Da muss Musik sein

Eine neue Generation Autokäufer wächst heran, Leistung suchen sie nicht zuerst beim Motor. Für sie ist der VW Polo «Beats» ideal.

Ein VW Polo ist grundsätzlich ein solides, eher sachliches Fahrzeug von hoher Qualität, Made in Germany. Solid und eher sachlich zu sein, ist keine schlechte Sache – im Gegenteil. Trotzdem hat man sich offenbar bei VW gefragt, wie man einen Polo mit Ein-Liter-Motor «cool» oder «funky» machen könnte. Klammerbemerkung: Das ist eine reine Mutmassung, ich habe keine Ahnung, was die sich bei Volkswagen wirklich den ganzen Tag hindurch überlegen, aber das ist auch ein anderes Thema.

Also weiter im Text mit etwas Fantasie: Da sitzt also eine Runde von Verkaufs- und Marketingspezialisten zusammen, bis einer sagt: «Wie wäre es mit einer Kooperation mit ­ Beats?»

«Du meinst die Kopfhörerfirma von Dr. Dre, dem Gangsta-Rapper von der Westküste?», fragt ein anderer, der «Beats» eben noch schnell in der Google-App auf seinem Smartphone eingegeben hat. So oder so ähnlich könnte es gewesen sein, die Dinge nahmen ihren Lauf, man führte Gespräche, kaufte eine Lizenz, unterschrieb einen Vertrag, und das Ergebnis heisst New Polo beats und hat mehr Watt als PS.

Rhythmus im Blut

Das Beats-Audiosystem in dem feinen Kleinwagen leistet genau 300 Watt aus sechs Lautsprechern, der erwähnte Downsizing-Motor bringt es auf 115 PS. «Da muss Musik sein», werden sich die Spezialisten gesagt haben. Bei den Kunden der näheren Zukunft, der sogenannten Generation Y, hat Leistung in einem Auto vielleicht tatsächlich nicht mehr nur mit dem Motor zu tun.

Die Digital Natives sind sowieso schwierige Kunden, der eigene Wagen oder das Haus auf dem Lande ist ihnen nicht mehr so wichtig wie noch ihren Eltern. In den Führungsetagen der Autokonzerne sind ganze Stäbe damit beschäftigt, neue Angebote für die neue, anspruchsvolle Käuferschicht zu entwickeln. Ein gutklingender VW Polo könnte da durchaus ein attraktives Angebot sein. Mein Beats, in knalligem Rot lackiert, erinnert tatsächlich an die bunten Kopfhörer der Marke mit dem prominenten b auf den Ohrmuscheln, die manches westliche Stadtbild mitprägen. Das prominente runde b findet sich an der A-Säule des Autos, sogar auf dem Schlüssel, und es ist auf die Sitze geprägt. Überhaupt hat das Interieur einen stilvollen Pop-Appeal: Mattlackierte Einlagen am Armaturenbrett oder ein elegant eingelassener Touchscreen gehören dazu.

Natürlich bin ich mit dem Auto auch gefahren, während ich dazu Musik gehört habe. Das Soundsystem klingt erfreulich gut, während dazu der Dreizylinder-Turbobenziner ausgezeichnet mit der angenehm geschmeidigen Sechsgang-Handschaltung harmoniert. Der Motor mit einer Leistung von 115 PS und 200 Nm Drehmoment bringt den knapp 1300 Kilogramm schweren Kleinwagen flott voran, aber Beschleunigungswunder kann man nicht erwarten. Der Ton macht hier die Musik und nicht der Motor. Man könnte es so sehen: Der VW Polo beats ist ein passendes kleines Auto für Menschen mit Rhythmus statt Benzin im Blut.

 

VW Polo «Beats»
Leistung: 115 PS / 85 kW, Hubraum: 999 ccm
Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h; Beschleunigung 0–100 km/h: 9,9 s; Verbrauch (EU-Norm): 4,7 l/100km
Preis: Fr. 24 550.–, Testauto: Fr. 25 767.–

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