WKA6kRettet euch in physisches Silber:https://www.youtube.com/watch?v=gJIK02D1D7

Markus Dancer

10.11.2018|13:24 Uhr

Die Tiefzinspolitik ist verheerend! Eine ganze Generation wird systematisch gepluendern und wird, wenn's so weitergeht in die Armut "entlassen" werden! Wer nicht in der Lage ist in Edelmetalle und in Immobilien zu investieren ist schlecht dran! Der Druck mit seinem Kapital gewinnbringend (inflationsbereinigt) zu ARBEITEN wird weiter zunehmen, wer das nicht kann, wird weiter bestohlen werden. Schlechte Zeiten fuer gewoehnliche Sparer!

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