Ist weniger mehr?

Jaguar hat seinen Sportwagen F-Type um ein Einsteigermodell mit 300 PS ergänzt. Das ist gar keine schlechte Idee.

In fünf Motorvarianten ist der Jaguar F-Type mittlerweile erhältlich, und auch wenn sich die Autos äusserlich natürlich zum Verwechseln ähnlich sind, erhält man je nach Wahl ein völlig anderes Fahrzeug. Als F-Type SVR ist der formschöne Zweisitzer ein ziemlich schweres, aber kraftvolles Gerät mit V8-Motor, Allradantrieb, 575 PS Leistung, aber auch über 1700 Kilo Gewicht. Zum Vergleich: Ein Porsche 911 Turbo S, der in derselben Leistungsklasse spielt, aber deutlich mehr Platz bietet, ist 100 Kilogramm leichter.

Am anderen Ende der F-Type-Skala findet sich jetzt neu der 2.0-Turbo mit einem aufgeladenen Vierzylindermotor, Hinterradantrieb, 300 PS Leistung und noch etwa 1600 Kilo Gewicht. Das ist nicht wenig, aber doch deutlich weniger. Zwei Wochen lang stand dieser F-Type in meiner Garage, lackiert in knalligem «Ultra Blue» – und zu meiner täglichen Freude. Der Basis-F-Type kostet zwar nur fast die Hälfte der Top-Variante, bringt einem aber nicht etwa halb so viel Freude. Ganz im Gegenteil.

Zum einen ist der kleine Motor gross genug. Lässt man nicht die Automatik schalten, sondern wählt die Gänge manuell und fährt konsequent unter Last, fällt das klitzekleine Turboloch kaum noch auf. Das geringere Gewicht des Wagens lässt ihn ausserdem agiler wirken, und der Hinterradantrieb sorgt in dynamisch angefahrenen Kurven schon bald einmal dafür, dass das Heck lustig zuckt. Im Innern sitzt man zudem in einem bewährten, hochwertigen Ambiente mit viel Leder und einem übersichtlichen, menschenfreundlichen Bedienkonzept.

Zielflagge im Blick

Und dann ist da noch die Sache mit dem Klang. Die F-Types mit V6-Motor sind akustisch schon deutlich als Sportwagen erkennbar. Wer aber mit dem V8 unterwegs ist, braucht ein bombenfestes Selbstbewusstsein. Die Auspuffanlage macht einen solchen Lärm, dass nicht unbedingt mit der Sympathie der Nachbarn rechnen kann, wer den Sportwagen abends laut röhrend und knallend die Strasse entlangfährt.

Der 300-PS-Motor hingegen klingt je nach Fahrsituation durchaus kernig, hebt man den Fuss vom Gas, wird sogar mal eine kleine Fehlzündung eingestreut, aber insgesamt erzeugt das Auto eine gesellschaftlich vertretbare Akustikkulisse. Das ist ein nicht unerheblicher Grund, warum der neue, kleinste F-Type auch als angenehmes Alltagsauto gefahren werden kann. Der Verbrauch pendelt sich bei 8,5 Litern ein; das ist kein Fabelwert, aber ebenfalls alltagstauglich.

Betätigt man den kleinen Schieberegler mit der Zielflagge in der Mittelkonsole, schaltet der Jaguar in den «Dynamic»-Modus und wird damit augenblicklich zu einem sportlichen, aber gut beherrschbaren Auto, das einem beim Beschleunigen und in schnellen Kurven sehr viel Freude machen kann. 300 PS sind zwar offensichtlich weniger als 575 PS, aber der Verzicht wirkt nicht so gross, wie der zahlenmässige Unterschied vielleicht meinen lässt.

 

Jaguar F-Type 2.0 R-Dynamic
Leistung: 300 PS / 221 kW;
Hubraum: 1997 ccm;
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h;
Beschleunigung 0–100 km/h: 5,7 sec;
Verbrauch (EU-Norm): 7,8 /100 km;
Preis: ab Fr. 66 800.–; Testwagen: Fr. 72 700.–

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