Der kommt quer

Mit dem neuen BMW M5 gibt es in der Hochleistungslimousine erstmals einen Allradantrieb. Und was für einen!

Auf dem vereisten, mit Schnee bedeckten Flugplatz von Gstaad habe ich mich mit der bayrischen Führung der M GmbH getroffen, um zu erfahren, was der neue BMW M5 kann. Genauer gesagt, was das erstmals in der legendären Hochleistungslimousine verfügbare Allradsystem kann. Der Instruktor sagt dazu in breitem Bayern-Slang: «Probiert S’ es, dann spürt S’ es.» Bei der M GmbH ist man in manchen Fragen störrisch-konservativ. Einen M5-Kombi gibt es nicht (mehr), weil die Karosseriesteifigkeit den hohen Ansprüchen der ­Ingenieure nicht genügt. Und auch ein Allradsystem war bislang – mit Ausnahme der SUV-­Modelle – verpönt, weil es der reinen ­Lehre ­widerspricht, wonach emotionale, sportliche Autos über die Hinterräder angetrieben ­werden.

Anderes Auto per Tastendruck

Also hat man ein Allradsystem namens M xDrive entwickelt, das den M5 wohl zum vielseitigsten Auto seiner Klasse macht. Mein mattwein­-­rotes Testauto steht auf einem rutschigen ­Untergrund aus Schnee und Eis, ein Druck auf den knallroten Startknopf und der doppelt aufgeladene V8 meldet sich mit einer dröhnend-donnernden Startsequenz. Fährt man jetzt los, arbeiten sich die breiten 19-Zoll-Winterräder souverän voran, die Traktion auf der Geraden ist überraschenderweise hervor­ragend, und bloss, weil ich bewusst zu scharf und zu schnell in die Kurve schiesse, regelt das System die eigentlich vorhandenen 600 PS auf vielleicht 30, 40 Stundenkilometer runter. ­Sicher ist sicher, und das Auto kommt ohne Dreher um den Bogen herum.

Ein Tastendruck, und ich habe ein ganz anderes Auto in der Hand. Das Stabilitätsprogramm lässt nun einen recht grossen Spielraum zu, und das Allradsystem leitet über ein aktives Sperrdifferential so viel Kraft an die Hinterachse, dass man gelassen und cool quer durch die Kurve driften kann. Fahrern mit feinem Gespür fürs Gaspedal und der erforder­lichen Reaktionszeit am Lenkrad steht eine weitere Eskalationsstufe zur Verfügung, der M5 wird mit einem Tippen auf den berührungsempfindlichen Bildschirm nur noch über die Hinterachse angetrieben. Noch selten war der etwas aus der Mode gekommene Begriff «Heckschleuder» zutreffender als hier auf dem eisigen Untergrund. Notiz am Rande: Seit kurzem hält der neue M5 den Weltrekord im Dauerdriften: acht Stunden lang.

Der M5 on the rocks ist ein bubenhaftes Vergnügen für Auto-Enthusiasten. Ich drehe meine Runden auf dem Eisschnee – ab und zu auch unfreiwillig um die eigene Achse – und finde, es wäre nicht verkehrt, den ganzen Tag im Kreis zu fahren. Dieses Auto bringt einen wahlweise sicher, aber jedenfalls schnell von A nach B und ist auf Wunsch sofort in der Lage, einem fast endlose kindliche Freude zu bereiten.

 

BMW M5 First Edition
Leistung: 600 PS (441 kW), Hubraum: 4395 ccm
Höchstgeschwindigkeit: 250/305 km/h
Preis: Fr. 139 900.–, Testauto: Fr. 174 680.–

Lesen Sie auch

Kommentare

Die News des Tages aus anderer Sicht.

Montag bis Donnerstag
ab 16 Uhr 30