Eine Ahnung von Unendlichkeit

BMW baut das Erfolgsmodell X3 in der Nähe von Pretoria. Eine Fahrt durch grossartige Landschaften.

Das erste Werk ausserhalb Deutschlands, das die Bayerischen Motoren-Werke in Betrieb nahmen, steht seit 1973 in Rosslyn in der südafrikanischen Provinz Gauteng. Lange wurden 3er-Limousinen hier hergestellt, heute laufen in drei Schichten während 24 Stunden an drei Tagen X3 vom Band. Für Südafrika ist die Autoindustrie von grösster Bedeutung als einer der wichtigsten Wirtschaftszweige im Land. Für BMW wiederum ist der X3 zentral, über 1,5 Millionen Fahrzeuge wurden seit Ende 2003 verkauft.

Das SUV ist so erfolgreich, dass die starke Nachfrage nicht mehr nur aus der Riesenfabrik im amerikanischen Spartanburg gestillt werden kann. Europäische Kunden erhalten nun X3 made in Africa. Der Hersteller betreibt einen Riesenaufwand, um seine hohen Qualitätsstandards zu sichern. Die Mitarbeiter werden sorgfältig geschult, und selbst um den Strom aus nachhaltigen Quellen ist man besorgt. Das südafrikanische Start-up Bio2 Watt liefert 30 Prozent der Elektrizität, die aus Kuhmist und Lebensmittelabfällen gewonnen wird.

Ich bin aber nicht nur in die Republik Südafrika gereist, um Roboterarmen und menschlichen Arbeitern beim Autobau zuzusehen. Der X3 ist nicht zufällig so erfolgreich. Er ist für viele Kunden das perfekte Auto: halbwegs geländegängig, robust, geräumig, aber nicht zu gross und erstaunlich sparsam. Das ist jedenfalls das Fazit nach rund tausend Kilometern über südafrikanische Landstrassen und Autobahnen und auch über Sand und Geröll durch einsame Savannen.

Nashörner und Turbodiesel

Selbst in der Grundversion als Zwei-Liter-Turbodiesel ist der X3 ein hervorragendes Auto. Federungskomfort, Einlenkverhalten und Laufruhe sind geradezu vorbildlich, und auch auf holprigem Untergrund bleibt das SUV souverän. Nur die in manchen südafrikanischen Ortsdurchfahrtsstrassen schlecht markierten Temposchwellen, die ich bisweilen zu spät sehe, bringen das Fahrwerk des BMW für zwei Sekunden aus der Ruhe.

Auf den holprigen Wegen einer privaten Safari-Lodge, vorbei an Giraffen, einer eiligen Elefantenherde oder einem Nashorn, zeigt sich aber auch: Wenn man eine steile Anhöhe überwinden will, ist der legendäre BMW-Reihen-Sechszylinder-Turbodiesel immer noch einer der besten Antriebe überhaupt. Kräftig, laufruhig und verhältnismässig sparsam mit rund 7 Litern auf 100 Kilometer.

Südafrika ist ein tolles Autofahrerland, soweit ich das nach drei Tagen Expeditionsfahrten beurteilen kann. Die Strassen sind gut, und dazu kommt eine erhabene Ahnung von der Unendlichkeit, die sich einstellt angesichts der Weite der Savannen mit ihrer teilweise leuchtend roten Erde oder beim Anblick von im Dunst verschwindenden Bergketten, die aussehen, als hätte sie jemand sorgfältig hintereinandergestellt.

BMW X3 xDrive 20d
Leistung: 190 PS (140 kW);
Hubraum: 1995 ccm;
Beschleunigung: 0–100 km/h: 8,0 sec;
Höchstgeschwindigkeit: 213 km/h;
Verbrauch: 5,4–5,0 l (EU-Norm);
Preis: ab Fr. 56 900.–

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