Der Bodyguard

Im Lexus LS 500h wird sichtbar, was heute an Handwerksqualität im Automobilbau machbar ist.

Manchen Vormittag verbringt der Automobil-Berichterstatter, indem er mit dem Zug irgendwo aufs Aargauer oder Zürcher Land hinausfährt und dort einen neuen Testwagen in Empfang nimmt, um sich damit wieder auf den Weg nach Hause zu machen. Kürzlich fuhr ich deshalb ins aargauische Safenwil, zum Sitz von Lexus-Importeur Emil Frey, und bekam die Schlüssel zum neuen Lexus LS 500h überreicht.

Mit diesem Auto fordern die Japaner vor allem die europäische Luxuslimousinen-Konkurrenz heraus: Audi mit dem A8, BMW mit den 7ern und Mercedes mit der S-Klasse. Und bei so starken Gegnern ist es eine sinnvolle Taktik, die Dinge etwas anders anzugehen. Beim Lexus fängt das schon beim Kühlergrill an, der getreu der Markendesignsprache dem grossen Auto ein recht expressives Auftreten garantiert.

Nachdem ich mich in meinen feinen Wagen auf Zeit gesetzt hatte, brauchte ich eine Weile, um mit dieser ganzen Pracht im Inneren zurechtzukommen. «Absurd schön», fiel dem Magazin Men’s Health dazu ein. Das Prinzip hier heisst omotenashi, die japanische Kunst der Gastfreundschaft. Beim Öffnen der Türe macht der Sitz etwas Platz, und das Gurtschloss kommt mir aus der Versenkung neben dem Sitz entgegen.

Mehrere Minuten verbringe ich nun damit, mit den Fingerspitzen den mattbronzen schimmernden, feinen Metalleinlassungen zu folgen, die vom Armaturenbrett über die Lüftungsschächte führen. Ich bewundere die Armlehnen in den Türen, die effektvoll beleuchtet werden und zu schweben scheinen. Aufwendig von Hand gearbeitete Metallabdeckungen über den Lautsprechern des hervorragenden Mark-Levinson-Soundsystems ziehen ebenso meine Aufmerksamkeit auf sich wie die feine Glasscheibe vor dem Armaturenbrett, hinter der ein Linienmuster leuchtet. Kurz: Es gibt zurzeit kein Automobil-Interieur auf einem vergleichbaren handwerklichen Niveau wie dasjenige, das bei Lexus schon ab Werk erhältlich ist.

Irgendwann musste ich doch los, drückte den Startknopf und hörte: erst einmal gar nichts. Der LS ist, typisch für Lexus und Toyota, mit einem Hybridsystem ausgestattet, das einen V6-Benzinmotor, zwei Elektromotoren sowie eine kleine Lithium-Ionen-Batterie umfasst. Vom Hof rollt man also geräuschlos, und dabei bleibt es in 98 Prozent aller Situationen, selbst wenn der Benzinmotor anspringt.

Zum Lexus-Luxus gehört auch der immense Aufwand bei der Geräuschdämmung. Dieser umfasst eine schallabsorbierende Karosserie, das Design der Aussenspiegel, das Windgeräusche minimieren soll, oder aktives noise cancelling über das Lautsprechersystem, das Schall mit Gegenschall neutralisiert. Wie in einer weich gepolsterten Blase schwebe ich die Landstrasse entlang, die Federung ist so fein wie das weisse Leder, und das Auto verhält sich wie ein Bodyguard, der alles vor mir abschirmt, was auch nur annähernd unangenehm werden könnte.

Nur kurz wird diese Atmosphäre von handwerklicher und technischer Perfektion gestört: Beim Beschleunigen heult der Motor, der an ein stufenloses Automatikgetriebe gekoppelt ist, kurz auf, bevor wieder Ruhe und Gelassenheit einkehrt – das Grundgefühl, das beim Fahren dieses Autos vorherrscht.

 

Lexus LS 500h AWD Excellence:
Leistung: 359 PS / 264 kW;
Hubraum: 3456 ccm.
Beschleunigung: 0–100 km/h: 5,5 sec;
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h;
Verbrauch: 7,1 l / 100 km (EU-Norm);
Preis: Fr. 168 100.–, Testwagen: 172 450.–

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