Reisen mit «Sport plus»

Für eine übersichtliche Menge Geld bekommt man bei Kia ziemlich viel gutes Automobil. Wir empfehlen: den Stinger.

Gelegentlich wird der Autokolumnist auf freundschaftlicher Basis bei Beratungsgesprächen hinzugezogen, in denen es darum geht, in welches Kraftfahrzeug man Geld investieren sollte. Gerade bei mittleren Budgets lautet die Antwort oft: «Schau dir mal einen Kia an.» Seit neuestem hat die koreanische Marke auch im Bereich der sportlichen Limousinen ein schier unschlagbares Angebot.

Im vergangenen Herbst hatte ich erstmals über den Kia Stinger berichtet (Weltwoche Nr. 41/17), nun konnte ich ihn endlich über zwei Wochen im schweizerischen Alltag bewegen. Der gute erste Eindruck, an den ich mich noch erinnerte, hat sich nicht verändert, der Stinger ist eine ästhetische Erscheinung mit klarer ­Linienführung. Beim Interieur hat man sich wohl von den europäischen Vorbildern inspirieren lassen, daraus aber seine eigenen Schlüsse gezogen. Wollte man in Sachen Design streng sein, könnte man vielleicht die beiden Lufteinlass-Attrappen aus Kunststoff auf der Motorhaube anführen oder den etwas klobig­aufgesetzt wirkenden Bildschirm im Innern. Aber zur Strenge besteht kein Anlass. Wo man im Stinger hinschaut oder hinfasst, treffen Augen und Finger auf qualitativ hochwertige Mate­rialien und Verarbeitung.

Der Stinger ist vermutlich das erste Auto von Kia, nach dem sich Leute auf der Strasse umdrehen. Und das Angebot, das einem Kia macht, gehört zu der Sorte, die man nur schwer ablehnen kann: Für knapp 60 000 Franken bekommt man einen formschönen, sportlichen Wagen mit V6-Turbo-Benzinmotor, 370 PS und sieben Jahren Garantie.

Vor allem aber ist der Stinger ein vielseitiges Reisegefährt. Ich hatte in Vals zu tun, das heisst erst mal 147 Kilometer monotone ­Autobahn, dabei hilft die Kombination aus komfortablem Fahrwerk, Abstandsradar-Tempo­maten und Spurhalteassistenten, um entspannt voranzukommen. Zur komfortablen Ausstattung gehören auch ein gutes Soundsystem, ein Head-up-Display und weitere nützliche Technikkleinigkeiten. Ein ­Detail am Rande: Gemäss der geltenden EU-Norm verbraucht der Stinger im Durchschnitt 10,6 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer, in meinem Test über zwei Wochen kam ich mit 10,5 Litern noch unter diesen Wert.

Kaum hatte ich Laax und Flims hinter mir gelassen, wechselte ich ins Fahrprogramm «Sport plus», nahm Herz und Lenkrad fest in die Hände. Mit der scheinbaren Leichtigkeit einer Bergziege geht der Kia um die Kurven, beschleunigt an deren Ausgang mühelos, und das gelockerte ESP lässt leichte Bewegungen des Hecks zu. Trotzdem gibt einem der Allradantrieb ein sicheres Gefühl, und auch wenn die Winterreifen in scharf angegangenen Kurven anfangen zu «singen», ist es ein ziemlich ­grosses Vergnügen, mit diesem Auto eine Bergstrasse hinaufzuziehen.

In mir erwacht jetzt das Kind. Vor mir habe ich einen Mercedes SL 500, der schnell davonziehen möchte. Allein, der Kia lässt sich nicht so schnell abschütteln: Wir bleiben dran. Der Stinger gibt immer wieder Anlass zu solch einfachen, freudvollen Momenten im Leben eines Autofahrers, den die eigene Pubertät für ein paar Augenblicke wieder eingeholt hat.

Das Schöne am sportlichen Kia ist letztlich, dass er verschiedene Disziplinen des Auto­mobils beherrscht: eleganter Gran Turismo, Familien- und Sportwagen gleichzeitig.

 

Kia Stinger GT 3.3 T-GDi 4WD
Leistung: 370 PS/272 kW,
Hubraum: 3342 ccm
Beschleunigung 0–100 km/h: 4,9 sec
Höchstgeschwindigkeit: 270 km/h;
Verbrauch: 10,6 l (EU-Norm).
Preis: Fr. 59 200.–

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