Sir Offroad

Der Cullinan ist im Wortsinn der Rolls-Royce unter den SUV. Er sichert die markentypische Überlegenheit auf Schotterstrassen.

Rolls-Royce macht ein SUV?» Autofreunden ist diese Tatsache zwar wohlbekannt, trotzdem wurde mir die Frage oft gestellt, bevor ich mich auf den Weg nach Wyoming machte, wo die Briten ihr neuestes Modell der Weltpresse präsentierten. «Wir machen ein SUV, weil die Kunden das wollen», sagt CEO Torsten Müller-Ötvös bei einem Nachtessen in Jackson Hole. Die Ortswahl ist kein Zufall, wir sind im County mit dem höchsten Pro-Kopf-Vermögen der USA. Es gibt Rinderfilet und die besten Pommes, die ich seit langem gegessen habe.

Der CEO hat ein feines Gespür dafür entwickelt, was seine anspruchsvolle Kundschaft möchte. Die Hälfte seiner Arbeitszeit verbringe er damit, die Käufer der «besten Automobile der Welt» – darunter macht man es bei Rolls-Royce nicht – zu besuchen. Nun bekommen sie ein SUV, das wie kein anderes Modell des traditionsreichen Herstellers so etwas wie praktischen Alltagsnutzen bringt. Auf Wunsch ist der Wagen nämlich mit einer automatisch abklappbaren Rückbank erhältlich.

Am nächsten Morgen besteige ich einen dunkelgrauen Cullinan – benannt übrigens nach dem grössten je gefundenen Diamanten, der nun unter anderem Teil der Krone der Königin von England ist – und bald schon fahren wir eine ziemlich steile Skipiste hoch. Dafür muss man nichts anderes tun als eine «Offroad»-Taste drücken; die Luftfederung ermöglicht jetzt vierzehn Millimeter mehr Bodenfreiheit, der Antrieb stellt sich auf grösstmögliche Traktion ein. «Mühelos» muss das gehen, so ist der Anspruch. Und schon gar nicht muss man sich Sorgen machen, dass man allenfalls nicht ankommen könnte.

Der Cullinan kriecht, klettert und schaukelt über Stock und Stein, Bodenwellen, und selbst fünfzig Zentimeter tiefes Wasser wäre kein Hindernis. Das Erstaunlichste ist allerdings, dass auch auf dem Sitz hinten rechts, dort, wo Rolls-Royce-Kunden häufig sitzen, die Holperfahrt von 2000 auf rund 2800 Meter über Meer einigermassen komfortabel abläuft. «Effortless everywhere» – etwa: mühelos überallhin – heisst die Losung, der Wagen wird ihr ebenso mühelos gerecht. Der V12-Motor mit Doppelturbo-Aufladung gibt schon bei 1600 Umdrehungen 850 Newtonmeter Drehmoment ab und bietet so viel fein dosierbare Traktion, dass selbst Schneeflächen mit Sommerreifen stilvoll überlegen bewältigt werden können.

Auf geteerten Strassen entkoppelt einen der Cullinan von den meisten Zumutungen des Untergrunds; hundert Kilogramm Dämmmaterial wurden verbaut, selbst die Reifen im 22-Zoll-Format und aus einem besonders weichen Gummigemisch sind zusätzlich schallisoliert. Längere Autobahnfahrten werden zu Entspannungstherapien. Einzig ein Spurhalteassistent fehlt neben dem Abstandsradar, um die Mühelosigkeit auf Langstrecken zu perfektionieren. Aber den Ingenieuren passte die bisher verfügbare Technologie nicht. Sie sei noch nicht ausgereift genug, um in einem Rolls-Royce eingesetzt zu werden. Weil diese Haltung hinter jedem Detail steht, das den Cullinan ausmacht, ist es schliesslich auch ein Rolls-Royce.

 

Rolls-Royce Cullinan
Motor/Hubraum: V12 / 6749 ccm;
Leistung: 571 PS (420 kW); max.
Drehmoment: 850 Nm / 1600 U/min;
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h;
Verbrauch: 15 l / 100 km;
Preis: ab Fr. 374 900.–

Lesen Sie auch

«Dieser Migrationspakt ist gefährlich»

Ungarns Finanzminister und Vizepremier Mihály Varga, einer der engst...

Von Roger Köppel und Karl-Heinz Hug (Bild)
Jetzt anmelden & lesen

Talentierter Dilettant

Peter Sichrovsky schrieb Theaterstücke und führte ein Unternehmen mit T...

Von Erik Ebneter und Muir Vidler (Bild)
Jetzt anmelden & lesen

Kommentare

Die News des Tages aus anderer Sicht.

Montag bis Donnerstag
ab 16 Uhr 30

Ihr Light-Login-Zugang ist abgelaufen. Bitte machen Sie das Abonnement hier