Es könnte schneller gehen

Der Audi RS4 ist der Traumkombi für alle, die es eilig haben und gleichzeitig eine Familie unterbringen müssen.

Manche Testwagen haben eine Sonder­stellung in meiner Garage. Das kann ­ästhetische oder leistungsbezogene Gründe ­haben. Beim neuen Audi RS4, der mir kürzlich zur Verfügung stand, war es ein wenig von beidem. Der schnelle Kombi war in einem wunderbaren «Sonoma-Grün» lackiert, was allein schon für eine bessere Laune sorgte. Sogar ­meine Frau, der Kunst sehr viel mehr bedeutet als Motoren, hatte nur lobende Worte für das edle Grün am Eiltransporter.

Schon in den 1990er Jahren fuhren sportliche Familienväter einen RS2. Den Kombi bauten Porsche und Audi damals gemeinsam; mittlerweile haben Audi und seine Hochleistungs­abteilung Quattro keine Hilfe mehr aus Stuttgart nötig, in der Kategorie «Express-Kombis» ist man längst Weltspitze. Nur noch Mercedes und Cadillac mit dem CTS-V Wagon bieten hier mit, während BMW aus grundsätzlichen Überlegungen keine M-Kombis herstellt: Man ist der Meinung, die Karosserieform sei für eine sehr sportliche Gangart nicht geeignet, und überlässt diese Disziplin der Manufaktur Alpina.

Wenigstens für ein, zwei Stunden ermöglichten mir das Schicksal und die Strassenverhältnisse (in Deutschland, selbstverständlich), zu überprüfen, ob der RS4 wirklich der Traumkombi für Teilzeitraser ist. Ich hatte im Süden Deutschlands zu tun, der Weg führte über St. Gallen und St. Margrethen auf der A 96 nach München und dann weiter an den bildschönen ­Tegernsee. Mit dem neuen RS4 gab es einen prominenten Wechsel im Motorenraum, statt des bisherigen V8-Saugers mit 4,2 Litern Hubraum gibt es nun im Zuge des allgemeinen Downsizing-Trends einen V6-Biturbo-Motor mit 2,9 Litern Hub­raum, immer noch 450 PS, aber deutlich mehr Drehmoment: 600 statt 430 Newtonmeter. In der Praxis bedeuten diese ­Statistiken wenig, wenn man mit 130 km/h ­hinter einem Skoda auf der Überholspur herfährt. Sobald der Skoda aber nach rechts schwenkt und der RS4-Fahrer zwei Gänge zurückschaltet und das Gaspedal durchdrückt, wird die Statistik aufregend lebendig.

Mit einem kernigen Röhren aus der Sport­aus­puff­an­lage zieht mein grüner Kombi davon, und weil gerade nicht viel los ist, ist auch ge­nügend Platz für noch mehr Tempo. Bei einem solchen Auto werden ja dessen Möglichkeiten zum Charaktertest. Eigentlich könnte es immer noch etwas schneller gehen, der RS4 bringt die Kraft über seinen Allradantrieb so souverän auf den Asphalt und bleibt daselbst so stabil, dass es beinahe furchteinflössend ist. Nur das optionale «RS-Sportfahrwerk plus» mit «Dynamic Ride Control» neigt je nach Fahrbahn­topografie zu leichtem Längsnicken, was wohl der Suche nach dem Kompromiss zwischen Sportlichkeit und Komfort geschuldet ist.

Athletik und Funktionalität

An meinem Tag auf der Autobahn sass ich ­viele Stunden allein im RS4, und gerade da ist dieser Kompromiss meistens eine gute Sache. Wenn der Verkehr dichter wird, hilft ein Abstands­tempomat, zu entspannen, die bequemen, ­gute einstellbaren Sitze sind auch nach mehreren hundert Kilometern noch komfortabel und massieren auf Wunsch erst noch den ­müden Rücken. «Athletik und Funktionalität auf einer Linie», sagt man dazu bei Audi, und so sollte es eigentlich immer sein.

 

Audi RS4 Avant
Leistung: 450 PS / 331 kW, Hubraum: 2894 ccm
Beschleunigung 0–100 km/h: 4,1 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h; Verbrauch 8,8 l/100 km
(EU-Norm). Preis: Fr. 103 000.–, Testwagen: Fr. 129 867.–

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