Vollgas für Gentlemen

Der Alpina B5 ist die sehr schnelle Möglichkeit, einen BMW zu fahren, mit dem man sich als Individualist positioniert.

Es gibt ja BMW- oder Mercedes-Kinder, wie es Migros- oder Coop-Kinder gibt. Fami­lien, bei denen die eine oder andere grosse ­Automarke seit Generationen gefahren wird. Nehmen wir jetzt mal an, ich wäre in eine BMW-Familie hineingeboren worden – was nicht der Fall ist. Meine Mutter fuhr einen ­Renault R4 und später ­einen Clio. Und nehmen wir an, ich hätte mich zu einem sehr eigensinnigen Kind entwickelt. In diesem Fall würde ich vielleicht keinen BMW fahren wollen, sondern einen Alpina.

Das Familienunternehmen Alpina aus Buchloe entwickelt seit fünfzig Jahren «exklusive Automobile für einen Kreis von Kennern, die Sinn für das Besondere haben und den Genuss lieben», wie es auf der Website der Firma heisst. Die Basis der Fahrzeuge sind neue BMW-Modelle, die bei Alpina mit Eingriffen in die Motorenarchitektur, mit eigenen Fahrwerken oder Innenausstattungen individua­lisiert werden. Nur bei Alpina gibt es den 600-PS-Fünfer ausserdem als Kombi, was BMW längst nicht mehr angeboten wird.

Kürzlich fuhr ich für ein langes Wochenende den BMW Alpina B5 Biturbo: Das Auto basiert auf dem neusten 5er-Modell, hat aber dennoch einen ganz eigenen Charakter. Durch den ­Alpina-Schriftzug in der Frontschürze, die vier verchromten Endrohre oder die klassischen Vielspeichenfelgen ist der B5 klar, aber unaufdringlich als Alpina-Modell erkennbar. Hinter dem Lenkrad zeugt das spezielle Layout der zentralen digitalen Anzeige von der Manu­fakturqualität des Wagens.

Der B5 ist ein Kraftpaket, das seine Potenz kaum zur Schau stellt. Selbst wenn der Motor mit dezentem Grollen startet, ist noch nicht klar, was das Auto kann. Langsam rolle ich vom Hof, grün-blau leuchten die digitalen Instrumente vor mir, bei der ersten Gelegenheit versuche ich mit einem beherzten Druck aufs Gas­pedal, etwas mehr über den Alpina zu erfahren.

Wenn die mächtigen Turbolader ihr Wirkungspotenzial entfalten, schiesst der B5 nach vorne wie die Faust eines Schwergewichts­weltmeisters: 608 PS und 800 Nm leistet die ­Limousine maximal, das ist etwas mehr als beim neuen BMW M5 (600 PS/750 Nm). In 3,5 Sekunden ist dank dem Allradantrieb Tempo 100 km/h erreicht, das sind fast Supersport­wagenwerte.

Der natürliche Entfaltungsraum eines B5 ist deshalb die deutsche Autobahn, die ich an ­einem schönen Samstagmorgen heimsuche, um in den Schwarzwald zu gelangen. Ich bin im Drei-Sterne-Restaurant «Bareiss» zum Mittagessen verabredet – schliesslich sind Alpina «Fahrzeuge für automobile Gourmets». Bis zu 330 km/h schnell könnte der B5 werden. Mir reicht schon die turbogeladene Vehemenz, mit der die Limousine wie an einem Faden gezogen bis 250 km/h (und darüber hinaus) beschleunigt und dabei gentlemanlike ruhig und sicher auf der Strasse liegt.

Im «Sport»-Modus sind die Dämpfer des B5 ziemlich straff, die 20-Zoll-Räder mit ihrem niedrigen Querschnitt lassen einen die Beschaffenheit des Asphalts spüren. Für entspanntere Fahrten gibt es einen «Comfort»- und ­einen «Comfort Plus»-Modus, aber ganz verbergen kann das Auto seine sportliche Auslegung nicht. Darum geht es beim Alpina B5: Man ist schnell, dynamisch, aber immer mit Haltung.

 

BMW Alpina B5 Biturbo
Leistung: 608 PS (447 kW),
Hubraum: 4395 ccm
Höchstgeschwindigkeit: 330 km/h
Preis: Fr. 126 800.–, Testauto: Fr. 150 920.–

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