Elektrischer Alltag

Er ist nicht besonders teuer und nicht einmal besonders aufregend, aber der neue Nissan Leaf ist das Stromauto für alle.

Während manche Hersteller mit grossen Ankündigungen elektrifizierte Fahrzeuge versprechen und Tesla so tut, als könne es ­neben dem kalifornischen Schwergewicht kein anderes Elektroauto geben, geht vergessen, dass es mit dem Nissan Leaf, dem Renault Zoe oder dem Opel Ampera längst alltagstaugliche E-Varianten zu vernünftigen Preisen gibt. Auch der BMW i3 hat sich bewährt, ist aber im teureren Premium-Segment angesiedelt.

Elektroautos sind zwar nicht automatisch umweltfreundlicher als Autos mit Verbrennungsmotoren, es gibt aber noch andere Gründe, eines zu fahren: Der Betrieb ist kostengünstig, Treibstoff – in diesem Falle Strom – deutlich billiger als Benzin, und die geräuscharme Fortbewegung in einem Elektroauto ist eine Art Zen-Faktor der Mobilität.

Schon 2010 brachte Nissan den Leaf auf den Markt, nun ist die zweite Generation bereit, und sie stösst auf eine stark steigende Nachfrage. Bei der Präsentation des neuen Elektroautos in Frankfurt spricht ein Nissan-Verantwortlicher von einer Verdoppelung des Wachstums im Jahr 2017. Man rechne auch für 2018 mit 100 Prozent Steigerung. In der Schweiz haben schon 500 Kunden den Leaf bestellt, ohne ihn je gefahren zu haben. Drohende Fahrverbote und die Diskussionen um Stickstoff- und CO2-Emissionen sind natürlich politische Treiber für den Elektroautomarkt.

Der neue Leaf sieht gut aus und bedient mit seinem modernen, aber unaufgeregten Design den Massengeschmack. Die Form folgt der Funktion, ein möglichst tiefer Luftwiderstandswert garantiert eine grössere Reichweite. Auch im Innern kommen Robustheit und Funktionalität vor modischer Eleganz.

Mehr Energie, mehr Gewicht

Die Lithium-Ionen-Batterie ist gleich gross wie beim ersten Leaf, hat aber eine um 76 Prozent gesteigerte Energiedichte und dadurch auch ein höheres Gewicht. Damit kommt der rund 1500 Kilogramm schwere Elektro-Nissan weit genug: 285 Kilometer im realitätsnahen, neuen WLTP-Testverfahren sind mindestens möglich. In der Stadt kommt der Leaf mit einer Ladung sogar bis 415 Kilometer weit.

Das übersichtliche Cockpit zeigt, warum der Leaf eben kein Auto für die Techno-Elite sein will, sondern eines für alle. Um die Akzeptanz beim Publikum zu erhöhen, hat man auf eine rein digitale Anzeige verzichtet und sie stattdessen mit einem konventionellen Geschwindigkeitszeiger kombiniert. Der Leaf ist auch keine fahrende App, die zur Bedienung fortgeschrittene Informatikkenntnisse voraussetzt. Die wichtigste Funktion ist eine neue Taste mit der Bezeichnung «e-Pedal». Drückt man da drauf, bremst und rekuperiert der Wagen Energie, sobald man das Gaspedal etwas zurücknimmt. Konventionelles Bremsen wird so praktisch überflüssig, gefragt ist lediglich ein sensibler Gasfuss.

Mit seinem tiefen Schwerpunkt und dem kräftigen, aber nicht übermotorisierten Elek­troantrieb beschleunigt der Leaf in 7,9 Sekunden auf 100 km/h, das reicht für eine flotte Landpartie. Auf der Autobahn ist offiziell bei 144 km/h Schluss. Im Test schaffte der Nissan aber sogar 155 km/h, ansonsten aber sind die ausgezeichnete Geräuschdämmung und das teilautonome Fahren dank Kameras und Radarsystem für die komfortable Fernreise weitaus wichtiger.

Lautlose, kraftvolle Beschleunigung, tiefe Unterhalts- und Betriebskosten und ein gutes Gewissen kostenlos dazu: Es gibt ehrbare Gründe für ein Elektroauto, und der Nissan Leaf ist dafür ein gutes, alltagstaugliches Beispiel zu ­einem breitenwirksamen Preis.

Nissan Leaf Tekna
Leistung: 150 PS/110 kW,
Batterie: 40 kWh Kapazität; max. Drehmoment: 320 Nm;
Höchstgeschwindigkeit: 144 km/h;
Beschleunigung 0–100 km/h: 7,9 s;
Reichweite (WLTP-Testverfahren): 285 km; ­
Stromverbrauch: 20,6 kWh/100 km;
Preis: Fr. 41 500.–

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